Telekom-Rivalen DSL für jeden Haushalt


Die Rivalen der Deutschen Telekom gehen im Rennen um schnelle DSL-Internetzugänge in die Offensive. In einem Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel bieten die im Branchenverband VATM zusammengeschlossenen Unternehmen den raschen Ausbau ihrer Netze an. Sie haben ein ambitioniertes Ziel.
Von Thomas Wendel

Binnen einem Jahr sollen alle Haushalte in Deutschland einen schnellen Internetzugang erhalten. "Wir machen das im Vergleich zur Telekom in der Hälfte der Zeit, mit höherer Internetzugangsgeschwindigkeit und deutlich billiger", sagte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner der Financial Times Deutschland (FTD).

Mit dieser Offerte wollen die Firmen die Pläne des ehemaligen Telefonmonopolisten durchkreuzen, mit Rückendeckung der Kanzlerin ganz Deutschland flächendeckend mit schnellem DSL-Internet zu versorgen. Telekom-Chef René Obermann rechnet sich auf dem Investitionsgipfel der Bundesregierung am 5. Januar gute Chancen für seinen DSL-Ausbauplan aus. Das Gegenangebot der VATM-Unternehmen dürfte nun für einigen Streit sorgen.

"Weiße Flecken" beseitigen

Obermann hatte Kanzlerin Merkel (CDU) erst kürzlich angeboten, kurzfristig 2 Mrd. Euro in die Beseitigung der "weißen Flecken" auf der Landkarte für schnelle Internetanschlüsse bereitzustellen. Als Gegenleistung forderte Obermann unter anderem, von seinen Rivalen höhere Mietpreise für die Mitnutzung des Telekom-Netzes verlangen zu dürfen. Dies gilt besonders für die sogenannte letzte Meile, den Telekom-eigenen Teilnehmeranschlussdraht bis in die Wohnung jedes Kunden, den die Wettbewerber mitbenutzen müssen.

Vor allem dieses Detail hat die Konkurrenten alarmiert. Die Telekom wolle über den Umweg höherer Nutzungsentgelte ihren Netzausbau finanzieren. "Und wir sollen dafür die Zeche zahlen", sagte Grützner. Die Bundesregierung stehe im Begriff, mit der Telekom einen "Vertrag zulasten Dritter" abzuschließen.

Wohlwollen der Politik

Nun wollen die VATM-Mitgliedsfirmen, zu denen auch Großunternehmen wie Telefónica und die KPN-Tochter E-Plus gehören, mit ihrem eigenen Angebot gegensteuern. Für die etwa fünf Millionen Bürger in ländlichen Gebieten, die noch keinen Zugriff auf DSL erhalten können, will der VATM ein "vernünftiges Angebot" machen. Anders als der Marktführer setzen die Unternehmen dabei nicht allein auf herkömmliche DSL-Technologie. "Wir verlegen Glasfasern oder bauen Funknetze auf", sagte Grützner.

Ob die Politik allerdings auf dieses Angebot eingeht, ist zweifelhaft. Viele Regierungsmitarbeiter teilen die Position der Telekom, die zu einem Drittel in Staatsbesitz ist. Zudem hat der Bonner Konzern seinen größten Rivalen Vodafone auf seine Seite gezogen: Beide Unternehmen wollen in Würzburg und Heilbronn gemeinsam VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetze aufbauen - mit Wohlwollen der Kanzlerin.

FTD

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker