Videoportale "Zahltag für die Hobbyfilmer"


Die große Popularität von Videoplattformen wie Youtube, Myvideo oder Revver hat einen Grund: Millionen von Nutzern füttern die Dienste mit selbst gedrehten Videos. Jetzt zeigen sich die Anbieter langsam erkenntlich.
Von Arndt Ohler

"Hallo, die Yur.tv AG möchte sich bei Dir für die eingesendeten Clips in Form von Aktien der Yur.tv AG bedanken. Deine Filme sind so gut bei unserem Publikum angekommen, dass Du ausreichend Punkte für eine oder mehrere Aktien gesammelt hast." So beginnt die E-Mail, die heute bei über 60 Nutzern der jungen Internet-TV-Plattform Yur.tv im Posteingang landet. Etwas über 300 Aktien werden dem kleinen Zirkel angeboten.

Der Dank an die fleißigen Filmer ist berechtigt: Denn nicht nur Yur.tv, sondern auch die etablierten Webvideodienste wie Myvideo, Youtube, Sevenload oder Revver leben zu einem guten Teil von den Clips der Privatnutzer. Hunderttausende sorgen für große Vielfalt und hohe Besucherzahlen. Selbst unerhebliche Videos werden zumindest von Freunden oder der Familie angeschaut, hochgerechnet strömen so weltweit Millionen von Menschen auf die Videowebsites.

Dieser Strom lässt sich vermarkten. Längst blinken bei nahezu allen Video- oder Internet-TV-Portalen Werbebanner neben den Kästen, in denen die Videos oder Filme laufen. Zudem wird Werbung in die Streifen selbst integriert. So blenden zum Beispiel Youtube und Revver transparente, schmale Werbebanner am unteren Rand der Videos ein. Geld erhalten die Webdienste von werbetreibenden Unternehmen, sobald Nutzer auf die Banner klicken. Das US-Marktforschungsunternehmen Emarketer prognostiziert, dass dieses Jahr allein in den USA 1,7 Mrd. $ in Werbung auf Videosites fließen werden.

Werbeumsätze teilen

War die Umsatzbeteiligung für professionelle Anbieter wie Musikkonzerne oder Filmstudios seit Langem üblich, zeigen sich zahlreiche Videoplattformen auch gegenüber den Amateuren erkenntlich. So teilen Blip.tv oder Revver die Werbeumsätze, die mit den jeweiligen Videos gemacht wurden, mit deren Produzenten. Der Dienst Metacafe zahlt bei populären Videos je 1000 Zuschauern 5 $. Angesichts der harten Konkurrenz hat auch das weltweit führende Portal Youtube ein Programm aufgelegt. So will die Google-Tochter verhindern, dass Stars der Plattform wie die Produzenten der Serie "Ask a Ninja" oder "Chad Vader" Youtube verlassen.

Das Mitmachportal Yur.tv aus Hamburg geht aber noch einen Schritt weiter. "Wir hatten eigentlich gedacht, dass wir einen Aufsichtsratsposten an einen der neuen Aktionäre vergeben", sagte Co-Vorstand Malte Ubl. Aufgrund möglicher rechtlicher Probleme sind die Manager davon jedoch wieder abgerückt. Nun soll aus den Aktionären auf der ersten Hauptversammlung ein Beirat gewählt werden, der den Vorstand in strategischen Fragen betreut. "Die Zuschauer sollen wirklich die Möglichkeit haben, den Kanal zu bestimmen", sagte Lutz Schaffhausen. Der bisherige Yur.tv-Alleinaktionär ist Chef der Beteiligungsholding Avantaxx, zu der die Werbeagentur Springer & Jacoby gehört. Anders als bei Konkurrenten wie Myvideo wird auf der Website aus den hochgeladenen Videos ein laufendes Internet-TV-Programm zusammengestellt, das von den Zuschauern bewertet werden kann. Zudem sollen die Aktien künftig handelbar werden und sich so möglicherweise zu Geld machen lassen.

Derzeit haben die Papiere von Yur.tv eher einen symbolischen Wert. Lediglich etwa 2000 Zuschauer zählt der Webdienst täglich. Bei Metacafe lässt sich dagegen schon richtig Geld verdienen. Laut Rangliste auf der Startseite konnte der Spitzenreiter mit den Pseudonym Kipkay in der vergangenen Woche 585 $ einstreichen.

FTD

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