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Handy: Nicht lang fummeln

Nur langsam entdecken Hersteller von Mobiltelefonen eine neue Zielgruppe: die ältere Bevölkerung. Die will vor allem große Tasten und eine einfache Bedienung.

Von Maximilian Geyer

Eigentlich fühlt sich Joachim Kübitz noch jung. Nur die Augen machen Probleme: Der 69-jährige Rentner leidet am Grünen Star, einer Sehbehinderung, die meist ältere Menschen trifft. Ein modernes Handy mit seinen winzigen Tasten kann er daher einfach nicht bedienen. Gern aber würde Kübitz an der mobilen Welt teilhaben - und zum Beispiel am Badesee oder auf seinen Radtouren erreichbar sein.

"Senioren als Zielgruppe werden konsequent ignoriert. Daher haben wir ein eigenes Handy nach den Wünschen unserer Kunden entworfen", sagt Dr. Darius Khoschlessan. Der 41-Jährige betreibt den Seniorenfachhandel "Senio" in Heidelberg und bietet "Katharina das Große" an, ein Gerät, das in den Dimensionen stark an die "Knochen" genannten Riesenhandys aus den ganz frühen Tagen des Mobilfunks erinnert.

Für den stern nimmt Joachim Kübitz "Katharina" in die Hand. Der 289 Euro teure, 18 Zentimeter lange und 259 Gramm schwere Klotz hat mächtige Tasten und ein kontrastreiches Display mit extragroßen Buchstaben. Zunächst zeigt er sich richtig begeistert: "Ich erkenne alles." Doch beim Praxistest nervt die Größe des Handys. "Das Ding ist mir zu klobig", sagt Kübitz nach einem Stadtrundgang mit "Katharina".

Eine handlichere Alternative

Für sehbehinderte Menschen wäre das beim Spezialversand Marland erhältliche "Owasys 22c" optimal. Das Handy ist um ein Drittel kleiner und um die Hälfte leichter als "Katharina". SMS und Telefonbucheinträge liest es vor, bei Anruf ertönt eine freundliche Stimme, die den Namen des Anrufers meldet. Es kommt ohne Display aus und ist daher auch für Blinde geeignet. Neben dem hohen Preis (649 Euro) schreckt aber genau das Etikett "Blindenhandy" (schlecht) Sehende ab.

Ganz einfach zu bedienen sind Handys, die keine übliche Tastatur haben, sondern wenige Knöpfe, über die man eine Hand voll vorher eingespeicherter Nummern sowie die Notrufzentrale erreichen kann. Eines dieser Modelle ist das "Easy5" (139 Euro, www.it-plusplus.de), handlich und preiswert. "Das brauche ich vielleicht in zehn Jahren mal", sagt Kübitz.

Großes Display und einfach zu bedienen

Nachdem also weder das große "Katharina" noch die kleinen Speziallösungen restlos überzeugen konnten, arbeitet sich Kübitz durch die Handygeschäfte der Heidelberger Innenstadt. Einzig der Vodafone-Shop preist Modelle an, die speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgerichtet sein sollen. Die "Simply"-Geräte (300 Euro, mit Vertrag ab 1 Euro) haben ein großes Display und sind einfach zu bedienen, auf sämtliche Extras wurde verzichtet. Doch auch hier gibt es Kritik: "Die Tastatur hebt sich farblich nicht ab und ist nicht so gut erkennbar", sagt Kunde Kübitz.

Eifrig sucht der Verkäufer nach Alternativen in seinem Angebot, das von Geräten mit Farbanzeigen, eingebauten Kameras und Musikplayern dominiert wird. Nachdem nahezu jedes Modell durchgefallen ist, weil es ein zu kleines Display oder zu kleine Tasten hat, kann sich Kübitz plötzlich doch für ein "normales" Mobiltelefon begeistern. Das Klapphandy "Nokia 6101" hat ein helles Display und große Tasten, die durch den Kontrast zum Gehäuse gut erkennbar sind. Auch wenn viele Händler im Internet es für diese Zielgruppe empfehlen - als Seniorenhandy wurde es nicht entwickelt. Und es sieht auch nicht so aus. Kübitz findet das gerade gut: "Damit brauche ich mich am Badesee nicht zu schämen."

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