Debatte Bund soll Computerspiele fördern


Filme erhalten schon lange staatliche Gelder: Nach Ansicht des Deutschen Kulturrats müssen auch Computerspiele finanziell unterstützt werden - doch nur, wenn sie gut sind.

Computerspiele sollen nach Ansicht des Deutschen Kulturrats künftig wie Filme mit Preisen ausgezeichnet und staatlich gefördert werden. "Guten Computerspielen muss der rote Teppich ausgerollt werden, wie wir das beim Film auch machen", sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann in Berlin. Dafür müsse die Bundesregierung "sehr schnell" entsprechende Strukturen aufbauen, damit die Förderung schon 2008 einsetzen könnte. Zensur sei falsch, da für Computerspiele die Kunstfreiheit gelte. Zimmermann betonte, Jugendschutz sei wichtig. Aber lediglich der kleinste Teil aller Computerspiele, nämlich rund sechs Prozent, werde als jugendgefährdend eingestuft.

Um mit diesen richtig umzugehen, müsse die Medienkompetenz "der Akteure der kulturellen Bildung" verbessert werden. Die Debatte über Verbote von Computerspielen soll auch Thema auf Europas größter Computerspielemesse Games Convention in Leipzig vom 23. bis 26. August sein. Kriterien dafür, welche Spiele gut und schlecht seien, müssten wie in den Bereichen Film oder Literatur Experten entwickeln, sagte Zimmermann. Gefördert werden müssten Qualität, "positive Spiele" und "das, was es am Markt schwer hat". "Nur wenn gute Spiele gefördert werden, haben die schlechten nicht die Bedeutung im Markt."

Weniger Geld als fürs Kino

Der Bund müsse in Vorleistung gehen, gleichzeitig müsse sich aber auch die Wirtschaft entsprechend beteiligen. Über eine mögliche Höhe der Förderung wollte Zimmermann sich nicht äußern. "Computerspiele können sicherlich nicht in der gleichen Größenordnung wie Filme gefördert werden", sagte er. Aber wichtig sei, dass überhaupt damit begonnen werde. Dies wäre ein positives Signal. Die Filmförderung des Bundes liegt laut Kulturrat bei rund 60 Millionen Euro im Jahr.

Kunst beginnt mit der kreativen Idee

Zimmermann wies darauf hin, dass die Computerspielbranche zur Kulturwirtschaft gehöre, auch wenn Computerspiele sicherlich nicht der Hochkultur zuzurechnen seien. Nach Schätzung der Gesellschaft für Konsumforschung liege ihr Umsatz bei bis zu 1,3 Milliarden Euro im Jahr und werde noch zunehmen. Der Begriff der Kultur sei nicht an Qualität gebunden. "Kunst beginnt da, wo es eine kreative Idee gibt." Es gebe auch das Recht, "sich mit Schund zu beschäftigen", verteidigte Zimmermann seine Forderung nach einem Verzicht auf ein Verbot von Spielen.

Diskussionen mit Beckstein

Um die Debatte zu beleben, hat der Deutsche Kulturrat das Buch "Streitfall Computerspiele: Computerspiele zwischen kultureller Bildung, Kunstfreiheit und Jugendschutz" veröffentlicht. In ihm kommen Politiker wie Günther Beckstein (CSU), Lothar Bisky (Linke), Fritz Rudolf Körper (SPD) und Grietje Bettin (Grüne) sowie Pädagogen und Wissenschaftler zu Wort. Themen sind unter anderem die Debatte über Zensur oder Förderung von Computerspielen, ein Blick in die Forschung und welche Herausforderungen sich für die Bildungspolitik ergeben.

AP/ts AP

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