HOME

Continuum-Technologie: Wie Microsoft das Smartphone zum PC macht

Smartphones sind bislang nur schlaue Telefone. Geht es nach Microsoft, sind sie in Zukunft auch noch ein vollwertiger Computer. Mit der Continuum-Technologie wird aus einem Windows-Handy in wenigen Sekunden ein Arbeits-PC.

Windows Continuum

Einige Windows-10-Smartphones unterstützen das Continuum-Feature

Im Smartphone-Markt bewies Microsoft lange Zeit kein gutes Händchen: Erst verschlief man den Trend nicht nur, nein, der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer unterschätzte die gesamte Entwicklung und leistete sich das wohl größte Fehlurteil  ("Das iPhone wird sich nicht sonderlich verkaufen") seiner Karriere. Als er schließlich realisierte, dass sein Konzern innerhalb weniger Jahre vom Technologie-Treiber zum alten Eisen verkommen war, wollte er mit dem milliardenschweren Nokia-Kauf das Ruder herumreißen. Vergebens. Die Geräte blieben Ladenhüter. Auch wenn die Telefone zuletzt technisch überzeugten - Windows Phones dümpeln bei den Marktanteilen nach wie vor im einstelligen Prozentbereich herum.

Das Smartphone wird zum PC

Das Universal-Betriebssystem Windows 10 soll Ballmers Nachfolger Satya Nadella nun die Wende bringen. Die Software bietet auf allen Plattformen eine ähnliche Nutzererfahrung, sei es auf der Xbox One, den Surface-Tablets oder den neuen Lumia-Handys. Letzteren bringt es zudem ein ganz besonderes Feature, wie Microsoft auf seiner Präsentation am Dienstag eindrucksvoll unter Beweis stellte: Dank der Continuum-Technologie können die Windows Phones im Handumdrehen zu einem vollwertigen Computer umfunktioniert werden.

Alles, was man dafür braucht, ist das ebenfalls neu vorgestellte Microsoft Display Dock. Die kleine schwarze Box ist nicht viel größer als eine Zigarettenschachtel und hat drei USB-Anschlüsse, einen HDMI-Port und einen USB-C-Anschluss. Der Clou: Verbindet man das Smartphone mit der Box, erkennt der daran angeschlossene Monitor das Handy als eigenständigen Rechner. Doch statt einfach nur den Handybildschirm aufzublasen, läuft auf dem Gerät ein echtes Windows 10, mit dem man wie an einem Desktop-PC arbeiten kann.

Eine smarte Idee, die vor allem für das Büro der Zukunft spannend ist. In dem bräuchte nicht mehr jeder Schreibtisch einen eigenen Rechner, an dem sich ständig ein anderer Kollege an- und abmeldet. Es würde eine Dockingstation reichen, an die man nur sein persönliches Smartphone anschließen muss. In Zukunft könnte es sogar eine kabellose Variante des Docks geben.

Nur wenige Telefone unterstützen Continuum

Ist das Smartphone angeschlossen, kann man es weiter benutzen und etwa SMS verschicken oder Telefonate führen - während man auf dem Monitor etwa ein Word-Dokument im Vollbildmodus geöffnet hat. Noch funktionieren nicht alle Features von Windows 10, so kann man etwa keine zwei Apps parallel in der Side-by-Side-Ansicht öffnen, schreibt "The Verge". Ob sich das bis zum Start ändert, ist noch offen.

Weiterer Wermutstropfen: Nur ausgewählte Smartphones werden das Continuum-Feature unterstützen. Denn bei den Geräten wird vor allem die Grafik-Hardware stark gefordert, schließlich müssen zwei hochauflösende Displays parallel befeuert werden. Vorerst werden also nur Nutzer der Smartphone-Flaggschiffe das Feature nutzen können. Und wenn man sich die vergangenen Verkaufszahlen der Lumia-Geräte anschaut, werden das  nicht besonders viele sein.