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Birkeland Containerschiff aus Norwegen fährt vollelektrisch, klimaneutral und benötigt keine Besatzung mehr

Von außen unterscheidet sich die "Birkeland" nicht von einem konventionellen Schiff.
Von außen unterscheidet sich die "Birkeland" nicht von einem konventionellen Schiff.
© Torstein Bøe / AFP
Die "Birkeland" hat ihre Jungfernfahrt absolviert. Angetrieben wird sie von Batterien, dazu fährt sie autonom ohne Besatzung und Steuermann.

Die Corona-Pandemie hat die Jungfernfahrt des ersten vollelektrischen und emissionsfreien Containerschiffs der Welt etwas verzögert. Aber nun hat die "Birkeland" die erste Fahrt hinter sich, eine Ministrecke zum Hafen von Brevik. Das Containerschiff soll nicht die Welt umfahren, ist ein Feeder, man kann es auch als Containerfähre bezeichnen. Es wurde gebaut, um die Produkte des Düngemittelherstellers Yara zu dem Hafen in Bervik bringen.

Die "Birkeland" wird etwa 40.000 Lkw-Fahrten im Jahr ersetzen. Dadurch sollen etwa 1000 Tonnen Kohlenstoffemissionen pro Jahr eingespart werden. Die "Birkeland" transportiert jeweils 120 Container von 20 Fuß Länge, ist selbst 80 Meter lang und erreicht 15 Knoten. Als Energielieferant dient eine 7-MWh-Batterie. Das entspricht in etwa dem Äquivalent von 100 Tesla-Autos. Die "Birkeland" ist nur ein paar Mal pro Woche unterwegs, insofern hat sie Zeit zum Aufladen.

Staatliche Förderung

Der norwegische Staat förderte den Bau mit 133 Millionen Kronen, das entspricht etwa 13 Millionen Euro. Anlässlich der ersten Reise besichtigte Norwegens Premierminister Jonas Gahr Store das Schiff. Die Schiffahrt gehört zu den bedeutenden CO2-Emittenden, in Skandinavien versucht man  klimaneutrale Alternativen herzustellen. Für kurze Entfernungen funktioniert eine Batterie, auf lange nicht. In Schweden baut man daher die Autofähre Oceanbird, die mit Segeln und Windkraft den Atlantik überqueren wird. Yaras Werk in Porsgrunn ist einer der größten CO2-Emittenten Norwegens.

Die "Birkeland" gehört zu den Maßnahmen, mit denen das Unternehmen klimaneutral werden will. Eine andere, mit größerem Einfluss auf den CO2-Abdruck, ist die geplante Umstellung der Düngemittelproduktion auf "Grünen Ammoniak". "Wir haben diesen technologischen Sprung gemacht, um zu zeigen, dass so etwas möglich ist, es gibt viele Routen in der Welt, wo man die gleiche Art von Schiff einsetzen könnte", sagte der Vorstandsvorsitzende Svein Tore Holsether gegenüber Reuters.

Geisterschiff ohne Besatzung

Neben dem elektrischen und klimaneutralen Antrieb arbeitet das Schiff auch noch vollautomatisch. Es kann selbstständig die Container laden und entladen und ohne menschliches Zutun navigieren. Ab dem nächsten Jahr wird das Schiff zwei Fahrten pro Woche durchführen. Zuerst noch mit menschlicher Besatzung. Zwei Jahre lang soll die autonome Navigation getestet werden. Sensoren sollen auch kleine Objekte wie Kajaks im Wasser schnell erkennen und das Schiff entsprechend steuern, um eine Kollision zu vermeiden. Das System soll sicherer als eine menschliche Steuerung. "Wir haben das menschliche Element ausgeschaltet, das heutzutage auch die Ursache für viele Unfälle ist", so der Projektleiter. In Norwegen fällt es schwer, Arbeitskräfte für einfache Arbeiten zu bekommen, der Wegfall der LKW-Touren ist daher auch aus diesem Grund praktisch.


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