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"Amazon Shopper Panel" Amazon will alles überwachen, was Sie im Internet treiben – und zahlt dafür zwei Euro

"Amazon Shopper Panel": Unser Smartphone verrät viel über unser Leben (Symbolbild)
Unser Smartphone verrät viel über unser Leben (Symbolbild)
© NoSystem images / Getty Images
Welche Apps und Webseiten rufen wir auf, welche Angebote reizen uns besonders? Diese Fragen sind für Werbekonzerne hoch interessant. Amazon will es nun ganz genau wissen.

Grundsätzlich ist die Idee nachvollziehbar: Bekommen Nutzer Werbung zu sehen, die zu ihren Interessen passt, ist das für den Kunden und den Werbenden viel wertvoller als beliebige Werbung für irrelevante Produkte. Tatsächlich führt diese Datenpraxis aber dazu, dass uns die Konzerne quasi ununterbrochen ausschnüffeln. Amazon geht jetzt noch einen Schritt weiter – und ist sogar bereit, dafür zu zahlen.

Ganze zwei Dollar, also 1,90 Euro, bekommen die Teilnehmer monatlich für ihre Auskunftsfreude. Dafür stimmen sie zu, den gesamten Datenverkehr ihres Smartphones über Amazons Server laufen zu lassen und dem Konzern damit Zugriff auf sämtliche nicht verschlüsselte Verbindungen des Gerätes zu erlauben. Dabei wird protokolliert, welche Inhalte der Nutzer wann konsumiert und wie er mit ihnen interagiert, erklärt Amazon auf seiner Webseite.

Drastische Werbe-Überwachung

Die Frage, die Amazon mit der Dauerbeobachtung beantworten möchte: Auf welche Werbung klicken die Nutzer wirklich? Das "Ad Verification" genannte Programm sieht vor, sämtliche Nutzung von Apps und Webseiten auszuwerten. "Ihre Teilnahme wird Marken helfen, Ihnen bessere Produkte anzubieten und Werbung von Amazon relevanter zu machen", so der Konzern. In der Praxis bezieht sich die Auswertung daher vor allem auf die Werbung. Amazon will wissen, welche Werbung des Unternehmens und von Konkurrenten die Nutzer:innen im Alltag gezeigt bekommen. Und welche davon bei ihnen einen Klickanreiz auslöst.

Die Werbe-Auswertung ist dabei nur ein Teil eines bestehenden Amazon-Programms. In Amazons App "Shopper Panel" können Freiwillige bereits seit einer Weile kleine Summen in Amazon-Guthaben verdienen, indem sie an Umfragen teilnehmen oder Kassenbons von Einkäufen in Ladengeschäften hochladen. Das Ad-Verification-Programm steht nun ausgewählten Nutzern als zusätzliche Option offen, bislang ist es auf die USA und Großbritannien beschränkt. Wie Amazon die Eingeladenen auswählt, wollte der Konzern auf Anfrage von "Insider" nicht verraten.

Keine neue Idee

Neu ist diese Methode der Datensammlung indes nicht. Schon ab 2016 saugte Facebook mittels eines VPN-Servers die Daten freiwilliger Teilnehmer ab. Obwohl der Konzern dafür mit 20 Euro monatliche deutlich mehr zu zahlen bereit war, flog ihm das Projekt bei Bekanntwerden kräftig um die Ohren. Die App "Facebook Research" hatte auch Teenager ausgeschnüffelt, den meisten Nutzern scheint nicht klar gewesen zu sein, wie sehr Facebook sie durchleuchten konnte (hier erfahren Sie mehr). Anfang 2019 zog der Konzern dann die Reißleine - und stellte die Schnüffel-App wieder ein.

Quellen:Amazon, Insider

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