Sicherheit Hilfe, mein Handy spinnt


Auch Mobiltelefone haben Software-Fehler - und die können sogar Hackerangriffe ermöglichen. Updates schaffen Abhilfe.

Unterwegs im ICE Hamburg-Berlin. Beine ausstrecken, kurz einnicken - endlich zwei Stunden Ruhe. Nur im Hintergrund klackert eine Computertastatur. Doch das ist diesmal gefährlich: Per Bluetooth-Funk zapft der unscheinbare Sitznachbar mit seinem PC das Handy des Schlafenden an: Er kopiert Adressbücher auf seinen Rechner, liest SMS-Nachrichten und geht über teure 0190-Nummern online. Möglich macht das Unheil eine kürzlich entdeckte Sicherheitslücke in Telefonen von Nokia und Sony Ericsson.

Aufgespürt hat die Schwachstelle Michael Müller von der Münchner Computer-Sicherheitsfirma Integralis: Der Passwortschutz der so genannten Bluetooth-Schnittstelle lässt sich bei einigen Handys aushebeln. Normalerweise dient diese dazu, Mobiltelefone mit Notebooks oder Headsets per Funk über Strecken bis zu etwa zehn Metern zu verbinden. Das Kennwort soll verhindern, dass Hacker fremde Handys angreifen können. Wie Integralis herausgefunden hat, lässt sich diese Verteidigung aber bei populären Modellen wie dem 6310i und dem 6650 von Nokia sowie dem T68i und dem T610 von Sony Ericsson austricksen. "Schuld sind vor allem Fehler in der Handy-Software, der so genannten Firmware", sagt Müller.

Firmware-Fehler sind häufig

Solche Firmware-Fehler sind alles andere als selten. In den vergangenen Jahren haben immer wieder Modelle mit Macken genervt. Dabei ahnen die meisten Mobiltelefonierer gar nicht, dass es oft nicht ihre Schuld ist, wenn das Handy nicht so funktioniert, wie es soll. Mit Achselzucken und einem "Da bin ich wohl zu blöd" im Kopf arrangieren sie sich mit oft gravierenden Fehlern. Alcatel etwa hatte bei einem Gerät schlicht das "ö" im SMS-Alphabet vergessen. Siemens-Modelle verweigerten ihren Dienst, wenn sie eine SMS mit der Zeichenkombination "* bekamen. Und als Nokia zur letzten Cebit eine spezielle Werbe-SMS verschickte, stürzten ausgerechnet ein paar eigene Modelle beim Empfang ab.

Was aber tun, wenn das eigene Handy spinnt? Die Firmware der Geräte lässt sich ohne Probleme mit einer neuen Version ersetzen - und die wird von den Herstellern regelmäßig herausgegeben. Wer ein Gerät von Nokia oder Sony Ericsson besitzt, sollte sich nach dem nächsten Service-Center erkundigen. Dort wird die neueste Softwareversion im ersten Jahr nach dem Kauf kostenlos aufs Telefon kopiert.

Nach zwei Jahren wird's kompliziert

Komplizierter wird es im Jahr zwei nach dem Kauf. Jetzt muss man beim Händler auf gesetzliche Gewährleistung pochen. Das ist oft frustrierend: Die Hotlines von T-Mobile, E-Plus und O2 speisen mosernde Kunden häufig mit dem Hinweis ab, einzig der Hersteller sei zuständig. Eine teure Lüge, denn dieser verlangt nach Ablauf der Garantie bis zu 45 Euro für ein Update. Es lohnt sich, auf seinem Recht zu bestehen.

Besser haben es Vodafone-Kunden. Ihr Handy wird in der nächsten Filiale entweder direkt auf den neuesten Stand gebracht oder eingeschickt. Vorbildlich auch Siemens: Die Firma gibt zwei Jahre Garantie, in denen Handys gratis verjüngt werden.

Die von Integralis gefundenen Lücken wollen alle Hersteller unabhängig von der Garantie stopfen - allerdings erst in einigen Wochen. Bis dahin raten sie, Bluetooth auszuschalten oder zumindest den Unsichtbarkeitsmodus zu aktivieren. Dann lassen sich Handys angeblich nur schwer von fremden Notebooks aus orten - und man kann im Zug wieder in Ruhe dösen.

Jens Uehlecke print

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