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Historie: Kinder, wie die Zeit vergeht

Sie hießen "Knochen" oder "Banane": Handys aus den Anfängen des Mobilfunk-Zeitalters sind bei Sammlern hoch begehrt.

Es ist wirklich noch nicht lange her: Vor gerade einmal elf Jahren wurde in Deutschland der digitale Mobilfunk eingeführt - mit den D-Netzen. Massenhaft finden Handys seitdem Verbreitung, wöchentlich bringen die Hersteller neue Modelle heraus. Und deren Vorläufer entwickeln sich zu heiß begehrten Sammlerobjekten oder "Retro-Objekten", die gerade deshalb verwendet werden, weil sie eben nicht den allerletzten Schrei von Technik oder Design verkörpern. Viele Besitzer älterer Handys allerdings halten ihren betagten Mobilfunkapparaten die Treue, weil sie einfach keine Lust haben, neue PIN-Nummern oder Tastenkombinationen zu lernen. Oder weil man seinem kommunikativen Begleiter ja viel Privates anvertraut hat - zum Beispiel Telefonnummern von Freunden oder SMS-Meldungen vom Lover.

Bis der Handytod sie scheidet

"Mich interessiert nicht, wie's aussieht - ein Handy ist zum Kommunizieren da", meint Linda Rebmann. Die 21-Jährige studiert "Internationale Entwicklung" an der Uni Wien. Ihren ersten Handy-Freund, einen eher bieder gestylten Gesprächspartner namens Siemens C25, hat sie nun schon gut vier Jahre. Wegen einer Wette wird ihr der Oldtimer noch erhalten bleiben: "Meine beste Freundin Magdalena und ich haben uns gegenseitig ein Handy geschenkt, um gut erreichbar zu sein. Wir machten aus, dass diejenige, deren Apparat als erster kaputtgeht, eine Reise nach Granada zahlen muss." Und deshalb ist das blaue Siemens ihr ständiger Begleiter, bis der Handytod sie scheidet. "Ich behalte es. Ich hab den Akku mal erneuert, und es ist auch schon zigmal runtergefallen. Ich würd's sogar kleben!" Damit unterscheidet sie sich von den weltweit mehr als 423 Millionen Käufern, die sich allein im vergangenen Jahr ein neues Handy zugelegt haben.

Zur Jagd auf Handys blasen

Für brandneue Geräte interessiert sich auch Benny aus Flöha bei Chemnitz kaum. Trotzdem ist der 13-Jährige ein waschechter Handy-Man, ein Jäger und Sammler: Bereits mit acht Jahren wurde er Handybesitzer, als er ein AEG PT-10 fand. Kaputt war's, aber ein kleiner Schatz für den Schüler. Damals hat es bei Benny so richtig geklingelt: Der Realschüler blies zur Jagd auf Handys, egal ob gebraucht, kaputt oder Auslaufmodell. "Benny hat Annoncen geschaltet, deutschlandweit Adressen im Telefonbuch gewälzt und Handzettel verteilt. Er ist an dieser Aufgabe richtig gewachsen", sagt seine Mutter Evelyn Streu.

Als Handys noch mehrere Kilos wogen

113 Handys hat Benny bis jetzt gesammelt. Zu seinen Lieblingen zählt ein mehrere Kilo schweres Motorola-Ungetüm aus den frühen Neunzigern. Und Benny hat Visionen: Er will aus seiner Sammlung ein Handymuseum machen. Wenn Besuch ins Haus Streu kommt, probt er schon mal und kassiert einen Euro Eintritt für die Besichtigung. Dass ihm die Sammelobjekte ausgehen, ist unwahrscheinlich: Experten schätzen, dass in Deutschland rund 60 Millionen Mobilfunkapparate nicht mehr im aktiven Dienst stehen.

Die Oldies werden immer öfter von Sammlern entdeckt. In der rustikalen Wirtsstube der Gaststätte "Zum Löwen" in Stuttgart-Stammheim fiepst und piepst es zu Maultaschen und Apfelschorle. Mit Begeisterung tauschen junge Männer und Frauen Sätze, die mit Fachbegriffen wie "MMS", "Simlock-Karte", "Netz" und anderem Mobilfunk-Vokabular angereichert sind.

"Manchmal gucken die Leute komisch"

Gleich 40 Telefon- und Mobilfunk-Fans kamen zum Treffen von "www.telefon-treff.de" - mancher gleich mit einem prall gefüllten Rucksack. "Ich habe zu Hause etwa 50 Handys in zwei beleuchteten Vitrinen. Ab und zu nehme ich auch ein altes mit raus, dann gucken manche Leute schon etwas komisch", sagt Tobias Lang aus Nürtingen. Auf der Besitzliste des 24-Jährigen stehen etwa das erste Telefon mit WAP-Funktion in Deutschland (Nokia 7110) und ein wassergeschütztes Ericsson R310s.

Das wird beim Treffen der Handy-Sammler gleich ausprobiert: Ein anderer Ericsson-Besitzer lässt sein blaues R310s in ein Wasserglas plumpsen, ein Sammlerkollege wählt dessen Nummer, und schon entfacht das robuste Teil mit türkis leuchtendem Display einen kleinen Sturm im Wasserglas. "Haifisch" nennen Fans das R310s respektvoll. "Das hab ich gern, weil es viel aushält", erklärt Dennis Bote aus Völklingen. Der 21-jährige Call-Center-Agent ist außerdem Besitzer von gleich drei Exemplaren des kultigen Nokia 7110. Hasan Halici aus Balingen dagegen liebt sein brandneues Nokia-Modell. Doch auch er hat ein paar ältere Apparate. "Das ist einfach Kult", meint der 17-Jährige. "Wenn man die anguckt, erinnert man sich an diese Zeit damals."

Eigentlich gibt es Mobilfunk seit 77 Jahren

Aber die ist eigentlich noch gar nicht so lange her. Und was heißt hier schon alt: Die schnelle technische Entwicklung auf dem Handymarkt lässt bereits zwei bis drei Jahre junge Geräte oft ziemlich müde aussehen. Das Mobilfunkzeitalter währt dabei streng genommen schon 77 Jahre: Damals funkten auf der Reichsbahnstrecke Hamburg-Berlin betuchte Passagiere über Sprechstellen via Dachantennen an die parallel zu den Gleisen verlaufenden Telegrafenmasten. Das erste internationale Mobilfunknetz startete vor 22 Jahren mit Autogeräten in Skandinavien.

Sammlerstücke sind nicht unbedingt teuer

Um Sammler mobil zu machen, muss ein Handy nicht rar sein. Der klassiche Motorola-"Knochen", dem Michael Douglas in "Wall Street" mit einem Telefonat am Strand zur Unsterblichkeit verhalf, ist noch relativ leicht zu finden. Auch das "Bananen"-Teil aus dem Science-Fiction-Thriller "Matrix" hat längst Kultstatus. Wer Handys sammelt, geht auf Internetportalen oder beim virtuellen Auktionshaus Ebay auf Jagd, oder er fragt einfach bei Bekannten herum. Richtig teuer sind die meisten Geräte noch nicht: Ein "Matrix"-Nokia wechselt bei Ebay schon für etwa 30 bis 40 Euro den Besitzer.

Eigentlich wollen alle nur das eine: einfach telefonieren

Nadia Abou-Aly hat ihre beiden Kult-Kommunikatoren Nokia 7110 und das "Matrix"-Modell der Finnen vor etwa einem Jahr ersteigert. Daneben benutzt die Diplom-Kommunikations-Wissenschaftlerin aus Stuttgart auch ein nagelneues, silber glänzendes Motorola 720i mit Klappmechanismus. "Das Menü-Rädchen des 721i zum Scrollen finde ich einfach schön", begeistert sich die 30-Jährige. Zum Mobil-Funken selbst hat sie jedoch ein eher differenziertes Verhältnis: "Am Anfang war's ein spannendes Spielzeug. Aber das lässt nach - vor allem an Tagen, wo's alle zwei Minuten klingelt, das nervt." Ihre beiden mobilen Begleiter wechselt sie "gerne so durch" - ohne konkrete Anlässe. Die letzten Mobilfunk-Dinosaurier der Neuzeit punkten bei ihr mit einleuchtenden Basiskriterien: "Man kann sie leicht bedienen, und sie haben große Tasten und Displays, auf denen man alles gut erkennen kann." Einfach telefonieren eben, ganz im Sinne des Erfinders.

Claus Dick / print
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.