Das Museum der Zukunft Kunst mit Bits und Bytes


Künstler arbeiten heute mit Software so selbstverständlich wie mit Farbe und Leinwand. Doch nur wenige Museen können die kostspielige Technik-Kunst zeigen. stern.de wird sich in einer Artikelserie mit dem Thema beschäftigen und einen Blick in die Museen der Zukunft werfen.
Von Kathrin Warncke

"Eines Tages werden Künstler mit Kondensatoren, Widerständen und Halbleitern arbeiten, so wie sie heute mit Pinseln, Violine und Abfall arbeiten." Schon vor rund 40 Jahren hatte der Künstler Nam June Paik diese Entwicklung prophezeit. Trotzdem zeigen viele Museen heute vorwiegend bildende Kunst wie Gemälde und Skulpturen. Von Kondensatoren und Halbleitern keine Spur. Das scheint nur wenig zu passen, schließlich gehört diese Technik längst zum täglichen Leben. Am Frühstückstisch werden per Handy E-Mails abgerufen, und der elektronische Personalausweis erobert den Alltag. In Museen lässt sich noch vergeblich nach Technik suchen - meist beschränkt sie sich auf Audioguides am Eingang.

Selbst ein Name für Kunst mit Bits und Bytes ist noch nicht gefunden. Digitale Kunst, Cyberkunst, Medienkunst oder auch, etwas veraltet, Computerkunst werden in Wörterbüchern angegeben. Der Einfachheit halber soll hier der allgemeine Oberbegriff Medienkunst verwendet werden. Lange Zeit galt die kreative Arbeit mit Technik als Nische. Für Museen war es zu teuer und aufwändig, solche Ausstellungen zu zeigen. Erst Mitte der 90er Jahre tauchten erste Kunstwerke mit interaktiven Elementen auf. Spätestens die Technologien des 21. Jahrhunderts werden über kurz oder lang auch die Museen erobern. Mittlerweile haben Künstler sowohl in Deutschland als auch weltweit einige Pilgerstätten der Medienkunst aus der Taufe gehoben. Die bekannteste ist das Ars Electronica Center im österreichischen Linz.

Technik ist keine Hürde

Viele Kunstwerke bestehen aus einem berührungsempfindlichen Bildschirm, einer einfachen Kamera und dazu einer speziellen Software - diese einfachen Mittel können den Künstlern reichen. Einmal ganz abgesehen von exotischen Sparten der Medienkunst wie der Virtuellen Realität und Biokunst. Dabei zeigen Museen wie das Ars Electronica Center, dass die Technik für Besucher keine Hürde sein muss. Die modernen Meisterwerke in den Ausstellungen sind selbst erklärend und lassen sich von Betrachtern jeden Alters leicht bedienen. So steuern Besucher im Ars Electronica Center einen 3D-Flugsimulator mit Hilfe von einfachen Armbewegungen. Auch die Touchscreens der Kunstwerke lassen sich meist ähnlich handhaben wie ein iPod.

Die Thematisierung der Technik durch die Kunst ist notwendig angesichts des rasanten technischen Fortschritts. Das Interesse der Bevölkerung ist jedoch bisher vor allem darauf gerichtet, was Technik kann und nicht, was sie bedeutet. Die wichtigen Fragen müssten also auch lauten: Wie verändert Technik die Gesellschaft, welche Konsequenzen bringt sie mit sich? Fragen wie dieser widmet sich die Medienkunst. Doch nach wie vor hängt ihr das Image des interaktiven Spielplatzes an. Daher suchen Museen und Künstler stets die goldene Mitte zwischen einer spielerischen Ausstellungsform und einer gesellschaftlichen Diskussion über Technik.

Fachwissen, Zeit und Geld nötig

Die Branche hat zusätzlich mit weiteren Problemen zu kämpfen. Medienkunst ist teuer. Künstler und Ingenieure müssen für jedes noch so kleine Kunstwerk forschen, konstruieren und programmieren. Das allein erfordert viel Fachwissen, Zeit und Geld. Auch die Tatsache, dass das Kunstwerk später von Fachkräften regelmäßig gewartet werden muss, lässt so manches Projekt im Vorfeld scheitern. Käufer finden sich außerdem nur selten - Kunst wie diese lässt sich eben schwer im Wohnzimmer aufstellen. Die Politik hat reagiert und finanziert seit einigen Jahren mit Förderpreisen und anderen Mitteln Künstler und Museen.

stern.de wird sich in einer Artikelserie mit dem Thema Medienkunst beschäftigen und einen Blick in das Museum der Zukunft werfen. Wir zeigen, wie Künstler aus Industrierobotern kreative Werke schaffen und erzählen von Ingenieuren, die aus einfachen Programmierzeilen künstlerische Filme schaffen. Außerdem können Sie einen Blick in das Museum der Zukunft werfen und sehen, wie Kunst mit virtueller Realität entsteht.


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