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E39 Norwegen: Die größte Brücke der Welt und schwimmende Tunnel werden in Norwegen gebaut

Oslo plant eine gigantische Autobahn an der Westküste. Nie da gewesene Tunnel- und Brückenkonstruktionen sollen die Fjorde überwinden. Der Bau hat bereits begonnen.

Wer mag, kann den kilometerlangen Tunnel auch zu Fuß durchqueren.

Wer mag, kann den kilometerlangen Tunnel auch zu Fuß durchqueren.

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Die Küste Norwegens ist von unvergleichlicher rauer Schönheit. Tiefe Fjorde schneiden sich in die Felsen des Gebirges, die Küstenlinie ist zerklüftet. Was Touristen erfreut, macht den Verkehr schwierig. Die Küstenstraße E39 von Trondheim im hohen Norden und Kristiansand im äußersten Süden schlängelt sich 1100 Kilometer durch Norwegen. Eine realistische Fahrzeit liegt wegen der Fährverbindungen bei 21 Stunden – das dauert länger als die Tour von Berlin nach Madrid.

Kein Wunder, dass lange Zeit der Weg mit dem Schiff die praktischste Art war, in Norwegen zu reisen. Das Problem heute: Im reichen Norwegen entvölkert sich das Land, die Menschen streben in die wenigen Städte. Die malerischen Fjorde werden verlassen.

Nie gesehene Brücken

Mit einem gigantischen Bauprojekt will die Regierung in Oslo die Westküste besser erschließen.

Insgesamt soll die neue E39 55 Millionen Euro kosten. Anstatt endloser Umwege um die Fjorde herum und anstelle von Fährverbindungen mit langen Wartezeiten soll die neue Straße den direkten Weg nehmen – allen Hindernissen zum Trotz. Und Hindernisse sind vor allem die Fjorde – sie sollen entweder von Brücken überquert werden oder Tunnel sollen sie durchziehen.

Die Dimensionen der einzelnen Bauabschnitte sind schwindelerregend. Zwischen Stavanger und Haugesund wird bereits ein 27 Kilometer langer Tunnel gebaut. Der Rogfast-Tunnel wird nach Fertigstellung der längste Unterwasser-Straßentunnel der Welt sein und erreicht eine nie da gewesene Tiefe – nämlich 390 Meter unter dem Meeresspiegel.

Wie andere Großtunnel auch, wird Rogfast aus zwei Röhren bestehen. Alle 250 Meter sind sie mit Notausgängen verbunden. Im Abstand von 500 Metern werden Notruftelefone und Überwachungskameras installiert. Erstmals wird mit dem Bauwerk die Insel Kvitsøy mit dem Festland verbunden. Seit diesem Jahr wird an Rogfast bereits gearbeitet. 2026 soll der Tunnel eingeweiht werden.

Schwimmende Brückenaufhängungen

Trotz seiner Dimensionen ist der Rogfast-Tunnel bei weitem nicht der spektakulärste Abschnitt. Für andere Überquerungen sind innovative Lösungen in der Planung. Der Bjornafjord südlich von Bergen erreicht eine Tiefe von 600 Metern. Hier denkt man an eine Brücke, die den fünf Kilometer breiten Fjord überqueren könnte. Wegen der Tiefe des Fjordes können keine Pfeiler im Meeresgrund verankert werden. Die Lösung könnte eine schwimmende Brücke sein, deren Pfeiler auf Pontons unter der Wasseroberfläche ruhen.

Für den Sulafjord sind mehrere Lösungen im Gespräch. Das eine ist eine Hängebrücke mit drei Pfeilern. Der mittlere Träger müsste 400 Meter unter dem Wasserspiegel im Boden verankert werden. Die Alternative wäre ein schwimmender Unterwassertunnel. Unter dem Wasserspiegel würden dann zwei Tunnelröhren frei im Wasser schweben – gehalten nur von Kabeln am Meeresgrund.

Die größten Herausforderungen stellt der "König der Fjorde" - der Sognefjord – nördlich von Bergen bereit. Seine Breite beträgt 3,7 Kilometer, doch ist er bis 1300 Meter tief. Zusätzlich muss der Fjord auch nach dem Bau für große Schiffe voll befahrbar bleiben.

Die größte Brücke der Welt

Am wahrscheinlichsten wäre eine gigantische Hängebrücke – sie wäre doppelt so lang wie die derzeit längste Brücke der Welt. Für sie müssten 450 Meter hohe Stützen errichtet werden.

Denkbar wäre hier aber auch hier ein schwimmender Tunnel. Wegen der Tiefe des Fjordes könnten seine Röhren nicht am Boden verankert werden, sie würde an Pontons hängen, die an der Oberfläche schwimmen.

Kr