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Telefonsex: Da stöhnen die Stöhner

Für die Anbieter einschlägiger "0190-Ruf-mich-an"-Stöhn-Nummern und andere teure und oft auch wertlose Telefon-"Mehrwertdienste" sind schwerere Zeiten angebrochen.

Für die Anbieter einschlägiger "0190-Ruf-mich-an"-Stöhn-Nummern und andere teure und oft auch wertlose Telefon-"Mehrwertdienste" brechen schwerere Zeiten an. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post ist fünf Jahre nach der völligen Liberalisierung des Telefonmarktes in Deutschland entschlossen, von Verbraucherschützern immer wieder beklagten Missbrauch einzudämmen.

"Der Wildwuchs, der da stattgefunden hat, stellt insgesamt ein Ärgernis dar", sagte der Präsident der Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP in Bonn. Dank des neuen "Gesetzes zur Bekämpfung des Missbrauchs von (0)190er/(0)900er Mehrwertdiensterufnummern" hat die Behörde nun das notwendige Instrument in der Hand.

"Inhalte dürfen uns nichts angehen"

Kurth enthält sich moralischer Wertungen über die angebotenen Inhalte. Ob die teuren Nummern Sex-Geplauder oder den Service eines Computerherstellers abrechnen, spielt für ihn keine Rolle. "Der Mehrwertdienstemarkt ist ein recht großer Markt. Es gibt ja nicht nur Missbrauch. Wenn jemand so viel Geld für irgendwelche Leistungen zahlen will - wir dürfen und können uns nicht um die Inhalte kümmern. Das darf uns nichts angehen."

Preisansagen sind Pflicht

Entscheidend ist freilich, dass der Verbraucher am Telefon nicht mehr ganz so leicht übervorteilt wird. Deshalb müssen seit dem 1. Februar 2004 die jeweiligen Preise vor Beginn des kostenpflichtigen Teils ausdrücklich angesagt werden. Ab 1. August 2004 gilt das auch für Gespräche aus den Mobilfunknetzen. Ohne solche Ansage besteht nach den Angaben der Regulierungsbehörde keine Zahlungspflicht.

Endlich gibt es Obergrenzen

Das neue Gesetz hat außerdem Obergrenzen festgelegt: Mehr als zwei Euro pro Minute sind nicht mehr drin; nach maximal einer Stunde muss die Verbindung beendet werden. Wahlweise kann der Anbieter auch zeitunabhängig 30 Euro pro Anruf berechnen. Höhere Preise sind nur noch zulässig, wenn der Verbraucher sich über Eingabe einer PIN wie am Bankautomaten ausdrücklich einverstanden erklärt. Die PIN vergibt der Diensteanbieter.

Freilich sind auch 120 Euro für eine Stunde am Telefon mitunter höchst unwillkommen, wenn zum Beispiel die lieben Kleinen die Hotline ihres Superstars angerufen haben. Kurth setzt auf den aufgeklärten Verbraucher. "Ich meine, bei jemandem, der alle Sinne beisammen hat, sollte man davon ausgehen, dass er auflegt, wenn er das nicht bezahlen will. Der weniger aufgeklärte Verbraucher oder gar der, der solche Dinge gar nicht richtig kontrolliert, der kann natürlich von unseriösen Anbietern immer noch reingelegt werden."

Bei Verstoß wird das Inkasso untersagt

Wenn sich Anbieter nicht an die neuen Regeln halten, kann die Regulierungsbehörde das Inkasso untersagen, Rufnummern sperren, Rufnummern entziehen. Das sei auch schon geschehen, sagte Kurth. Außerdem müssen Mehrwertdienstenummern bei der Regulierungsbehörde registriert sein. Der Verbraucher kann bei der Behörde Auskunft bekommen, wer sich hinter der Nummer verbirgt. Ist sie nicht registriert, besteht nach Auffassung von Kurth auch keine Zahlungspflicht.

"Die unseriösen Anbieter setzen auch auf Dummenfang. Wenn jemand erst einmal widerspricht und nicht zahlt, treten die vielleicht gar nicht mehr auf. Die Chuzpe haben dann die wenigsten, auch noch vor Gericht zu gehen. Da hat sich eine klare Risikoumverteilung ergeben. Wer sich wehrt, hat jetzt eine viel viel bessere Position als noch vor einem Jahr", betonte Kurth.

Spezialfall Dialer

Ein Spezialfall sind die so genannten Dialer, kleine Programme, die den Internetanschluss eines Computers auf eine teure Telefonnummer umleiten. Für sie hat die Regulierungsbehörde erheblich verschärfte Vorschriften erlassen und bereits im Oktober fast 400.000 solche Einwahlnummern gesperrt. Kurth will unterbinden, dass derartige Dialer vom Nutzer unbemerkt auf den Computer geladen werden und die Internetverbindung auf ein teures Angebot umleiten. Deshalb müssen registrierte Dialer am Computer anzeigen, wenn sie eine Verbindung herstellen.

Zudem dürfen Dialer seit 14. Dezember nur noch mit 09009 beginnende Nummern anwählen. Die alten 0190er Dialer und alle Dialer in andern Rufnummerngassen sind seitdem illegal. Für sie muss nach Überzeugung von Kurth nicht mehr bezahlt werden. Praxisnahe Hinweise für den Kampf gegen Dialer und andere Abzocke finden sich in der Broschüre "Was tun bei Rufnummernmissbrauch" auf der Internetseite der Behörde.

Eine radikale Schutzmöglichkeit besteht für den Kunden darin, bei der Telefongesellschaft 09009er-Nummern oder womöglich auch alle 0190er-Nummern sperren zu lassen. Allerdings haben Abzocker nach einem Bericht des Fachdienstes "heise online" einen neuen Trick gefunden: Es seien Dialer aufgetaucht, die eine Satellitentelefonnummer anwählen, für satte 3,06 Euro pro Minute. "heise online" empfiehlt, auch Satellitendienste unter den Vorwahlen 0037 und 0038 bei der Telefongesellschaft sperren zu lassen.

DPA