HOME

Neulich im Netz: Alle Jahre wieder: Und wenn das fünfte Lichtlein brennt

Hoppla, so kann es kommen. Das neue Jahr ist da und keiner hat was gesagt. Beziehungsweise gesagt schon, aber irgendwie ohne, dass man dessen gewahr geworden wäre. Oder es vielleicht sogar gecheckt hätte. Was tun?

Noch schlimmer, wenn nicht nur Silvester, sondern auch der Tag der heiligen Bescherung spurlos an einem vorbeigegangen ist? Sich auf das ewig grüßende Murmeltier berufen? Glaubt man der zeitgenössischen Unterhaltung, sind Zeitreisen sowie irgendwelcher Unsinn, der mit der Zeit geschehen kann, längst nicht mehr absurd. Raider heißt jetzt ja auch Twix, oder umgekehrt. Wer weiß das schon?

Manch einer verpasst Weihnachten und Silvester vorsätzlich

Um nicht das neu zu bekommen, was seit dem vergangenen Weihnachtsfest alt geworden war. Mithin der Schlüssel zum Erfolg all der Shops in und rund um das Internet, mit ihrem unkomplizierten Bestellen und schnellen Liefern. Und schon wieder ein Buch. Und schon wieder eine CD. Ja, toll, die hatte ich wirklich noch nicht. Das ist aber jetzt schön und passt auch gut zu den Socken.

Es soll tatsächlich Menschen geben, die sich nicht jedes Jahr aufs Neue über dieselben einfallslosen Geschenke freuen. Es soll sogar Menschen geben, die nicht einmal Höflichkeit heucheln, sondern den Mist regungslos in Empfang nehmen und im erstbesten Moment entsorgen. Mitunter gelingt das direkt am Geschenkverteilungsabend durch geschicktes Vermengen von Geschenken und Geschenkpapier.

Da, um zu gehen

Geschenkpapier und Silvesterböller haben übrigens viel miteinander gemein. Sie sind da, um wieder zu gehen, was auch auf den mitunter recht unwillkommenen Weihnachtsbesuch zutrifft. Der kommt, weil er einmal im Jahr meint kommen zu müssen, setzt sich, trinkt und isst alles leer und fährt dann wieder weg. Zurück bleiben Geschenke, die keiner wollte.

Und so verdient sich der Flohmarkt mit den vier Buchstaben doch noch eine goldene Nase, weil man gar nicht soviel Geschenke in die Tonne hauen kann, sondern sie vielleicht doch besser versteigert, damit das Elend zumindest ein paar Cents bringt. Die trägt man dann auf die Bank und schaut ihnen beim Wertverfallen zu. Das ist genauso langweilig wie Aquarium, aber billiger, weil das Geld ja eh schon weg ist.

Befreit von dem Ballast kann man das neue Jahr endlich willkommen heißen: Hallo 2006.

Thomas Hirschbiegel