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Missbrauch Smart Abuse – wenn der Ex durch den TV spioniert

Wer die Wohnung per App steuern kann, kontrolliert auch den Partner.
Wer die Wohnung per App steuern kann, kontrolliert auch den Partner.
© Getty Images
Viele Geräte im Haushalt sind mit dem Internet verbunden. Das ist sehr komfortabel – immer häufiger werden sie aber nun zu Waffen in schmutzigen Trennungskriegen.

Bei Katherine* spielte die Heizung verrückt. Im wärmsten Sommer heizte die Anlage das Haus zu einem Glutofen auf, im Winter schaltete sie sich einfach ab. Der Techniker kam mehrmals, stellte das Gerät wieder ein und fand keine Fehler. Dann hatte er eine Idee. Er fragte, ob es eine App gebe, um die Anlage zu steuern. Da war für Katherine alles klar. Ihr Mann hatte sie wegen seiner Geliebten verlassen, und war in sein Heimatland zurückgekehrt, mit dem Heizungsterror rief er sich aus der Ferne in Erinnerung. Das berichtet die britische Zeitung der "Telegraph".

Die "New York Times" hat über 30 Interviews zu dem Thema geführt. Die meisten Opfer fühlten sich, als würden sie langsam verrückt werden, wenn die Klimaanlage sie wahlweise einfrostet oder aufheizt, oder wenn sich die Codenummern des digitalen Schlosses an ihrer Haustür jeden Tag änderten.

Die Möglichkeiten nehmen zu 

Dieser "Smart Abuse" nimmt zu, der Grund ist die zunehmende Vernetzung des Haushalts und die Möglichkeit, günstig sehr schwer zu entdeckende Überwachungsgeräte einzukaufen. Das Internet der Dinge macht das Leben angenehmer, doch diese Geräte von der Lichtsteuerung bis zum Motor für das Garagentor lassen sich manipulieren. Sie versprechen Komfort, werden nun auch als Mittel zur Belästigung, Überwachung, Rache und Kontrolle eingesetzt.

Opfer sind meist Frauen, denn das Management der heimischen Technik ist häufig eine männliche Domäne. Das Entgleiten der häuslichen Umgebung verunsichert die Frauen zutiefst, zumindest wenn derjenige, der die Technik manipuliert, so subtil vorgeht, dass sein Eingreifen nicht erkannt wird. Der eigentliche Rückzugsraum der Wohnung wird dann zum Horrorkabinett.

Eine weitere Frau berichtet dem "Telegraph", wie sie von ihrem Ex-Mann mittels der Türklingel mit eingebauter Kamera und Mikrofon aus kontrolliert wurde, außerdem konnte er sich so heimlich zu Zutritt zu ihrer Wohnung verschaffen. "Es war die einzige Kontrolle, die er noch über mich hatte", sagt sie. "Einer meiner besten Freunde sagte, es ist ein bisschen wie ein Serienmörder, der den Tatort erneut besucht."

Leicht zu stoppen

Opfer und Helfer wissen meist nicht, wie diese intelligenten Technologien funktionieren und wie viel Macht die Person besitzt, die diese Geräte kontrolliert. Die Firma Cyber Care hilft den Opfern von Cyberstalking und technischem Missbrauch. Hier wird der Eingriff in die Systeme nicht nur gestoppt, sondern auch gerichtsfest dokumentiert. Kez Garner von Cyber Care berichtet von Kunden, die von ihrem TV-Gerät ausspioniert worden sind. Sie glaubt, dass es den Tätern um Macht gehe. "Er gewinnt. Er macht dein Leben kleiner und isoliert dich."

Nach einer Trennung ist es eigentlich leicht möglich, die Kontrollen eines Ex-Partners abzuschütteln. Der Aufwand ist gering. Die smarten Geräte im Haushalt nutzen allesamt das WLAN-Netzwerk. In der Software des Routers finden sich sämtliche Geräte, die sich in diesem Netzwerk anmelden. Das bloße Ändern des Passwortes trennt sie vom Internet. Bei Verdacht auf Missbrauch muss ihre Steuerung allerdings neu aufgesetzt werden, wenn sie wieder in Betrieb genommen werden, um unerwünschte Zugriffe zu verhindern.

Kontrolle in bestehenden Beziehungen 

Ganz anders sieht es in bestehenden Missbrauchsbeziehungen aus. Hier verstärkt die moderne Technik die Überwachungsmöglichkeiten eines kontrollsüchtigen Partners. Kameras mit Bewegungsmeldern können Haus und Umgebung lückenlos kontrollieren, zudem kann das Smartphone zu einem mobilen Überwachungsgerät umgerüstet werden.

* Die Namen der Betroffenen wurden geändert

Quellen: New York Times, Digital Trends, Telegraph

Kra

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