Apple-Konkurrenz Der Nokia-Chef sucht die Oberklasse


Seit Juli 2006 ist Olli-Pekka Kallasvuo Chef von Nokia. Bald darauf kommt Apples iPhone. Seitdem verspricht der Finne eine Antwort auf das Handy - für weitere Durchhalteparolen fehlt vielen Anlegern die Geduld.
Von Arndt Ohler und Thomas Wendel

Nokia und Apple haben etwas gemeinsam: Beiden kam kürzlich ihr neuestes Oberklassehandy abhanden. Das war es aber auch schon: Nokias N8 landete bei einer russischen Website. Deren Verriss des Modells verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Apples Handy gelangte ebenfalls zu Redakteuren einer Technikwebsite. Dort dagegen wurde der Fund des iPhones, die Umstände des Verschwindens und durchaus auch die neue Technik tagelang gefeiert.

Nokias schwächelndes Smartphonegeschäft, Schwierigkeiten im US-Markt, Verzögerungen beim Handybetriebssystem Symbian 3 sowie die zähe Wandlung des Konzerns vom Handyhersteller hin zum Anbieter mobiler Dienste mit seiner Webplattform Ovi: Die Probleme sind für Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo erdrückend. Auf der Hauptversammlung am Donnerstag versuchte es der Nokia Chef erneut mit Durchhalteparolen. "Wir haben immer noch eine Menge zu tun, aber wir haben ein starkes Fundament gebaut", ruft Kallasvuo den versammelten Aktionären in der Messe Helsinki zu. "Wir glauben an unsere Strategie." Geliefert hat er bislang wenig.

Außerhalb des Nokia-Universums schrumpft die Zahl der Gläubigen: "Die Geduld geht langsam zu Ende, und die Leute beginnen, sich über den schrumpfenden Markenwert zu sorgen", sagte Analyst Max Pedersen von Danske Capital der Agentur Bloomberg. Nicht nur der Markenwert macht Analysten und Investoren Sorge. Vielmehr fragen sie sich, ob Kallasvuo die Wende schaffen kann. Nicht wenige halten den studierten Juristen und langjährigen Nokia-Finanzchef für unkreativ.

Gerüchte um eine Ablösung

Vor allem, wo es nun darum geht, im lukrativen Geschäft mit Oberklassehandys, den so genannten Smartphones, den Kampf mit Apple oder dem Blackberry-Hersteller RIM aufzunehmen. "Es macht den Eindruck, dass man damit den Investoren eine Freude machen würde", so Carolina Milanesi, Analystin bei dem Marktforscher Gartner zu einem möglichen Rücktritt Kallasvuos.

Bereits am vergangenen Montag hatte die finnische Nachrichtenagentur STT mit Bezug auf Quellen der Boulevardzeitung "Ilta-Sanomat", gemeldet, dass Kallasvuo vor der Ablösung stehe. Der Aufsichtsrat mit Kallasvuos Vorgänger und Ziehvater Jorma Ollila an der Spitze beeilt sich, gleich zum Auftakt der Aktionärsversammlung eine Solidaritätserklärung abzugeben: Man stehe hinter Kallasvuos Strategie.

Gewaltige Aufgabe

Der Nokia-Chef und sein Managementteam stehen vor einer gewaltigen Aufgabe. Angesichts der enormen Popularität von Smartphones in den entwickelten Industrienationen müssen die Finnen lernen, wie ein Computerkonzern zu handeln und zu entwickeln.

Nicht mehr das Gerät steht im Vordergrund, sondern das möglichst schlaue und einfach zu bedienende Handybetriebssystem ist der Star. Dass Nokia im alten System funktioniert, zeigt der Erfolg in aufstrebenden Nationen wie Indien. Dort läuft das Geschäft mit einfacheren, preiswerteren Handys blendend. Im Smartphonegeschäft hat Nokia mit seinem betagten Betriebssystem Symbian schlechte Karten. In die Software lassen sich nur umständlich viele der heute im iPhone oder den Blackberrys gängigen Funktionen einbauen.

Obwohl die Finnen 2009 mehr als sechsmal so viel Geld in Forschung und Entwicklung investiert haben wie Apple, sind Fortschritte kaum sichtbar. Die neue Software Symbian 3 wird mit dem N8 wohl erst im dritten Quartal 2010 auf den Markt kommen. Und damit hat Nokia lediglich aufgeholt.

Überholen will das Management mit der Plattform Meego. Mit dem Betriebssystem, das Nokia mit Intel entwickelt, will der Konzern Geräte bauen, die der Konkurrenz überlegen sind. Experten erwarten, dass Nokia Ende 2010 erste Geräte mit Meego vorstellen wird, die 2011 auf den Markt kommen.

Bis dahin tickt die Uhr.

FTD

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