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Das Smart Home - eine Horrovision: Gefangen in der Katzenklappe

Die Consumer Electronic Messe in Las Vegas hat uns kürzlich die Zukunft gezeigt: Das voll vernetzte Haus wird kommen. Aber was passiert, wenn die Technik verrückt spielt?

Eine Horrorvision von Kester Schlenz

Hat ja was, so ein voll vernetzter Haushalt. Man kann einfach nur so daliegen, langsam dicker werden, und alles erledigt sich von selbst. Solange alles funktioniert. Nehmen wir aber mal an, dass aufgrund eines - sagen wir mal - massiven Sonnensturmes auf der Erde alle intelligenten, elektrisch betriebenen Geräte verrückt spielen oder versagen. Was wäre dann?

Ich habe das mal in Gedanken durchgespielt: 19 Uhr. Feierabend. Draußen regnet es massiv. Ich hetze vom Auto zu meinem Haus, presse meinen Finger auf die "Keyless-Fingerprint-Apparatur", um die Eingangstür zu öffnen. Fehlfunktion. Die Tür bleibt zu. Eine blecherne Stimme aus dem Lautsprecher ruft: "Identifikation negativ. Die Polizei ist alarmiert." Und ich stehe wie ein Idiot im Regen und presse vergnatzt meinen Daumen auf die Tür. Währenddessen hat die vom Sonnensturm irritierte "Smart-Home-Haussteuerung" sämtliche Jalousien vor allen Fenstern heruntergefahren.

Der Backofen ist verwirrt

My Home is my Festung! Ich versuche, meine Frau mit dem Handy anzurufen. Sie muss irgendwo im Haus sein. Ist sie auch. In der Küche. Dort hat sie der intelligente Geschirrspüler als Geisel genommen und sich vor die Tür gerollt, weil er nicht ausgeräumt wurde. Zudem hat sich der verwirrte Backofen eingeschaltet und verkohlt vorsätzlich einen Braten. Die Heizung, deren Sensoren ebenfalls verrückt spielen, läuft auf Hochtouren. Die Küche wird zur Sauna. Meine Frau! Wird sie verdörren? Zum Glück springt die Espresso-Maschine an und füllt eine kleine Tasse mit vier Litern Latte. Der Geschirrspüler wittert Arbeit und rollt ein Stück auf die Espresso-Maschine zu.

Meine Frau nutzt die kleine Chance und flüchtet durch einen Türspalt ins Obergeschoss. Sie kann gerade noch der intelligenten Waage entkommen, die aus dem Schlafzimmer heran rast und "Komm her, du fette Sau" schreit. Dabei wiegt sie nur 50 Kilo. Also, meine Frau, nicht die Waage. Schließlich taucht der Kopf meiner Gattin in der Dachluke auf.

"Dieses Haus ist Fort Knox"

"Hilf mir", ruft sie. "Ich glaube, die intelligente elektrische Zahnbürste ist hinter mir her. Ich habe heute Morgen unter zwei Minuten geputzt. Und dein Elektrorasierer hat den Bonsai entmannt. Der hat mich auch schon angebrummt. Du musst mich hier rausholen."

"Aber ich komme nicht rein", schreie ich zurück. "Dieses Haus ist Fort Knox".

"Ich habe eine Idee", ruft meine Frau. Ich sehe, wie sie am Nacken unseres Katers Carlo herumzerrt. Dann hält sie sein Halsband mit einem Chip daran in der Hand. "Nimm die Katzenklappe, Schatz."

Sie wirft mir das Halsband herunter. Ich lege es an und krieche auf die Klappe zu. Ein Sensor piept. Da – die Klappe öffnet sich. Ich zwänge mich hinein. Aber die Überwachungs-Smart-Cam hat mich erfasst und nach einem kurzen Abgleich festgestellt, dass ich keine Katze, sondern vermutlich ein besonders hässlicher Marder bin. Folglich wird ein Alarm ausgelöst. Die Katzenklappe sendet kleine Stromschläge und besprüht mich mit einer ätzenden Abschreckungsflüssigkeit. Ich hänge halb im Haus, halb draußen.

Aber immerhin hat mich das drahtlose Home-Musik-System trotz meines verzerrten Gesichtes erkannt und spielt mit infernalischer Lautstärke meinen Lieblingssong "Thunder", während ich mit tränenden Augen unter Elektroschocks zucke und schließlich ohnmächtig werde. Als ich erwache, verhaftet mich die mittlerweile eingetroffen Polizei. Dazu spielt das Home-Musik-System einen Song von The Police.

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