Mobile World Congress "Internet in der Tasche" kämpft sich vor


Die Ankündigungen sind nicht neu, doch diesmal scheint der Durchbruch wirklich bevorzustehen: Internet übers Handy - das ist einer der großen Trends auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Die Technik ist bereit, entsprechende Handys strömen auf den Markt. Nur die Gebühren stören.

Nach Jahren der Versprechen steht die schöne neue Internet-Welt auf dem Handy vor dem Sprung in den Alltag. Das iPhone von Apple brach im vergangenen Jahr das Eis und zeigte, dass die Menschen bei einem richtigen Angebot für die mobile Internet-Nutzung zu begeistern sind. Jetzt feuert Handy-Weltmarktführer Nokia mit seinen 40 Prozent Marktanteil aus allen Rohren zurück. Die neuen Nokia-Handys bieten Navigationsdienste, man kann mit ihnen zentral Bilder und alle möglichen anderen Dateien speichern und austauschen, oder mobil im Internet surfen. Es sei jetzt angebrochen, das Zeitalter der "integrierten Geräte" - mobiler Alleskönner, die Funktionen und Dienste verbinden, verkündet Nokia beim Mobile World Congress in Barcelona.

Teure Datentarife schrecken ab

Dass das mobile Internet bisher eine schöne Vision war, hat allerdings seine Gründe - und die sind nicht aus der Welt. Meist seien es die teuren Daten-Tarife, die die Nutzer abschrecken, und das Fehlen attraktiver Dienstleistungen, für die es sich lohnt, diese zu bezahlen, sagt der Telekommunikationsexperte der Unternehmensberatung Accenture, Nikolaus Mohr. Und die kleinen Handy-Bildschirme sind für die Internet-Nutzung schlicht unbequem: "Die meisten Menschen springen erst dann auf, wenn ihnen das Web über Handy einen ans Endgerät angepassten Komfort bietet."

Nokia will die Hausaufgaben gemacht haben. "Die Menschen wollen Einfachheit", sagt Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo in Barcelona. "Sie wollen, dass Technik ihr Leben einfacher Macht." Das sei der Punkt, an dem Nokia mit den Navigations-Hilfen ansetzen wolle. Wie alles bei mobilen Datendiensten bekommt man als Kunde aber die Navigation nicht geschenkt - immerhin soll die Nutzung laut dem zuständigen Nokia-Manager Niklas Savander maximal 50 Euro im Jahr kosten.

Neue Geräte von neuen Mitspielern

Nokia bleibt auf dem Mobile World Congress mit seiner Modell-Offensive aber nicht allein: Der Navigationsgeräte-Hersteller Garmin stellte in Barcelona sein "nüvifone" vor, dass genauso Ortung, Internet und Telefonie vereinen soll. Und eine unbekannte Größe ist noch der Internet-Riese Google, der mit dem Betriebssystem Android ebenfalls ins mobile Geschäft drängt. In Barcelona sollen erste Android-Geräte zu sehen sein. Mit besonderer Spannung wird erwartet, ob Google es schafft, Geld mit Werbung auf dem Handy zu verdienen.

Die gute alte SMS beherrscht alles

Der große Bahnhof in Barcelona kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die mobilen Datendienste erst in den Kinderschuhen stecken. Auf knapp 20 Prozent wird der Anteil der mobilen Datenumsätze an den gesamten Erlösen der Branche in Europa geschätzt - und den Großteil davon liefert immer noch die gute alte SMS. Die Aussichten fürs Handy-TV liegen nach wie vor im Dunkeln, auch wenn der Netzwerkausrüster Ericsson jetzt mit dem Fußball-Weltverband Fifa die WM 2010 in Südafrika auch auf mobile Geräte bringen will. Ein Problem scheint die Branche inzwischen jedenfalls in Griff bekommen zu haben: Saugten die ersten GPS-Handys den Akku noch schnell leer, könne man mit den neuen Modellen "Tage" in der Stadt herumlaufen, sagt Nokia-Manager Savander.

"Das Handy wird den PC nicht so ablösen wie es das gerade mit dem Festnetztelefon tut", lautet das Fazit des Accenture-Experten Mohr. "Aber in absehbarer Zeit wird ein relevanter Anteil von Internet-Verbindungen über Mobiltelefone laufen."

Andrej Sokolow/DPA DPA

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