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Kaputtes Display nach Update Warum Sie Ihr iPhone (fast) nie bei Drittanbietern reparieren lassen sollten

iPhone Broken kaputt Display
Das Display gehört zu den anfälligsten Smartphone-Teilen
© praetorianphoto / Getty Images
Ein iPhone zu reparieren kann schnell teuer werden. Kein Wunder, dass viele lieber zu einem günstigen Drittanbieter gehen. Aktuelle Fälle zeigen, warum das oft gar keine so gute Idee ist.

Manchmal geht es ganz schnell: Das Smartphone rutscht bei einer ungeschickten Bewegung aus der Hand, knallt auf den Boden - und bleibt in Scherben oder mit anderen Defekten liegen. Besonders beim iPhone kann es dann schnell teuer werden. Eine Menge Smartphones landen deshalb zur Reparatur bei günstigeren Drittanbietern. Das ist nicht immer die beste Entscheidung - und kann zu echten Problemen führen.

Nach der Reparatur des iPhone kommt der Defekt

Beim iPhone 8 sorgen aktuell gleich zwei Probleme bei reparierten iPhones für frustrierte Nutzer. Mit dem Update auf iOS 11.3 scheinen gleich reihenweise Ersatzdisplays von Drittanbietern gar nicht mehr auf Touch zu reagieren. Das berichtet "Motherboard". Dadurch wird das bis dahin normal funktionierende iPhone zum Totalausfall. Bisher stammen alle Berichte dazu aus den USA, ob auch deutsche Nutzer betroffen sind, ist unklar.

Anders sieht das bei dem zweiten Problem aus. Wie gerade erst bekannt wurde, verliert mit dem Austausch eines iPhone-8-Displays der sogenannte "Ambient-Light-Sensor" jede Funktion. Der erkennt die Beleuchtung um das Gerät und passt die Helligkeit des Displays entsprechend an. Sobald das Display getauscht wurde, ist damit Schluss - und zwar bei jedem iPhone 8, dessen Display nicht von Apple repariert wurde.

Totalausfall

Während der Touch-Ausfall sich mit minderwertigen Ersatzteilen erklären ließe, sei das hier nicht der Fall, erklärte uns Sinan Bilir, der Sprecher des Reparatur-Anbieters Justcom. "Momentan fällt bei einem Displaywechsel, selbst wenn es ein baugleiches originales Displays ist, die Funktion der automatischen Helligkeitssteuerung komplett aus."

Ein Smartphone liegt mit gerissenem Display auf einem Holzboden
Ein Smartphone fällt schneller, als es einem lieb sein kann. Und schon ist das Display im Eimer.
© scyther5/Getty Images

Sein Verdacht: Apple scheint das Display und die Hauptplatine aneinander gekoppelt zu haben. Wechselt man das Display, wird die Verbindung gekappt - und der Sensor gibt den Geist auf. Eine ähnliche Vorgehensweise gab es in der Vergangenheit mit dem Fingerabdrucksensor im iPhone. Auch der fiel nach einer Reparatur durch Dritte mit dem damals berüchtigten "Fehler 53" aus. Erst später sorgte Apple mit einem Update wieder für Besserung.

"Shame on you Apple"

Bei den Konkurrenten sind Bilir solche Ausfälle nicht bekannt. Er geht daher davon aus, dass Apple mit den neuen Maßnahmen Reparaturen durch Drittanbieter und vor allem durch die Nutzer selbst unattraktiver machen will. "Diese Maßnahme hat eigentlich keinen richtigen Sinn, außer den Verbraucher zu kontrollieren und zu beschneiden", ist er sich sicher. Und fügt hinzu: "Shame on you Apple."

An sich seien die iPhones aber gut zu reparieren, erklärt der Experte. "Generell ist die Reparierbarkeit von iPhones gut und den meisten anderen Smartphones überlegen. Die Geräte sind sauber verbaut und zerlegbar, Ersatzteile sind gut verfügbar. Da Apple mittlerweile auch selber vor Ort repariert, sind die Geräte wartungsfreundlich gestaltet." Doch was nützt das, wenn durch ein einziges Update plötzlich das Smartphone unbenutzbar werden kann?

Kaputtes Display nach Update: Warum Sie Ihr iPhone (fast) nie bei Drittanbietern reparieren lassen sollten

Teuer oder unzuverlässig

Die häufige Entscheidung für Reparaturen durch Dritte hat einen einfachen Grund: Die Preise bei Apple fallen nach wie vor happig aus. Ganze 181,10 Euro kostet der Austausch eines Displays bei einem iPhone 7 oder iPhone 8, beim Plus-Modell werden 20 Euro mehr fällig. Für alle anderen Fehler sollen die Nutzer außerhalb der Garantiezeit sogar noch mehr zahlen: Zwischen 370 und 450 Euro können selbst kleine Reparaturen wie ein kaputter Homebutton zu Buche schlagen. Geradezu schockierend teuer ist ein Defekt beim iPhone X: 320,10 Euro zahlt man für das Display, 611,10 Euro kostet jeder andere Schaden. Zu dem Preis bekommt man bei den Konkurrenten ein neues Premium-Gerät.

Kein Wunder, dass viele sich das Geld lieber sparen wollen - zumal die meisten nicht von den drohenden Ausfällen wissen dürften. Ein weiterer Nachteil der Reparaturen durch Dritte ist allerdings allgemein bekannt: Wurde das Gerät geöffnet, verfällt in der Regel die restliche Garantie. "Der Garantieverlust tritt natürlich schon mit einer mechanischen Beschädigung wie zum Beispiel Displaybruch auf. Trotzdem raten wir unseren Kunden, während der Herstellergarantie eine Reparatur direkt beim Hersteller durchzuführen", erklärt Bilir. 

Außerhalb der Garantie stehen die Kunden aber vor der Wahl. Entweder zahlt man zähneknirschend Apples Mondpreise - oder man spart das Geld, riskiert dann aber, dass ein Update das Gerät zerschießt. Immerhin bleibt dann noch die vage Hoffnung, dass Apple der Protest irgendwann laut genug wird und der Konzern den Fehler wie bei TouchID irgendwann doch noch repariert.


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