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Milliarden-Deal Springer-Chef Döpfner animierte Elon Musk offenbar zum Twitter-Kauf – und wollte mitmachen

Mathias Döpfner und Elon Musk
Kennen sich schon lange: Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner und Elon Musk.
© Britta Pedersen / Getty Images
Gerichtsunterlagen zeigen, dass Tesla-CEO Elon Musk regen Austausch mit Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner pflegt. Der Verleger riet ihm offenbar dazu, Twitter zu kaufen – und bot an, das Steuer zu übernehmen.

Wenn es um Twitter geht, wollen alle mitmachen. Aus Gerichtsunterlagen geht hervor, wer den Tesla-CEO vor und nach seinem Kauf zahlreicher Anteile der Kurznachrichtenplattform kontaktierte – darunter US-Milliardäre wie Jack Dorsey, Larry Ellison und Sam Bankman-Fried, aber auch Prominente wie Joe Rogan oder Justin Roiland, der Mann hinter der beliebten Serie "Rick & Morty".

Auch aus Deutschland erhielt Musk Nachrichten zur Causa Twitter. Ausgerechnet das hauseigene Medium "Business Insider" macht in einem Artikel darauf aufmerksam, dass Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner Musk nicht nur anscheinend zum Kauf animierte, sondern auch eine aktive Rolle nach der Übernahme spielen wollte.

"Wir können Twitter für dich managen"

Am 30. März schrieb Döpfner an Musk: "Warum kaufst du Twitter nicht? Wir (Axel Springer) können das für dich managen und daraus eine echte Plattform für freie Rede machen. Das wäre ein echter Beitrag für die Demokratie." Musk antwortete wenige Minuten später: "Interessante Idee." Döpfner entgegnete: "Ich meine das ernst. Es ist machbar. Und es wird lustig."

Die nächste Unterhaltung der beiden folgte am 4. April, kurz nachdem Musk neun Prozent an Twitter erwarb und sich als größter Aktionär von Twitter ein Mitbestimmungsrecht bei wichtigen Unternehmensentscheidungen sicherte. Döpfner schrieb: "Gratuliere zur Investition in Twitter. Das ging schnell. Sollen wir uns darüber unterhalten, ob wir dem Projekt beitreten sollten? Ich meinte meinen Vorschlag ernst." Musk antwortete nicht.

Fünf Stunden später hakte Döpfner nach: "Ich fliege morgen nach Miami. Sollen wir dann sprechen? Mittwoch ginge auch. Und dann mal schauen." Musk antwortete: "Sicher."

Döpfner hat genaue Vorstellungen – und ist gewohnt sarkastisch

Zwei Tage später folgt eine lange Nachricht. Um halb zehn fragt Döpfner: "Kurzes Telefonat wegen Twitter?" Zwanzig Minuten später ergänzt er die Unterhaltung um eine Art Zusammenfassung: "Status Quo: Twitter ist ein öffentliches Forum, aber es ist ein Problem, dass sich Twitter nicht an die Prinzipien der freien Rede hält. Demnach ist das Kernprodukt sehr gut, aber es dient nicht der Demokratie. Außerdem ist das aktuelle Geschäftsmodell eine Sackgasse, was man gut am Aktienkurs ablesen kann."

Es folgen Ziele, die Döpfner für Twitter formuliert hat: "Twitter soll das Rückgrat freier Rede werden und ein offener Markplatz für Ideen, der den Geist des ersten Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten verkörpert. Das Geschäftsmodell soll eine Kombination aus Werbefinanzierung und bezahlten Abos werden."

Mathias Döpfner skizziert dafür einige Schritte, die seiner Meinung nach folgen müssten. Er schreibt: "Spielplan: 1) 'Freie Rede lösen' 1a) Zensur komplett abschaffen und die Servicebedingungen drastisch auf das folgende reduzieren: Twitter-Nutzer stimmen zu, dass Spam verschickt wird und Nutzer betrogen werden, dass Gewalt beworben wird und dass illegale Pornographie geteilt wird." Ein Smiley hinter diesem Teil der Nachricht suggeriert, dass das womöglich sarkastisch gemeint war. Ein wenig erinnern die Nachrichten an seine Nachrichten über die Wiederwahl von Donald Trump (hier erfahren Sie mehr).

Musk antwortet erstaunlich knapp – oder gar nicht

Weiter schreibt der Axel-Springer-Chef: "Twitter muss Zensur-resistent werden, egal unter welchen Umständen und welche Regierung sich einmischt. Dafür sollte Twitter ein dezentrales Protokoll nutzen. Das ist nicht einfach, aber ein Muss. Die Programmierschnittstellen müssen wieder geöffnet werden, so wie zu Beginn von Twitter", fordert er. "Außerdem soll es einen Marktplatz für Algorithmen geben, der es empfindlichen Nutzern erlaubt, bestimmte Inhalte auszublenden. Und das Problem mit dem stagnierenden Aktienkurs muss gelöst werden."

Musk antwortet nicht. Erst am 14. April gibt es wieder Kontakt zwischen den beiden. Döpfner bezieht sich auf ein Interview zwischen Welt-Chef Ulf Poschardt und der Zeit. Er schreibt: "Unser Chefredakteur von der Welt hat gerade ein Interview gegeben, warum er Twitter verlassen hat (Poschardt ist lange wieder aktiv, Anm. d. Red.). Er kritisiert exakt die Sachen, die du am dringendsten ändern möchtest. Ich freue mich sehr darauf, über die Zukunft von Twitter zu sprechen, wenn du bereit bist. Das ist so aufregend!" Musk entgegnet wenig später: "Interessant."

Weitere Unterhaltungen zwischen Elon Musk und Mathias Döpfner sind den Gerichtsunterlagen nicht zu entnehmen. Eine Kopie der Unterlagen findet sich unter anderem auf dem Server der Technik-Zeitschrift "Heise".

Kein offizielles Statement

Der stern fragte direkt bei Dr. Mathias Döpfner, wie diese Nachrichten gemeint waren und welche Rolle er sich für seinen Verlag bei einer etwaigen Übernahme Twitters durch Elon Musk vorstellt. Ein Unternehmenssprecher erklärte: "Wir kommentieren den privaten Austausch zwischen zwei Personen nicht."

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