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Pressestimmen zum iPhone 5 Großartig und langweilig zugleich


Die US-Technikjournalisten sind sich einig: Das neue iPhone 5 ist ziemlich okay. Doch einigen fehlt Magie, andere sehen harte Konkurrenz. Und eine Neuerung kriegt ordentlich Prügel.
Von Ralf Sander

Die Website des US-Techmagazins "Wired" bringt mit ihrer Überschrift die gesamte Diskussion um das iPhone 5 auf den Punkt: "Das iPhone 5 ist absolut großartig und wahnsinnig langweilig". Autor Mat Honing argumentiert, an diesem Paradox sei weniger Apple schuld, sondern wir und unsere Erwartungen. Wir wollen eine Revolution, wo Evolution vernünftig ist. Und könnte es nicht sein, fragt Honan ketzerisch, dass Smartphones selbst langweilig geworden sind? Weil jeder Hersteller bei jedem abguckt, und am Anfang sowieso alle bei Apple kopiert haben? Honan schließt dennoch mit einem positiven Ausblick: Apple werde wieder Großartiges erschaffen, aber nicht bei den Smartphones, sondern woanders. Beim Fernseher zum Beispiel. Oder vielleicht im Auto.

Andere US-Experten spannen den Bogen ihrer Betrachtung nicht so weit, sondern konzentrieren sich auf das Produkt. Die Bewertungen sind größtenteils neutral-positiv. Ein gutes Produkt ist in Details verbessert worden. Doch die Konkurrenz ist härter denn je, zeigt das Techblog "The Verge" in einem Vergleich von Smartphones.

Kritik an neuem Stecker

Eine Neuerung, die sehr kritisch betrachtet wird, ist die neue Lightning-Steckverbindung, die den alten 30-poligen Dock-Connector ersetzt. Bisheriges Zubehör wird nur noch per Adapter anschließbar sein, der mindestens 29 Euro kostet und relativ klobig ist. Cnet-Autorin Molly Wood schimpft, dass Apple wieder einmal eine eigene Lösung geschaffen hat, anstatt auf den Industriestandard Micro-USB umzuschwenken und den Nutzern das Leben etwas leichter zu machen. Wasser auf die Mühlen der Kritiker ist die Meldung von Engadget, dass Apple nur in Europa einen Adapter (19 Euro) anbietet, der Lightning mit Micro-USB verbindet. Denn hier hat die Europäische Kommission festgelegt, dass jedes Smartphone mit Micro-USB anschließbar sein muss. David Pogue, der einflussreiche Techniktester der "New York Times" schlägt in dieselbe Kerbe: "Adapter dürfen kein Profitcenter von Apple sein. Sie sollten eine freundliche Geste gegenüber den Kunden sein, die bereits Zubehör gekauft haben."

Einen völlig anderen Blick auf das iPhone 5 hat Techcrunch-Blogger Gregory Ferenstein. "Unsere nationale Fixierung auf glänzende neue Apple-Gadgets hat eine drohende Militäraktion in Libyen überschattet", schreibt er. Als Beweis zieht er eine Statistik von CNN heran, derzufolge das Interesse am iPhone 5 doppelt so hoch war wie an den Anschlägen von Bengasi, bei denen ein US-Diplomat ums Leben kam. Ferenstein giftet: "Wir könnten also in einen neuen Konflikt hineingezogen werden. Aber hey, das iPhone hat einen 4-Zoll-Bildschirm ... von welchem Land reden wir noch mal?"


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