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Ende des Zweijahres-Vertrags: Handy-Provider: "Ein Verbot von 24-Monats-Verträgen würde günstigere Verträge unmöglich machen"

Ein Mobilfunk- oder DSL-Tarif läuft zwei Jahre - so sind es viele Kunden trotz zahlreicher Alternativen gewohnt. Nun plant die Bundesregierung, die Laufzeit auf ein Jahr zu beschränken. Doch was sagen die Provider? 

Logos von Telekom, Vodafone und O2-Mutter Telefonicá an Gebäudefronten

Was sagen Telekom, Vodafone,Telefonicá und 1&1 zum neuen Gesetzesvorstoß?

Eine Kündigung ist schnell vergessen. Sind die 24 Monate Mindestlaufzeit des klassischen Mobilfunk- und DSL-Vertrags abgelaufen, hängt man plötzlich mindestens ein weiteres Jahr im Vertrag fest - und hat oft sogar Mehrkosten. Die Bundesregierung will die Vertragslaufzeiten nun einschränken, um den Verbraucher vor Kostenfallen zu schützen. Doch wie reagieren Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1?

Die Idee des am Freitag vorgelegten Referentenentwurfs aus dem Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz ist einfach: Alle Verträge, vom Fitnessstudio bis zum Stromtarif, sollen in Zukunft höchstens ein Jahr laufen. Verlängert sich der Vertrag automatisch, sollen die Kunden bereits nach drei Monaten wieder aus dem Vertrag aussteigen können, statt wie bisher üblich gleich zwölf Monate gebunden zu sein. Kostenfallen wie das automatische Weiterzahlen des Smartphone-Aufschlags oder eine nach Ablauf der Mindestlaufzeit erhöhte Grundgebühr würden so erheblich beschränkt. Ein klarer Gewinn für die Kunden, sollte man meinen.

Das sagen die Provider

Die Mobilfunk-Anbieter zeigten sich auf Anfrage des stern dagegen eher kritisch. Vodafone und 1&1 wollten sich lieber nicht selbst äußern, die beiden Konzerne verwiesen auf Statements des Branchenverbandes VATM. Der Verband hatte bereits im letzten Frühjahr bei der ersten Diskussion um eine Verkürzung der Laufzeiten einen offenen Brief an die damalige Justizministerin Katharina Barley veröffentlicht.

Der Tenor der Provider: Ein Verbot des Zweijahresvertrages würde den Kunden nur Auswahl nehmen. "Aus Erfahrung wissen wir, dass die Mehrheit der Kunden einen Vertrag über 24 Monate wählt", erklärt etwa die Telefónica. Dennoch gäbe es für Kunden längst zahlreiche andere Optionen. "Aufgrund der Angebotsvielfalt im Markt halten wir die nun geplante Verkürzung der maximalen Vertragslaufzeit für nicht erforderlich und kontraproduktiv, denn sie wird letztlich die Wahlfreiheit der Verbraucher zu deren Ungunsten einschränken."

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Kurze Laufzeit, hohe Preise?

Das sieht auch der Rest der Branche so. "Kunden haben bereits heute die Möglichkeit, bei Bedarf einen Vertrag mit einer Laufzeit von 12 Monaten abzuschließen", gibt die Telekom zu Protokoll. Auch der VATM verweist auf Angebote mit kurzer oder, wie im Falle von Prepaid, ganz ohne Laufzeit. Trotzdem entscheide sich die Mehrheit für einen Zweijahresvertrag, berichtete VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner im August.

Ohnehin fürchtet er, dass die kürzere Laufzeit vor allem die Preise erhöht. "Aus ökonomischer Sicht ist eine Laufzeitverkürzung für die Kunden doppelt teuer, da nicht nur die Handysubventionen nicht mehr klappen, sondern auch der Verwaltungsaufwand, der zum Vertragsbeginn entsteht, auf die kürzere Laufzeit verteilt werden müsste."

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Die Telekom sieht das ähnlich. "Ein Verbot von 24-Monatsverträgen würde entsprechend günstigere Verträge unmöglich machen", erklärte ein Sprecher. "Bei kürzeren Laufzeiten erhöhen sich die Kosten etwa für Werbung von Kunden oder die Bereitstellung der Anschlüsse, da sie nur über einen Zeitraum von 12 Monate statt 24 Monaten verteilt werden können."

Die Telefónica betont anders als die Konkurrenten, dass es durchaus auch ohne den Zweijahresvertrag geht. "Mit der Einführung des Kombiangebotes o2 You im vergangenen Herbst haben wir die Vertragslaufzeit des Mobilfunkvertrages sogar ganz abgeschafft", so der Konzern. Dabei verbindet man einen Tarif mit einer Ratenzahlung für ein Smartphone, betreibt aber beides unabhängig voneinander. Ist die letzte Rate bezahlt, läuft der Tarif weiter, die Handy-Zuzahlung fällt aber weg. Andersherum kann man aber auch den Tarif früher kündigen, muss dann nur noch die Raten weiterzahlen. Ob man so wie bei einigen Zweijahresverträgen Geld sparen kann, steht auf einem anderen Blatt.

Neben den höheren Tarifkosten dürften die Provider auch um ihre Langzeitplanung fürchten. Längere Vertragslaufzeiten bedeuten auch, dass die Einnahmen über einen längeren Zeitraum gesichert sind und nicht plötzlich wegbrechen. Bei den aktuellen Sorgen hilft sicher nicht, dass für die Mobilfunk-Konzerne mit dem 5G-Ausbau und der Vergabeauktion im letzten Jahr ein erheblicher neuer Kostenfaktor hinzugekommen ist. "Grundsätzlich müssen sich Investitionen in den Breitbandausbau für die Unternehmen rentieren, ob in schnelles mobiles Internet oder Glasfaseranschlüsse", erklärt die Telekom. Und fügt überraschend offen hinzu: "Je kürzer die Vertragslaufzeiten, umso geringer die Möglichkeit, die Investitionen auch zurückzuverdienen."

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