NEULICH IM NETZ Im Aufzug mit Steve Ballmer


Das muss man sich mal vorstellen: 105 Minuten war ein braver Rechtsreferendar alleine mit dem »Satans-Killer« in einer Zelle. Sagt Bild. Der Klingelknopf ging nicht. Der rote Alarmknopf auch nicht. Handwerker hatten was kaputt gemacht. Es gibt nichts Schlimmeres. Oder doch?

Das muss man sich mal vorstellen: 105 Minuten war ein braver Rechtsreferendar alleine mit dem »Satans-Killer« in einer Zelle. Sagt »Bild«. Der Klingelknopf ging nicht. Der rote Alarmknopf auch nicht. Handwerker hatten was kaputt gemacht. Es gibt nichts Schlimmeres. Oder doch?

Ballmer hat nicht genug Arbeitsspeicher

Stellen Sie sich das mal vor: Steve Ballmer, Linus Torvalds und Steve Jobs im Aufzug. Dann bleibt der stecken, weil irgend so ein Latzhosen-Eumel mal wieder das falsche Kabel durchgeknipst hat. Microsoft-Ballmer würde das bestimmt eiskalt ausnutzen: »Guck mal Steve, da steht 'Äpfel sind doof!' in der Ecke da!« Woraufhin Steve Jobs wie alle guten Mäcianer sofort mit religiösem Eifer an die Beseitigung der Schandschrift geht. Derweil tritt Ballmer Torvalds Pinguin. Während sich der Linux-Vater wimmernd auf dem Boden nach einem passenden Treiber umsieht, kehrt Apfel-Stefan aus seiner Ecke zurück und streichelt die farbverschmierten Hände über Ballmers Deoroller: »Unser tägliches Office gib uns heute!« Von einem schweren Ausnahmefehler getroffen, sackt der Microsoft-Chef bald darauf zusammen. Offenbar nicht ausreichend Arbeitsspeicher.

Der Support-Server ist »down« - und der Fahrstuhl auch

Nach einem Neustart integriert Ballmer erst mal das Aufzugskontrollsystem in Windows, um von den beiden Mitreisenden Lizenzgebühren zu erpressen. Derweil drillt der Elektrolurch im Blaumann zwei Kabel zusammen, was zu einem Absacken der Aufzugskabine führt. Zehn Meter tiefer findet sich Torvalds unter Ballmer wieder. Steve Jobs gründet sofort eine Bürgerinitiative schwerstbegabter Grafikdesigner und fordert eine strikte Trennung der beiden Quellcodes. Dabei hatten die eh keine gemeinsame Schnittstelle. Ballmer kann ja auf die Schnelle auch kein Sicherheitsupdate laden. Und wenn, wäre er nicht mehr kompatibel. Außerdem ist der Microsoft-Support-Server eh »down«. Ob er das »dotnett« fände, will Steve Jobs wissen, bekommt aber keine Antwort.

In ihrer Not erzählen sich die drei IT-Gurus von ihren Lieblingswebseiten. Weit kommen sie nicht. Erst schwärmt Ballmer von Musclenow.com, einer Seite, die ihm wirklich weiter geholfen habe. Dann schwärmt Jobs von FurniturePorn.com, als Ballmer den armen Torvalds in den Oberschenkel zwickt. Dessen Aufjaulen verhallt allerdings - weil undokumentiert. Außerdem krächzt in diesem Moment der Handwerker über die Notrufanlage: »Ojemine, grad ging's noch.« Ballmer gibt die erste Fehlermeldung durch - nur mit Engelszungen können die anderen beiden den treuen Handwerksmeister davon abbringen, den ganzen Aufzug zu formatieren und sich in den Schraubenzieher zu stürzen.

Torvalds zu treten, kostet ja nix

Auf die charismatische Frage von Steve Jobs, wie er denn glaube, dass der Aufzug der Zukunft aussehen solle, bricht die Verbindung nach einem kratzigen »jetzt hab' ich's« ab. Was wiederum Jobs zu einer kleinen Spitze gegen Windows verleitet. Ballmer guckt böse und schreit dann etwas wie »alle befangen... Latzhose oder Robe... alles ein Sumpf... Kommunisten«. Als der Pfeifton in Jobs Ohren verklungen ist, hört er Torvalds leises Wimmern. Ballmer hat ihn getreten. Kostet ja nichts, denkt der. Und Handbuch ist auch keins dabei. Wie im richtigen Leben mit dem Satans-Killer.

Guido Augustin

H&A medien


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