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Ausstellung: Die Roboter sind schon da

Sie montieren Autos oder sehen aus wie Menschen - Roboter haben längst den Alltag erobert. Das Frankfurter Museum für Kommunikation zeigt in der Ausstellung "Die Roboter kommen!" eine bunte Mischung von Exponaten aus der Robotertechnik - und Utopien zwischen Faszination und Bedrohung.

Von Kathrin Warncke

"Huch, lassen Sie mich - das kitzelt!" Noch ist "Sabor" ein wenig schüchtern: Verlegen und etwas metallisch lacht der 2,37 Meter große Hüne, als ihm der Brustkorb abgenommen wird. Darin offenbaren sich hunderte Kilometer Draht - und eine Telefonwählscheibe. Er rollt mit den Augen, raucht eine Zigarette und beantwortet Fragen - schließlich ist er der modernste Roboter seiner Zeit. Nicht jeder hat in den 50er Jahren eine Photozelle im linken Ohr und Batterien in den Beinen. Damals tingelte er zusammen mit seinem menschlichen Vater, dem Schweizer Ingenieur Peter Steuer, von Show zu Show. Heute erlangt er immer noch Berühmtheit - auf einem Bildschirm im Museum.

"Sabor" ist einer von zahlreichen Robotern, die derzeit im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main gezeigt werden. Mit rund 125 Exponaten führt die Ausstellung unter dem Titel "Die Roboter kommen! Mensch-Maschine-Kommunikation" Besucher auf eine Reise durch die Geschichte der Robotertechnik: Neben historischen Automaten sind auch moderne, humanoide Roboter zu sehen. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung auch die Faszination und Ängste, die die ersten Maschinen bei den Menschen auslösten.

Genau an diesem Punkt setzt die Ausstellung an: "Sie ist ein Fürchtet-euch-nicht vor den Robotern", sagte Kurator Bodo-Michael Baumunk schon zur Eröffnung. Der Ausstellungs-Raum im zweiten Stock des Museums ist futuristisch blau ausgeleuchtet. Doch kalt wirkt es deswegen nicht, sondern eher einladend auf die überwiegend jungen Besucher, die sofort auf die Humanoid-Roboter zustürmen und ihre Nasen gegen die Glaswände drücken.

Die "Maschinen-Maria" ist eines der Highlights in der Ausstellung. Als Nachbildung der Berühmtheit aus dem Stummfilm "Metropolis" von 1926 ragt sie optisch mit ihren femininen Metallkurven und der glänzend-weißen Oberfläche aus den Exponaten heraus. Hinter den menschlichen Gesichtszügen verbergen sich Drähte und Schrauben - nur der Blick von der Seite gewährt einen Blick in das Innere. Durch den Film "Metropolis" erlangte sie erstmals Bekanntheit, dafür zahlte die Ufa damals fünf Millionen Reichsmark Produktionskosten. Zwar ruinierte sich das Unternehmen kurze Zeit mit diesem Film, in den Kinos war er ein Flop. Dennoch wurde damit eine Stil-Ikone für das Science-Fiction-Genre geschaffen: Seit ihrem Auftritt verbinden die Menschen mit dem Begriff "Roboter" ein menschenähnliches, futuristisches Metallwesen. Vor der Androiden-Puppe flimmert auf einem Bildschirm das Musikvideo "All is full of love" der isländischen Sängerin Björk. Das Video aus dem Jahr 1999 zeigt, wie zwei Industrieroboter die Androidin zusammenbauen. Zum Leben erweckt, verliebt sich die Puppe in eine zweite Roboterfrau und singt mit ihr ein Duett.

Drei Blechmänner für ein Orchester

Dieses Video ist eine von vielen Filmszenen, die auf Monitoren vor den Exponaten abgespielt werden. So werden beispielsweise alte Filmdokumente und Berichte über die ersten Roboter gezeigt oder auch Beiträge über aktuelle Industriemodelle und von RoboCups, Fußballturnieren zwischen Robotern. Über Kopfhörer können Besucher auch Audiobeiträge hören, wie zum Beispiel das Science-Fiction-Hörspiel "R.U.R. - Rossum's Universal Robots" aus dem Jahr 1921 von Karel Capek, in dem erstmals der Begriff "Roboter" verwendet wurde. Oder auch Lieder des Orchesters "Les Robots Music" sind hier zu hören: Drei Roboter spielen mit Akkordeon, Saxophon und Schlagzeug eine Auswahl von Liedern wie "Rock des Robots" und "Que sera sera" - in den 50ern waren die drei Blechmänner eine Attraktion auf Wanderausstellungen.

Ein beliebter Anlaufpunkt ist auch "autoportrait" - ein Zeichen-Roboter, der die Besucher portraitiert. Sobald eine Person auf dem Hocker Platz nimmt, wird ein Foto von ihm aufgenommen und ein Abbild zeilenweise gezeichnet. Jede Zeichnung ist dabei individuell und nicht vorhersehbar. Lange erhalten bliebt die Zeichnung jedoch nicht: Erst wird sie einmal rundum gezeigt - um später säuberlich vom Roboterarm weggewischt zu werden.

Drahtige Haushaltshilfen

Neben der dem Zeichner und der "Maschinen-Maria" reiht sich in chronologischer Folge ein Roboter nach dem anderen hinter den Glasscheiben auf: "Aibo", der Roboterhund von Sony aus dem Jahr 1999, dessen Produktion bereits eingestellt wurde. Der Serviceroboter "Armar II", der mit ungelenken Bewegungen Gegenstände transportiert und die Spülmaschine ausräumt. Die drahtige Haushaltshilfe arbeitet mit Spracherkennung und ist lernfähig, indem sie ihr unbekannte Gegenstände mit optischen Sensoren abspeichert. Der Roboter daneben ist mit weniger Funktionen ausgestattet, dafür eine Spur cooler: Jockey-Roboter "K-MEL" sitzt mit einer verspiegelten Sonnenbrille fest im Sattel. Die Maschine soll demnächst bei Kamel-Rennen in den Golfstaaten eingesetzt werden und muss dafür möglichst wenig Eigengewicht aufbringen. Bisher hatten Kinder an den Rennen als leichtgewichtige Jockeys auf den Tieren gesessen, auf Drängen von Menschenrechtsorganisationen wurde diese Art der Kinderarbeit jedoch verboten. Mit 15 Kilogramm Gewicht und zwei Greifarmen für Zügel und Peitsche wird dies in Zukunft "K-MEL" übernehmen.

Zu diesen Robotern gesellen sich noch zahlreiche weitere Maschinen, ein Großteil von ihnen Spielzeugroboter aus den vergangenen Jahrzehnten. Dazwischen sind auch aktuelle Industrieroboter und verschiedene Automaten aus den letzten Jahrhunderten zu sehen. Comics, Filmausschnitte und Spielzeuge dokumentieren die Ängste und Befürchtungen, die seit jeher die Entwicklung der Roboter begleiteten.

Roboter als Bedrohung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts tauchten die ersten Roboter-Utopien auf: In Filmen, die in Ausschnitten auf Monitoren gezeigt werden, nahmen sie eine zwiespältig Rolle ein. Die Menschen waren angesichts der neuen Technik hin- und hergerissen: Sie versprachen sich einerseits von den Maschinen, sie würden sie von körperliche Schwerarbeit entlasten, andererseits verbanden sie damit die Bedrohung, die Technik könnte außer Kontrolle geraten. Noch heute wird dieser Zwiespalt in Filmen wie "I, Robot" aufgegriffen.

Mit diesen Problemen setzten sich die die Bauhaus-Künstler Alexandra Exter oder auch Lothar Schreyer weniger auseinandergesetzt. Sie haben sich auf die mechanischen Motive wie Schrauben in ihren Bildern konzentriert. Deren Kunstwerke sind ebenso im Rundgang zu sehen wie der so genannte "Watschendiskurs" von Frank Fietzek und Uli Winters. Damit nehmen die modernen Künstler die Tradition auf, den absoluten Maschinenglauben zu parodieren. Zwei Stoffpuppen sitzen sich in der Installation gegenüber und führen ein handfestes Gespräch über Sprachtheorie - zwischendurch setzt es immer wieder ein paar schallende Ohrfeigen. Vor solchen Robotern brauchen sich Besucher trotzdem nicht zu fürchten. Schließlich zeigt die Ausstellung, das Roboter fernab aller Utopien längst im Alltag angekommen sind.

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