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Airbus A380: Dicker Brummer über Hamburg

Zum "Airbus-Familientag" auf dem Werksgelände im Hamburger Stadtteil Finkenwerder kamen 150.000 Besucher um mit dem Unternehmen zu feiern - und beim Deutschland-Debüt des weltweit größten Passagierflugzeugs dabei zu sein.

Als der gigantische Airbus A380 zu seinem Überflug ansetzt, herrscht in Hamburg Feststimmung wie bei der Ankunft des Ozeanriesen "Queen Mary 2". Das größte Passagierflugzeug der Welt steuert in der Luft genauso majestätisch wie kürzlich die Königin der Meere auf dem Wasser die Elbe entlang. Mehr als hunderttausend Besucher beim Airbus-Familientag im Hamburger Werk des größten europäischen Flugzeugherstellers in Finkenwerder und zehntausende Zuschauer am Elbufer verfolgten am Samstag die Deutschland-Premiere des 73 Meter langen Riesen. Auf dem Deich entlang des Airbus-Geländes postierten sich viele tausend Neugierige schon am Vormittag bei Sommerwetter mit Picknickdecke, Fotoapparat und Fernglas, um den Flug nicht zu verpassen.

Das größte Verkehrsflugzeug der Welt, das künftig in Hamburg ausgerüstet wird, drehte bei Sonnenschein drei Schleifen über Finkenwerder und begeisterte die Menschen, die beim Airbus-Familientag auf dem Firmengelände stundenlang ausgeharrt hatten. Beim eleganten Überflug brandete Applaus auf, die auf der Elbe fahrenden Schiffe ließen ihre Signalhörner vernehmlich tuten. Am Abend stiegen bei dem großen Fest am südlichen Elbufer zahlreiche Heißluftballons auf, um Gästen bei der Fahrt über Hamburg einen Blick aus der Luft zu ermöglichen.

Leiser als jeder Jumbo

Einmütig fiel das Urteil in Finkenwerder und am Elbufer aus, wo auch viele Zehntausende den vierstrahligen Jet auf seinem Tiefflug von den Elbbrücken bis zum Mühlenberger Loch bewundern konnten: Bemerkenswert war der extrem leise Flug des doppelstöckigen Giganten, von dem bereits 159 Exemplare von 16 Kunden zum offiziellen Preis von 292 Millionen Dollar pro Flugzeug bestellt worden sind.

Der erste Airbus A380, der bereits seinen 70. Flug absolvierte und schon rund 230 Stunden in der Luft war, hat bisher alle strengen Lärmwerte, die man sich zum Ziel gesetzt hatte, erreicht oder sogar unterboten. "Wir sind um vier Dezibel leiser als das bisher leiseste Großraumflugzeug Airbus A340-600", erklärt der deutsche Testpilot Wolfgang Absmeier, der bereits 35 Stunden lang den A380 geflogen ist. Das sei eine Reduzierung des so genannten Lärmteppichs um etwa 50 Prozent. "Und dabei ist der A340-600 schon erheblich leiser als die Boeing 747", betont Absmeier und fügt mit sichtlichem Stolz hinzu: "Wir sind also wesentlich leiser als jeder Jumbo."

750 Neueinstellungen

Airbus-Deutschlandchef Gerhard Puttfarcken erklärte sichtlich gerührt: "Das ist für uns alle ein ganz großer Tag, auf den wir stolz sein dürfen." Immerhin seien seit 1998 rund 1,5 Milliarden Euro in die neuen Gebäude und Anlagen investiert worden. Vor allem aber sei die Zahl der Mitarbeiter seit 1998 in Hamburg von 7095 um rund 3500 auf 10.575 gewachsen, von denen allein mehr als 2000 nur für die A380-Produktion eingestellt worden seien. "Und wir werden noch in diesem Jahr weitere 750 Mitarbeiter neu einstellen", versprach Puttfarcken. Schon kurzfristig würden 360 Flugzeuge jährlich in Hamburg und Toulouse ausgeliefert werden und mittelfristig "werden es sogar über 400 Airbus-Flugzeuge aller Art pro Jahr werden".

Der Hamburger Standortchef Ulrich Weber erklärte vor Tausenden von Airbus-Mitarbeitern, die mit ihren Familien nach Finkenwerder gekommen waren: "Das ist für uns alle die Krönung einer spannenden Phase. Auf diesen Tag haben wir alle drauf hingefiebert. Die A380 ist zwar das Highlight, aber die anderen Bereiche haben genauso so viel zu zeigen." Immerhin wird die Produktion der A320-Familie im nächsten Jahr auf nicht weniger als monatlich 32 Flugzeuge in Hamburg und Toulouse hochgefahren werden.

Flugzeug-Gucken

Am Samstag waren alle "Moneymaker" (Geldscheffler) der Airbus Industrie vom kleinsten zweistrahligen Airbus A318, der in Hamburg gebaut wird, bis zur A340-600, dem längsten Verkehrsflugzeug der Welt, auf dem weitläufigen Gelände am Boden zu bewundern, als der doppelstöckige "Jet des 21. Jahrhunderts" erstmals am deutschen Himmel seine Kreise zog.

Hamburg ist inzwischen neben Seattle-Everett in den USA und Toulouse in Frankreich zu einem der drei großen Standorte des Flugzeugbaus auf dem Globus avanciert. Und von 2007 an werden alle A380 an Kunden in Europa und im Mittleren Osten von Hamburg aus ausgeliefert. Wegen einer Verlängerung der Startbahn auf dem Hamburger Airbus-Gelände für die Frachtversion der A380 hatte es jahrelangen heftigen Streit mit Anwohnern und Umweltschützern gegeben.

DPA, AP / AP / DPA