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Wieder wertvoller als Google: Warum Windows über Bord gehen musste, um Microsoft wieder stark zu machen

Mit Windows wurde Microsoft zum wertvollsten Konzern der Welt. Dann kam das Smartphone und Apple und Google zogen vorbei. Doch dem Windows-Konzern gelang im letzten Jahr ein beeindruckendes Comeback - indem man die alten Kassenschlager vernachlässigte.

Satya Nadella Microsoft Windows 10

Unter CEO Satya Nadella hat sich Microsoft mächtig verändert

Picture Alliance

Computer, das war jahrzehntelang gleichzusetzen mit Windows. Ende des letzten Jahrtausends gab es kein Unternehmen, das es mit Microsoft in irgendeiner Form aufnehmen konnte. Dann ging es bergab. Und Microsoft musste die Krone an Apple und Google abgeben. Jetzt ist der Konzern zurück: Das erste Mal seit Jahren konnte sich Microsoft wieder an der Google-Mutter Alphabet vorbeischieben. Zu verdanken ist das der Zukunfts-Strategie von CEO Satya Nadella - und der Einsicht, dass Windows seine besten Zeiten hinter sich hat.

Die einstige Cash Cow ist nur noch ein Geschäft von vielen. Wie unwichtig Windows geworden ist, zeigt der letzte Quartalsbericht: Das frühere Vorzeigeprodukt wird dort nicht mal mehr separat gelistet, sondern gemeinsam mit der Spiele-Plattform Xbox und den selbstentwickelten Laptops und Tablets der Surface-Reihe als "Personal Computing" geführt - und ist sogar gemeinsam mit denen nur noch für ein knappes Drittel der Einnahmen verantwortlich. Den Löwenanteil der Einnahmen stammt mittlerweile aus dem an Unternehmen ausgerichteten Cloud-Geschäft, inklusive der mächtigen Azure-Plattform. Microsoft hat sich vom König des Computers zum Dienstleistungskonzern gewandelt. 

Neuanfang

Diese erfolgreiche Neuausrichtung ist Nadella zu verdanken. Und sie ist wohl als direkte Abgrenzung von seinem Vorgänger Steve Ballmer zu verstehen. Der hatte noch den Anspruch, dass alle Geräte der Welt mit Windows laufen sollten. Eine Hybris, die aus Microsofts dominanter Position aus dieser Zeit zu erklären ist. Obwohl Microsoft mit dem Platzen der Dotcom-Blase Ende 1999 mit einem Schlag 64 Prozent an Wert verloren hatte, stand das Unternehmen damals weltweit immer noch uneinholbar als wertvollster Konzern an der Spitze. Dann kam das iPhone.

Bei der Vorstellung machte sich Ballmer noch über den Konkurrenten Apple lustig, nannte das iPhone ein Handy unter vielen, das sich nicht besonders gut verkaufen werde. Eine fatale Fehleinschätzung. Das iPhone öffnete den Markt für Smartphones, wie wir sie heute kennen, machte den Computer - und damit Windows - immer unwichtiger. Nur drei Jahre nach der Vorstellung des ersten Modells war Apple am einstigen Primus vorbeigezogen und löste ihn als wertvollsten Konzern ab. Ab 2013 war auch Android-Entwickler Google mehr wert als Microsoft. Jetzt hat Microsoft ihn wieder überholt: Ganze fünfzehn Milliarden mehr ist Microsoft seit heute mehr wert als Googles Mutterkonzern Alphabet. Und damit wieder der drittwertvollste Konzern der Welt.

Vom Smartphone in die Cloud

Als Nadella 2014 das Ruder bei Microsoft übernahm, konnte er aus den Fehlern seines Vorgängers viel lernen. Zuerst stampfte er Ballmers gescheiterte Bemühungen ein, Apple und Google mit einem eigenen Smartphone nachzueifern. Windows Phone wurde letztes Jahr endgültig beerdigt. Stattdessen richtete er Microsoft voll auf Dienstleistungen aus. Sein Credo: Alle Geräte der Welt sollen mit Microsofts Diensten kompatibel sein. So brachte man Office für das iPhone heraus, entwickelte sogar eine eigene Oberfläche für Android-Smartphones. Und konzentrierte sich voll auf die Cloud-Sparte. 

Die wird für Geschäftskunden immer wichtiger. Ob Office-Software, Datenspeicherung oder auch komplexe Berechnungen: Immer mehr Arbeitsprozesse finden nicht mehr auf einzelnen Rechnern sondern in der Cloud statt. Wie wichtig die Cloud für den Konzern ist, zeigt auch die Umbenennung des wichtigsten Dienstes: Während Windows und Office früher als eigene Pakete beworben wurden, sind beide seit kurzem mit Cloud-Angeboten im Komplett-Paket Microsoft 365 zusammengefasst. Aus einzelnen Verkaufsschlagern wird eine Cloud-Dienstleistung - und Windows verschwindet dahinter.

Anders als beim Smartphone spielt Microsoft im Cloud-Geschäft immer noch ganz vorne mit, nur Amazons Cloud-Sparte AWS ist noch größer. Weil Microsoft auch beim wachsenden Thema Künstliche Intelligenz gut aufgestellt ist und den Firmenkunden mit allerlei Tools bei der Anpassung an eigene Bedürfnisse hilft, ist sogar ein Sprung auf den ersten Platz denkbar. Und dann kann es Microsoft endgültig egal sein, mit welchem Betriebssystem man auf die Cloud zugreift.

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