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Weltraum: Warum China einen künstlichen Mond ins All schießen will

China hat ein neues Weltraumprojekt: Schon 2020 soll ein künstlicher Mond am Himmel stehen. Die Idee dahinter ist tollkühn - aber nicht neu.

China plant zweiten Mond im All

China plant zweiten Mond im All

Getty Images

Der Weltraum, unendliche Weiten - zumindest noch. Denn China hat gleich bündelweise neue Pläne fürs All. Eine eigene Weltraumstation, Flüge zu Mars und Mond. Und das alles in den kommenden fünf Jahren. Die Pläne sind ambitioniert, aber durchaus schaffbar. "Unser Ziel ist es, dass China bis etwa 2030 unter den führenden Weltraummächten der Welt sein wird", sagt Wu Yanhua, Vorsitzender der Weltraumagentur Chengdu Aerospace Science and Technology Microelectronics System Research Institute zu "Bloomberg".

Ein großes Projekt soll ein künstlicher Mond sein, der im All installiert werden soll. Dafür wollen die Chinesen, dass ein Satellit einen Mond simuliert und dass das Mondlicht dafür genutzt wird, eine Stadt zu beleuchten. Die Millionenmetropole Chengdu könnte sich Stromkosten von 170 Millionen Dollar sparen, wenn Sonnenlicht per Reflexion auf die Stadt umgeleitet wird und man somit keine Straßenbeleuchtung mehr benötige. Die Pläne sehen vor, dass die Reflektoren genau gesteuert werden und auch Dämmerlicht ermöglichen. Nachtaktive Tiere sollen von dem Fake-Mond nicht gestört werden, dafür sei das Licht zu schwach. 

Chinas Fake-Mond soll 2020 starten

Der erste Satellit soll 2020 starten. Sind die Tests erfolgreich, soll zwei Jahre später weitere Satelliten ins All geschossen werden. Die Pläne stellte ein privates Luftfahrtunternehmen am 10. Oktober vor. Ob sich der chinesische Staat beteiligen werde, ist nicht bekannt. Wie groß die Monde sein werden, wurde ebenfalls nicht gesagt. Doch das reflektierte Licht soll achtmal so hell sein wie das des echten Mondes. 

Das Vorhaben mag zunächst tollkühn erscheinen. Doch neu sind die Pläne nicht. Russland experimentiert schon seit Jahrzehnten faltbare Spiegel im All. Allerdings wenig erfolgreich, mindestens ein Satellit verbrannte samt Spiegel im All. Reflektoren im Weltraum haben aber schon heute ein Erfolgsprojekt: Die norwegische Stadt Rjukan wird beleuchtet, indem Sonnenlicht mit Spiegeln über Berge gelenkt wird. Ansonsten würde Rjukan ab Herbst über Monate im dunklen Tal liegen, wo keine Sonne hingelangt.


kg
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