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Anti-Islam-Bewegung Pegida: Stille Nacht? Nicht in Dresden

Dick eingemummelt, zusammen mit den Liebsten: So feiert die Anti-Islam-Bewegung Pegida Weihnachten. Neben Striezelmarkt und Co. bekommt Dresden eine weitere, wenn auch traurige Tradition.

Von Anna-Beeke Gretemeier, Dresden

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann tausende.

Ein winterlicher Abendspaziergang zusammen mit 15.000 Gleichgesinnten – so sahen es an diesem Montagabend viele der Demonstranten, die als "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" in Dresden aufmarschierten. Während Touristen über den traditionsreichen Striezelmarkt schlenderten und Glühwein tranken, wurden gegenüber vom Rathaus neben Nationalfahnen auch Frohe-Weihnachten-Flaggen geschwungen. Besinnliche Adventsstimmung kam zwischen den vielen dunkel gekleideten Männern trotzdem nicht auf.

Dabei ließen die Organisatoren nichts unversucht: Zum Abschluss der Veranstaltung rief Pegida-Anführer Lutz Bachmann dazu auf, Lichter in den Dresdener Himmel zu senden: "Ob Feuerzeuge oder Handys - reckt Eure Hände in die Luft. Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen. Vielleicht sind wir kommenden Montag schon wieder ein paar Lichter mehr."

Gegenveranstaltung findet weniger Zuspruch

Am 22. Dezember begeht Pegida sein erstes Jubiläum. Zehn anti-islamistische Märsche seit Oktober diesen Jahres. Das muss gefeiert werden, findet Bachmann: "Wir wollen nächste Woche Weihnachtslieder singen. Bringt bitte alle eine Kerze mit."

Einige hatten schon heute Deutschland-Laternen dabei und liefen wie freudig erregte Kinder mit ihren Lampions hinter den anderen Spielkameraden her. Gesungen wurde ebenfalls. Die deutsche Nationalhymne. Anstelle von Gedichten gab's einen Reim: "Antifa – ihr könnt uns ma". Dazu hallte der Spruch der Freiheitsbewegung von '89 "Wir sind das Volk" durch die Straßen oder Parolen wie "Lügenpresse". Auch Schnee hätte die lauten Ausrufe nicht dämpfen können. Zu Gegenkundgebungen, zu denen die Bündnisse "Dresden für alle" und "Dresden Nazifrei" aufgerufen hatten, kamen laut Polizei mehr als 5600 Menschen. Das waren deutlich weniger als noch vor einer Woche, als 9000 Gegendemonstranten gezählt wurden.

Tannenbaumständer hatten die Pegida-Demonstranten mitgebracht. Zum Halten der Plakate. Mädchen und Frauen glänzten in ihren improvisierten und extra angelegten Festroben. Die Weihnachtsfarben rot und gold erstrahlten dadurch in einem anderen Licht.