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"Overwatch" im Test Guck mal, was der Affe alles kann


Mit dem teambasierten Online-Shooter "Overwatch" wagt sich das Spielestudio Blizzard auf neues Terrain. Doch wird es nach "World of Warcraft" der nächste große Hit?

Wohl kaum eine Spielefirma steht so sehr für Qualität wie Blizzard. Mit Reihen wie "Starcraft", "Warcraft" und "Diablo" wurde das Studio eine Legende unter Gamern. Die Krönung war das Online-Rollenspiel "World of Warcraft", dem zeitweise 12 Millionen Menschen verfallen waren. Es spülte Hunderte von Milliarden in Blizzards Kassen. Doch es war Fluch und Segen zugleich: Was kommt danach? Kann man solch einen Erfolg noch einmal wiederholen?

Insgesamt sieben Jahre arbeitete Blizzard in seinen Geheimlaboren am Nachfolger "Titan", im Jahr 2014 zog man die Reißleine. Das Spiel wird nie erscheinen, insgesamt verbrannte das Unternehmen Schätzungen zufolge 140 Millionen Dollar. Doch nicht alles war vergebens: Einige Elemente aus "Titan" haben es in das neue Spiel "Overwatch" geschafft, das in dieser Woche auf den Markt kam. Damit wagt sich Blizzard auf völlig neues Terrain: Mit "Overwatch" bringt man nicht nur eine neue Marke an den Start, es ist auch der erste Shooter. Doch funktioniert das Konzept? Wir haben es ausprobiert.

Easy to learn, hard to master

Der Einstieg in "Overwatch" ist simpel, in einem unterhaltsamen Tutorial lernt man die Steuerung kennen. Die orientiert sich an anderen Konsolen-Shootern. Dann muss man sich entscheiden: Erst ein paar Runden gegen den Computer spielen, um sich für die Online-Matches warmzuballern, oder gleich mit echten Spielern duellieren? Wir hatten uns für Variante zwei entschieden - und wurden online erstmal weggepustet. Und dann gleich nochmal. Wer frustfrei starten will, sollte also zunächst ein paar Runden gegen den Computer spielen, um die unterschiedlichen Helden kennenzulernen.

Und davon gibt es jede Menge: Etwa einen Nahkampfkrieger mit riesigen Hammer (er hört auf den deutschen Namen Reiner), einen wurfsternschmeißenden Ninja und einen Gorilla im Weltraumanzug, der mit Teslakanone und Sprungantrieb seine Gegner in Schach hält.

Die 21 Helden unterscheiden sich nicht nur optisch, sondern auch spielerisch voneinander. Neben Nah- und Distanzkämpfern gibt es auch Unterstützer, etwa einen brasilianischen DJ, der auf dem Schlachtfeld verschiedene Songs auflegen und so sein Team unterstützen kann - ein Song erhöht etwa das Bewegungstempo seiner Kameraden. Die Klassen wirken zudem sehr ausbalanciert, hier hat Blizzard einen guten Job gemacht.

Tempo und Teamplay

"Overwatch" ist ein sehr schneller Shooter, der vom Tempo eher an "Unreal Tournament" als an die taktische "Rainbow Six"-Reihe erinnert. Ohne flinke Reflexe ist man rasch aufgeschmissen. Wer es ruhiger mag, dürfte gefallen an Helden wie Sprengstoffexperte Junkrat finden. Er kann Stahlfallen und Minen auslegen, die er aus der Ferne zünden kann. Hinterhältig, aber effektiv!

Über Sieg oder Niederlage entscheidet das Teamplay, alleine ist wenig zu holen. Nur ein Team mit einer richtigen Mischung aus Defensiv- und Offensivkräften, aus Distanzkämpfern und Unterstützern wird am Ende gewinnen. Stirbt man im Kampf, muss man nicht erst auf das Ende der Runde warten, wie etwa in Counter-Strike, sondern steigt nach wenigen Sekunden wieder ein. So kommt nie Langeweile auf.

Bitte keine Laientruppe!

In einigen Online-Shootern verkommen die Gefechte schnell zum langweiligen Einheitsbrei. Diese Gefahr ist durch die enorme Helden-Vielfalt und die unterschiedlichen Karten bei "Overwatch" nicht gegeben. Die Abwechslung wird zusätzlich erhöht, weil Spieler auch im laufenden Spiel  noch ihren Helden wechseln können.

Fairerweise muss man aber auch sagen: Stimmt die Chemie im eigenen Team nicht oder hat man wirklich ein paar unfähige Spieler erwischt, ist das schnell frustrierend. Das Matchmaking, also der Algorithmus der möglichst gleichstarke Spieler in die Teams steckt, funktioniert derzeit noch nicht zuverlässig. Hier muss Blizzard nochmal nachbessern. Gegen gut koordinierte Teams, die eventuell sogar per Sprachchat miteinander kommunizieren, hat man als zusammengewürfelte Laientruppe keine Chance.

Alles von Anfang an verfügbar

Nach jeder Partie bekommt man Erfahrungspunkte, mit denen man im Level aufsteigen kann. Spielerisch hat das keine Auswirkungen - doch der sich stetig füllende Fortschrittsbalken hält den Spieler bei der Stange, zugleich schaltet man Extras wie neue Animationen und Skins frei, womit die Helden ein neues Outfit bekommen.

Dass sich Blizzard bei "Overwatch" nicht für das Free-to-Play-Prinzip entschieden hat (wie etwa bei "Hearthstone"), bringt für die Nutzer einen gewaltigen Vorteil: Alle Helden und Karten stehen von Anfang an zur Verfügung. Und auch die nächsten Helden und Schauplätze, die Blizzard per Update nachliefern wird, bleiben kostenfrei.

Fazit

"Overwatch" bringt frischen Wind in das Shooter-Genre und könnte sich neben "League of Legends", "Dota 2", "Counterstrike" und Co. behaupten. Die Anlagen sind gut, jetzt liegt es an Blizzard, das Spiel konsequent weiterzuentwickeln.

"Overwatch" gibt es für PC, Playstation 4 und Xbox One und kostet rund 60 Euro


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