VG-Wort Pixel

Studie zu Online-Kriminalität Internet-Diebe werden immer kreativer und gieriger


Das Bundeskriminalamt warnt: Internet-Raubzüge nehmen weiter zu, und die Tricks der Diebe werden immer ausgefeilter - besonders beim Online-Banking. Etwa seit einem halben Jahr ist die Polizei noch hilfloser als ohnehin schon.

Die Zunahme der Raubzüge im Internet ist weiterhin nicht zu stoppen. "Wir haben ein Anwachsen der IT-Kriminalität im engeren Sinne um über 33 Prozent auf mehr als 50.000 Fälle", sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, am Montag in Berlin. Vor allem der Schaden durch Online-Banking-Betrug wächst rapide - um zuletzt 68 Prozent auf jetzt 17,5 Millionen Euro. In diesem Jahr zeichne sich eine Steigerung um weitere 70 Prozent ab, so das BKA.

Auch die durchschnittliche Schadenssumme nehme zu: 2009 lag sie noch bei 3500 Euro je Betrugsfall - jetzt sei sie auf 5000 Euro gestiegen. Die Betrüger würden dabei nicht nur immer gieriger, sondern auch immer einfallsreicher. Für die Angriffe werden vermehrt Anwendungsprogramme genutzt und nicht mehr nur Lücken in Betriebssystemen, sagte Dieter Kempf vom Internetverband Bitkom.

Millionen schon beim Online-Shopping betrogen

Elf Prozent (sechs Millionen) der Nutzer seien bei Internet-Einkäufen betrogen worden, ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr, wie eine gemeinsame Studie von BKA und Bitkom ergab. Bei sieben Prozent der Internet-Nutzer (rund 3,5 Millionen) hätten Online-Gauner persönliche Zugangsdaten zu Internet-Diensten ausgespäht (2009: fünf Prozent). Fünf Prozent haben schon einen finanziellen Schaden durch Schadprogramme oder Datenklau erlitten (2009: drei Prozent).

Nach Bitkom-Angaben haben in Deutschland rund zwei Drittel aller Internet-Nutzer schon Erfahrungen mit Kriminalität im Netz gemacht. Zumeist habe es sich um Virenangriffe gehandelt. "Das klingt zwar harmlos, aber solche Schadprogramme haben es zunehmend auf private Daten wie Benutzernamen, Passwörter oder Kreditkartendaten abgesehen", sagte Kempf. Diese würden dann massenweise als Hehlerware verkauft.

"Underground Economy" und Schutzgelderpressung

Das BKA warnt außerdem vor Software, die die Bank- und Kreditkartendaten eines Kunden gleichzeitig ausspäht und durch den Besuch von manipulierten Webseiten übertragen werde. Inzwischen gebe es eine Szene der organisierten Online-Kriminalität. Die Größe dieser sogenannten "Underground Economy" schätzt das BKA hierzulande auf rund 1000 Personen. Der Handel mit Bankdaten, digitalen Identitäten und Schadsoftware wandere dabei immer weiter in den Untergrund und auf ausländische Server ab. Diese Handelsplätze seien dann "für die deutschen Strafverfolgungsbehörden nur schwer erreichbar", betonte Ziercke.

Neben dem Bank- und Kreditkartenbetrug blühe auch die digitale Schutzgelderpressung. Dabei nutzen Kriminelle mit Viren infizierte, ferngesteuerte Rechner von arglosen Internetnutzern, um Seiten von Firmen anzugreifen. Weigert sich die Firma, ein Schutzgeld zu zahlen, wird die Website von so vielen Rechnern angegriffen, dass schließlich der Server ausfällt und niemand mehr die Dienste der Seite nutzen kann. Ein Albtraum für jedes Online-Unternehmen.

BKA beklagt Hilflosigkeit nach Gesetzesänderung

Das Bundeskriminalamt sieht sich bei der Entwicklung weitgehend hilflos, weil es seit einem halben Jahr kein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung mehr gibt. "60 Prozent der Ermittlungen gehen ins Leere", sagte Ziercke. Das Bundesverfassungsgericht hatte im März die bisherigen Regelungen zur Datenspeicherung gekippt.

Trotz der zunehmenden Kriminalität im Web gaben sich 23 Prozent der 1000 Befragten bei einer Umfrage von Bitkom und Forsa-Institut sorglos bei der Angabe persönlicher Daten im Internet. Auch ist noch jeder Fünfte in Deutschland ohne Virenschutz im Internet unterwegs. Kempf hob den Stellenwert des Selbstschutzes hervor. "Die Bedrohung hat zugenommen, denn die Täter werden immer professioneller und passen sich schnell an."

fw/AFP/DPA/APN/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker