Dampflok Die "Adler" wird wieder aufgebaut


Sie war der einzige fahrtüchtige Nachbau von Deutschlands erster Dampflok. 2005 wurde die "Adler" bei einem Museumsbrand schwer beschädigt. Nun wird der historische Zug wieder aufgebaut - nach den Originalplänen und mit viel Handarbeit.

Es war ein schwerer Schock für alle Eisenbahnfans. Als am 17. Oktober 2005 das Lokdepot des Bahn-Museums in Nürnberg in Flammen stand, brannte auch ein Mythos aus: Die Tender-Lokomotive "Adler", ein Nachbau von Deutschlands erster Eisenbahn. Im Dampflokwerk im südthüringischen Meiningen wird sie nach britischen Originalplänen aus dem Jahr 1835 wieder aufgebaut. Ende Oktober könnten Lok, Tender und zwei Personenwaggons dem Museum zurückgegeben werden, verspricht Werksleiter Jürgen Eichhorn.

Noch geben die Überbleibsel der altehrwürdigen Lokomotive ein trauriges Bild ab: Die verkohlten Reste des Holzgestells stecken noch in den mit Ruß überzogenen und verrosteten Metallträgern. Es bedarf sehr viel Fantasie, sich dabei eine stattliche Lok vorzustellen. Doch die neuen Eichen-Holzbalken liegen schon parat. Der Wiederaufbau könne jetzt zügig vorangehen, versichert Eichhorn. Vor Blicken neugieriger Eisenbahnfans geschützt, steht der "Adler" - oder das, was übrig blieb - in einem gesonderten Schuppen des Werks.

Handgeschmiedete Kurbelwelle

Die schwierigste Aufgabe des Wiederaufbaus sei fast schon erledigt, sagt Eichhorn. So habe es fast ein Jahr gedauert, bis eine Firma gefunden worden sei, die das Herzstück des "Adlers", die beim Brand zerstörte Kurbelwelle, nachbilden konnte. Ein Spezialunternehmen in Wildau bei Berlin habe sie per Hand geschmiedet. Auch alle anderen Ersatzteile seien inzwischen da.

Obwohl es sich nur um einen Nachbau des legendären "Adlers" handele, sei auch der "eine Ikone für Deutschland und eine Ikone für unser Museum", sagte Jürgen Franzke, Leiter des DB-Museums. Es sei nie eine Frage gewesen: "Wir wollen ihn wieder haben." Der neue "Adler" werde dabei sogar detailgetreuer als der ausgebrannte. Die im Staatsarchiv in München gelagerten britischen Pläne zeigten nämlich einen kleinen Fehler am Schornstein.

Der Beginn des Eisenbahnzeitalters in Deutschland

Der Original-"Adler" hatte im Dezember 1835 auf der Strecke Nürnberg-Fürth das Eisenbahnzeitalter in Deutschland eröffnet. Die 1835 in England gebaute Original-Lok schaffte Geschwindigkeiten bis zu 60 Stundenkilometern. Gut 20 Jahre lang war sie unterwegs, dann wurde sie verkauft, verschrottet und gilt seither als verschollen. Es gibt zwei Nachbauten: Nur das beim Brand zerstörte Exemplar von 1935 war fahrtüchtig. Der andere, nicht fahrfähige Nachbau aus den 1950er Jahren ist nach wie vor im Nürnberger Museum zu sehen.

Bei dem Feuer im mehrere Kilometer vom Museum entfernten Depot wurden zudem andere unschätzbare Werte der deutschen Bahngeschichte zerstört. Zwölf Diesel- und Elektroloks mussten verschrottet werden. Dabei handelte es sich aber laut Franzke nicht um einmalige Fahrzeuge.

80 Prozent der Lok können erhalten werden

"Eine Dampflok ist den Umgang mit Feuer und Wasser eben gewohnt, deshalb waren die Schäden am "Adler" nicht so groß wie zunächst gedacht", sagte Eichhorn. 80 Prozent der Originalteile von 1935 blieben bei der Instandsetzung erhalten. Bei den Waggons, die vor allem aus Holz bestanden, sei das anders. "Die werden nahezu komplett neu aufgebaut."

Im einzigen Dampflokwerk der Deutschen Bahn AG arbeiten gut 100 Fachleute. Kesselschmiede, Lokomotivschlosser, Schweißer und Zerspaner warten Dampflokomotiven, historische Waggons, Schneeräumfahrzeuge und Eisenbahn-Unikate. Das Werk wurde 1914 von der Königlich-Preußischen Eisenbahnverwaltung gegründet. Nach dem Krieg arbeiteten hier bis zu 4000 Menschen, in der DDR immerhin noch 1500. Zu den Kunden des Werks zählen Museumsbahnen und Vereine aus ganz Europa.

Roland Böhm/DPA DPA

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