HOME

NEULICH IM NETZ: Endlich: nie mehr rülpsen

Was ist 24-mal schneller als ISDN und doppelt so fix wie T-DSL? Richtig: UMTS. Gut auch, dass UMTS unterwegs für Tempo sorgt. Ab wann, von wem und wie steht aber noch in den Sternen.

Was ist 24-mal schneller als ISDN und doppelt so fix wie T-DSL? Richtig: UMTS. Gut auch, dass UMTS unterwegs für Tempo sorgt. Ab wann, von wem und wie steht aber noch in den Sternen.

Ein wenig vergaloppiert

Dabei hat alles so euphorisch begonnen, damals am 17. August 2000, als in einer Mainzer Kaserne die verrückteste Auktion seit Menschengedenken endete und nach heutiger Rechnung rund 50 Milliarden Euro in die Kassen von Finanzminister Eichel spülte. Nie zuvor hatte man den spröden Kassenmeister der Republik so ausgelassen gesehen. Den Mobilfunkkonzernen hingegen verging schon bald das Lachen. Einmal aus der Mobilfunk-Zukunftshysterie erwacht, wurde den Betreibern mit einem Mal klar, dass sie sich – ganz vorsichtig gesagt – etwas »vergaloppiert« hatten.

Telefonieren wie der Teufel

Stichwort »Refinanzierung«. Um die Kosten wieder reinzuholen, müsste mit dem Beginn des UMTS-Zeitalters jeder Bürger wie der Teufel persönlich telefonieren, Daten herunter- und heraufladen, online spielen, Filmchen und Bilder schauen und was man sonst noch so unterwegs mit seinem Handsprechfunkgerät anstellen können soll. Damit wäre es aber noch nicht getan, wenn es sich einigermaßen rechnen sollte für die Telekoms der Republik.

Unabdingbar für Gewinne: Ein Mobilrundfunk-Staatsvertrag, der alle Bundesbürger verpflichtet, mindestens elf Stunden pro Tag mit ihrem Handy moderne Dinge anzustellen. Der Rest des Tages wäre dann frei für Beschäftigungen wie einer Arbeit nachgehen, eine Familie gründen, schlafen oder Bierchen mit Freunden trinken – vorausgesetzt, diese müssen zu jener Zeit nicht ihren mobilrundfunkstaatsvertraglichen Aufgaben nachkommen. Ausnahmen wären aber auch hier denkbar, etwa wenn statt des gesprochenen Wortes alle Dialoge per SMS über den Tresen gehen würden.

Das Ende des Rülpsens

Das könnte auch den Wirt freuen. Statt wirren Durcheinanderblökens von mehr oder weniger angetrunkenen Gästen wäre nur das leise Tippetippditipp auf den Handytastaturen zu hören. Dann bräuchte es auch all die scheußlichen Bon-Jovi-CDs nicht mehr, die früher nur dazu dienten, Rülpser von Trinkern ohne Tischmanieren zu übertönen. Denn rülpsen, das würde sich wohl kaum jemand erlauben, wenn nur leise Tippetippditipps den Raum erfüllten.

Wer kann MMS?

Wenn es dann noch SMS gibt. Schließlich steht MMS in den Startlöchern, eine Art scheppernde Diaschau übers Handy. Die Handyfirmen rätseln derzeit allerdings noch, wie die Technik genau funktioniert.

Wie schön könnte also die Zukunft mit UMTS sein, wenn sie denn endlich käme. Kommt doch, die Zukunft, behaupten die Mobilfunker unisono. Ab Sommer, spätestens aber zum Herbst sei die »Revolution des Mobilfunkmarktes« zu haben. »Damit ließe sich beispielsweise das gerade geschossene Foto vor dem Brandenburger Tor in weniger als drei Sekunden per Mail verschicken, mit nichts weiter als einem schlichten Handy«, ist bei umts.de nachzulesen. Dort steht allerdings auch: »Sonera erwägt Ausstieg«. Aber: Nur vom »norwegischen UMTS-Markt«.

Thomas Hirschbiegel

H&A medien

Themen in diesem Artikel