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Galaxy Fold: Pannen über Pannen: So verpatzte Samsung sein wichtigstes Produkt seit Jahren

Mit dem Galaxy Fold wollte sich Samsung den Markt der Zukunft sichern. Nun wird das wichtigste Produkt seit Jahren auf unbestimmte Zeit verschoben. Doch Samsungs Problem ist viel größer.

Samsung Galaxy Fold

Ein Serienmodell des Samsung Galaxy Fold bei einer Präsentation

Picture Alliance

Es sollte der große Wurf werden: Mit der Vorstellung des faltbaren Galaxy Folds sah sich Samsung endlich wieder als Vorreiter der Smartphone-Industrie. Nur Tage vor dem Marktstart wird das Experiment nun auf unbestimmte Zeit verschoben, weil erste Tester reihenweise von Fehlern berichteten. Doch der gescheiterte Launch zeigt viel tiefere Probleme.

Zerstört nach wenigen Tagen

Dabei würde das Fold-Desaster alleine ausreichen, um kleinere Smartphone-Firmen ins Abseits zu schießen. Samsung hatte Dutzende Geräte an Tech-Journalisten und Influencer geschickt - und dürfte das mittlerweile mächtig bereuen. Gleich bei vier der einflussreichsten Tech-Experten fiel das 2000 Euro teure Gerät nach wenigen Tagen komplett aus, viele weitere posteten teils skurrile Fehler. Das Feedback war schlicht verheerend.

Das größte Problem ist ausgerechnet das wichtigste Feature: das faltbare Display. Gleich mehrere Tester entfernten eine Folie, die sie für eine Schutzfolie hielten, und zerstörten so das Gerät. Eine Warnung davor gab es von Samsung nicht. Bei anderen hatten sich nach geringer Benutzung Fremdkörper unter dem flexiblen Bildschirm angesammelt. Auch Nutzer intakter Geräte bemängelten, dass in der Mitte die Klapp-Falte zu sehen war und die beiden Display-Seiten nicht synchron liefen und so teils eine Verzögerung zu sehen war. 

Samsung auf Fehlersuche

"Eine erste Untersuchung der berichteten Fehler zeigte, dass Druck auf die Ober- und Unterseite Teile des Klapp-Mechanismus freilegen konnte. Zudem beeinträchtigten in einem Fall in das Gerät gelangte Substanzen die Leistungsfähigkeit", erklärte Samsung am Montag nach Angaben des Tech-Blogs "The Verge". So schlimm wie das explodierende Note 7 ist das natürlich nicht, schlecht für das Image aber allemal. Am Ende zog Samsung die Reißleine und verschob den für diese Woche geplanten Marktstart, sämtliche Test-Geräte wurden zurückgefordert, berichtet "Reuters". Bei Kunden war noch keines der Geräte angekommen.

Wie es zu der Auslieferung eines so offensichtlich unfertigen Produktes kommen konnte, weiß nur Samsung. Das grundlegende Motiv dürfte aber der dringende Wunsch gewesen sein, zuerst mit dem neuen Konzept auf dem Markt zu sein. Neben Samsung hatten auch Konkurrenten wie Huawei im Februar angekündigt, faltbare Smartphones auf den Markt zu bringen. Der chinesische Konzern macht Samsung immer mehr Druck, noch dieses Jahr könnte er den langjährigen Smartphone-König bei der Zahl der verkauften Geräte überholen.

Samsung und die Langeweile

Für Samsung wäre das Fold auch als Innovations-Symbol wichtig gewesen. Nachdem man jahrelang immer wieder neue Maßstäbe bei Smartphones setzen konnte, galten die Galaxy-Smartphones in den letzten Jahren zwar als schick, aber langweilig. Während etwa Huawei beim P30 Pro (hier unser Test) mit einer Vierfach-Kamera und bis zu 50-fachem Zoom punkten konnte, hatten Samsungs aktuelle S10-Modelle (ebenfalls von uns getestet) außer einem Loch im Display wenig Revolutionäres zu bieten.

Der wahrgenommene Mangel an Innovation bei den Spitzenmodellen soll sich laut Analysten-Berichten auch in den Verkaufszahlen widerspiegeln. Sie sollen ähnlich schlecht ausfallen wie beim enttäuschenden S9, berichtet "9to5google". Auch die Preise lassen nichts Gutes ahnen: Seit dem Verkaufsstart Ende Februar ist etwa der Preis des Galaxy S10+ von 1250 auf nur noch 910 Euro gepurzelt.

Keine Experimente

Dass die Flaggschiff-Modelle eher langweilig wirken, liegt wohl auch an Samsungs Strategie, Neuerungen eher in den günstigeren Modellen auszuprobieren. Zuletzt fanden sich neue Ansätze wie Vierfach-Kameras oder eine ausfahrbare Selfie-Knipse eher in den Mittelklasse-Modellen, bei den teuren Premium-Geräten gab sich Samsung eher konservativ - mit Ausnahme des Galaxy Fold.

Die Konkurrenz hatte sich gegen die Bauweise des Fold entschieden - wenn auch aus anderen Gründen. "Samsungs Variante, bei der das Display nach innen geklappt wird, hatten wir ebenfalls getestet. Wir haben sie verworfen. Niemand will so ein klobiges Gerät nutzen", erklärte Huaweis Smartphone-Chef Richard Yu im Interview mit dem stern. Beim Huawei Mate X wölbt sich das Display beim Zuklappen außen um das Gerät. Ob man sich so auch Samsungs Probleme sparen kann, wird sich zeigen.

Quellen: The Verge, 9to5google, Reuters

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