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Web-Doku "Bubble Universe": Leben in Berlin und Azeroth

Videospieler sind latent aggressiv, meiden ihre Mitmenschen und verbringen ihr Leben vor dem Rechner. Oder? Die Web-Doku "Bubble Universe" räumt mit diesen Klischees auf und zeigt das ganz normale Leben dreier "World of Warcraft"-Spieler.

Von Felix Disselhoff

"Rosen sind grau, Veilchen sind grau, ich bin tot und farbenblind ... Genau", grunzt Tobias seinen Bildschirm an. Er gehört zur Horde der "Rising Gods". In seiner Freizeit stürmt er schwerbewaffnet durch Wälder und schlägt auf alles ein, was sich ihm in den Weg stellt. Der 19-Jährige mit den schwarzen Haaren, die sein blasses Gesicht verdecken, ist für viele das, was man einen Freak nennt. Dabei ist er nur einer von rund elf Millionen. Denn so viele "Chars" (engl.: Charaktere) tummeln sich in der virtuellen Welt Azeroth des Online-Rollenspiels "World of Warcraft". Tobias ist einer der Protagonisten von "Bubble Universe", einer Dokusoap des Webserienportals 3min.de, die sich in vierzehn Folgen dem Phänomen "World of Warcraft" und seinen Anhängern nähert. Und zeigt: Computerspiele müssen nicht zwangsweise isolieren, sondern können Dreh- und Angelpunkt sozialer Beziehungen sein. Auch "WoW"-Neulinge dürfte die Kurz-Doku interessieren. Web-Experten reden in "Bubble Universe" über die Relevanz von Spielen und wie sie unsere Gesellschaft verändern.

Von Gamern für Gamer

"Bubble Universe" lässt sich ungefähr mit dem deutschen Begriff "Parallelwelt" übersetzen. Und genau das ist "World of Warcraft". Ein Welt mit weitläufigen Kontinenten, Städten, florierendem Handel, sozialen Geflechten und Streitigkeiten, die auf die eine oder andere Art aus der Welt geräumt werden müssen. Jeder Spieler kann einen oder mehrere Charaktere anlegen und in Rollenspielmanier sein digitales Alter Ego mit neuen Gegenständen ausrüsten und Aufgaben lösen. "Bubble Universe" zeigt in kleinen Episoden von fünf Minuten, dass Gamer keine zurückgebliebenen, gewaltliebenden Soziopathen sind. Ein Klischee, dessen sich die Medien gerade in den Wochen nach Winnenden nur zu gerne bedient haben.

Die Serie begleitet drei ganz unterschiedliche "WoW"-Spieler aus Berlin bei ihrem ständigen Wechsel zwischen realer und virtueller Welt. "Bubble Universe" nähert sich der Faszination des Spiels über Alltagsbetrachtungen der drei Spieler, die Reflexion des Spiels selbst und eine Collage aus Hintergrundinfos und Meinungen zu Onlinewelten. Thomas Wüstemann, Regisseur der Dokusoap sagt: "Wir sind selbst Gamer und wollten schon seit langem was zum Thema parallele Welten produzieren. Da war die Anfrage von 3min.de natürlich ein Geschenk, das wir gern angenommen haben. In neun Wochen war alles recherchiert, geschnitten und produziert. Rekordzeit." Herausgekommen ist eine kurzweilige Web-Doku, die einem die Onlinewelt in ihrer Größe und Tiefgründigkeit näher bringt - und die zeigt, dass Parallelwelten durchaus Schnittmengen haben können.

Neues aus dem Paralleluniversum

Zugegeben: Auf den ersten Blick entspricht Tobias dem Bild eines Hardcore-Spielers bis ins Detail. Seine Haut ist blass, sein Kleidungsstil wird von der Farbe Schwarz bestimmt, und wenn er sein Headset aufsetzt und als untoter Magier durch die Lande streift, scheint er eine andere Sprache zu sprechen: "Man kommt in den Silberwald, und ein Hexer aus Dalaran castet keine Frostblitze! Das kann einen schon mal aufregen." Was treibt so viele Menschen an, diesem Hobby mehrere Stunden am Tag teilweise über Monate und Jahre nachzugehen? Dieser Frage geht die Web-Dokumentation nach.

Zu Wort kommen auch Kenner der Szene wie der Web-Experte und Blogger Robert Basic oder Jan Hegenberg, der dank seiner Musik über Rollenspiele zum Musikstar in der Szene wurde. Im Zentrum der Betrachtungen steht nicht zuletzt die soziale Komponente von Online-Rollenspielen: In dieser Pixelwelt entstehen Freundschaften und Bündnisse, die auch in der Offline-Welt funktionieren. So auch bei Nina, dem weiblichen "Mainchar" ("WoW"-Englisch für Hauptcharakter) von "Bubble Universe". Das Spiel hat ihr Leben verändert. Sie lernte ihren Freund über das Internet kennen. Anthony ist Amerikaner und spielt "World of Warcraft" seit 2004. Zwischen Berlin-Spandau und Houston, Texas, ist die Parallelwelt jetzt der einzige Ort, an dem sich die beiden nah sein können. "Er hat halt immer dieses Spiel gespielt. Ich hab dann auch in Deutschland damit angefangen, damit wir irgendwie zusammensein können", erzählt Nina.

Echte Beziehungen werden digital weitergeführt, und aus Verbündeten im Spiel werden Freunde im richtigen Leben. Blogger Robert Basic bringt es auf den Punkt: "'WoW' ist Web 2.0 par excellence. Menschen sind komplex in Gilden organisiert. Man kann behaupten, dass sich Erlebnisse aus 'WoW', der Umgang mit Menschen, auf die Gesellschaft übertragen lassen. Man fragt nicht mehr: Bist du Pfarrer, bist du Soldat? Die spielen gemeinsam."

Diese Tiefgründigkeit dürften viele Gamer in den letzten Wochen vermisst haben, wenn sie die Zeitung aufgeschlagen oder den Fernseher eingeschaltet haben. Der Amoklauf von Winnenden hat nicht nur die Diskussion um Gewaltspiele erneut entfacht. Auch die Zeit, die Jugendliche vor dem Computer verbringen, war wieder Thema. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen veröffentlichte jüngst dazu eine Studie, derzufolge in Deutschland über 14.000 Jugendliche als computerspielsüchtig gelten. Die Studienautoren kamen zu dem Schluss, dass exzessives Spielen zwar nicht automatisch in die Sucht führe, das Spielen von Online-Rollenspielen wie "World of Warcraft" erhöhe jedoch das Risiko. So würden knapp neun Prozent der in der Studie befragten "WoW"-Spieler ein suchtartiges Verhalten an den Tag legen.

Web-Soap für die Kaffeepause

Doch für einen Großteil der Spieler hat "WoW" eine soziale Komponente. "Ich war neu nach Berlin gezogen. Als ich in die Gilde aufgenommen wurde, hatte ich wieder eine Grundlage und Kontakt zu Menschen in meiner Freizeit. Das hat mit geholfen, mich wieder zu integrieren. Mittlerweile ist mein Freundeskreis richtig gewachsen", sagt Tobias. Voll integriert in die "WoW"-Szene ist auch Jens, der dritte Protagonist der Web-Doku. Die Hälfte des Tages verbringt er in der bunten Onlinewelt: "Ich glaube, andere Leute sind auch viel zu Hause und sitzen vor der Glotze oder machen irgendeinen Blödsinn", meint der 29-Jährige.

Den Rest des Tages bloggt er über seine Erfahrungen im Spiel. Er lebt bei seinen Eltern und ist irgendwie Kind geblieben. Wenn er über das Spiel spricht, leuchten seine Augen. Doch in das Klischee vom unangepassten Zeitgenossen will auch er nicht passen. Genau das macht den Reiz von "Bubble Universe". Ohne Sprechertext kommen Spieler und Experten zu Wort. Die Frage, ob "WoW" Sucht oder eine Lebenseinstellung ist, kann sich der Zuschauer selbst beantworten. Fans des Spiels fühlen sich nicht mehr allein, und Neulinge bekommen einen Einblick in das Paralleluniversum von "World of Warcraft". Zu sehen ist "Bubble Universe" immer mittwochs und freitags mit einer neuen Episode auf 3min.de.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.