Adobes Handy-Pläne Flash macht mobil


Schluss mit dem programmierten Chaos: Eine groß angelegte Initiative soll Adobes Animationssoftware zum Standard auf Handys & Co. machen. Das kann nur gelingen, wenn alle Hersteller von Mobilgeräten mitspielen. Es scheint, dass die Pläne von Adobe aufgehen.
Von Karsten Lemm, San Francisco

Bewegte Bilder anzuschauen, während man unterwegs ist, ist bisher Glücksache. Das gilt für YouTube-Videos genauso wie für Webseiten, die Animationen nutzen: Fast jeder Handy-Hersteller setzt auf andere Software, und oft bleibt der Bildschirm dunkel - selbst wenn das smarte Telefon eigentlich schlau genug wäre, solche Inhalte anzuzeigen.

Das programmierte Chaos soll nun ein Ende haben: Mit einer umfangreichen Initiative will der kalifornische Hersteller Adobe seine vom PC bekannte Animationssoftware Flash zum Standard auf Mobilgeräten machen. Fernseher und Spielekonsolen nimmt die Firma gleich mit ins Visier. Um das so genannte "Open Screen Project" zum Erfolg zu machen, verzichtet Adobe auf die bisher üblichen Lizenzgebühren und erlaubt es Software-Entwicklern, den Flash-Player an eigene Dienste anzupassen.

Fehlende Standards

"Wir sehen im Augenblick ein großes Problem", erklärt Michele Turner, Adobes Vizepräsidentin für Produktmanagement. "Jenseits des PC ist das Erlebnis, das Nutzer haben, je nach Gerät sehr unterschiedlich." Schuld ist ein fehlender Softwarestandard: Auf Handys hat sich bisher kein einzelnes Betriebssystem durchgesetzt, so wie es Microsoft mit Windows auf dem PC gelungen ist. Stattdessen ringt eine Handvoll von Rivalen um die Vorherrschaft, darunter Symbian, Windows Mobile und RIM ("Blackberry").

Für Entwickler bedeutet das oft mehrfache Arbeit, für Nutzer häufig Frust. "Es ist bisher schwer einzuschätzen, ob Inhalte" - etwa Web-Videos - "tatsächlich abgespielt werden können", sagt Turner. Um die Animations-Software Flash, die laut Adobe auf 98 Prozent aller PCs installiert ist, zu ähnlicher Verbreitung auf Mobiltelefonen zu verhelfen, hat sich das Unternehmen mit einer Reihe von Partnern verbündet: Darunter sind praktisch alle großen Handy-Hersteller, von Nokia über Motorola bis zu Samsung und Sony Ericsson, aber auch Chip-Entwickler wie Intel und Anbieter von Inhalten, etwa der Musiksender MTV und die britische BBC.

Ein zersplitterter Markt

"Viele Menschen wollen Medien konsumieren, wo immer sie auch sind und egal, welches Gerät sie benutzen", sagt Julie Ask, Mobilfunkspezialistin beim Marktforscher Jupiter Research. Das Software-Wirrwar mache das im Augenblick sehr schwer. "Der Markt ist zu zersplittert", sagt Ask. Deshalb sei Adobes Vorstoß zu begrüßen, weil er das Anschauen von Videos und anderen Animationen deutlich erleichtere. "Flash erlaubt ein wesentlich besseres Angebot, als es auf den meisten Mobilgeräten derzeit der Fall ist."

Adobes Pläne gehen allerdings über Handys hinaus. Die Firma, die mit Photoshop groß geworden ist, möchte Flash nutzen, um auch das Wohnzimmer zu erobern: In Spielekonsolen wie Nintendos Wii soll die Animationssoftware bald ebenso zu finden sein wie in Set-top-Boxen für TV-Geräte. Dazu passt, dass der Softwaregigant, der im vorigen Jahr auf knapp 3,2 Milliarden Dollar Umsatz kam, vor kurzem den "Adobe Media Player" samt einem Video-Dienst vorgestellt hat.

Als Teil seiner Expansion verzichtet das Unternehmen künftig auf Lizenzgebühren, die Handy-Hersteller bisher zahlen, um Flash-Software auf ihren Geräten zu installieren. Adobe folge damit derselben Strategie wie bei Postscript und dem Dokumentenformat PDF, erklärt Michele Turner: "Wir sagen uns, je einfacher wir es den Entwicklern machen, um so mehr hilft es unserem Geschäft mit Anwendungsprogrammen." Adobe verteilt zwar die Software zum Ansehen von PDF-Dokumenten und Flash-Animationen kostenlos, verdient aber an Programmen wie Dreamweaver und Acrobat, die zum Erstellen solcher Dateien benötigt werden.

2009 geht es los

Nutzer, die vom "Open Screen Project" profitieren wollen, müssen sich noch eine Weile gedulden. Erst die nächste Version des Flash Players, die für 2009 geplant ist, soll die versprochene große Freiheit bringen. "Wir sind noch im Entwurfsstadium", sagt Turner. Bis dahin müssen sich gut 500 Millionen Mobilnutzer weltweit mit "Flash Light" begnügen - einer abgespeckten Variante der Software. Wenn sie denn überhaupt Webseiten mit Flash-Animationen nutzen können. Apples iPhone-Käufer etwa schauen, wie manch anderer, bisher komplett in die Röhre. Der kalifornische Computer-Konzern fehlt auch als einer der wenigen Handy-Hersteller auf der Liste der Adobe-Partner. "Wir würden es begrüßen, wenn Apple sich uns anschließen würde", sagt Turner. Zwar arbeite Adobe unabhängig von Apple an einem Flash-Player für das iPhone, doch bisher sei das Gerät "ein gutes Beispiel dafür, welche Probleme die derzeitige Situation bereitet".


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker