DVD-Nachfolger Heiße Schlacht um scharfe Bilder


Auf der DVD wird es eng: Filme in hochaufgelöster Qualität brauchen viel mehr Speicherplatz. Doch nun kommt ein DVD-Nachfolger auf den Markt - allerdings gleich in zwei Varianten. Der Kampf um die Kunden ist eröffnet.

Gerade haben wir uns daran gewöhnt: Videofilme speichert man nicht mehr auf Cassetten, sondern auf silbernen DVD-Scheiben. Auch die Videothek führt kaum noch etwas anderes. DVD-Abspielgeräte gibt's inzwischen bei Tchibo oder Aldi ab 30 Euro; sie stehen in fast jeder Wohnung, während der Videorekorder mit Cassetten im Keller verstaubt.

Das kann man bald vergessen

Die DVD ist ein Auslaufmodell. Hollywoodstudios und Unterhaltungselektronik-Firmen nehmen Anlauf, um mit einer neuen Scheibe die Wohnzimmer zu erobern. Die wird zwar genauso aussehen wie die alte DVD, aber sechs- bis zehnmal mehr Speicherplatz bieten. Die ersten Player sind bereits präsentiert, Dutzende Hollywoodfilme für die Veröffentlichung auf der Superscheibe eingeplant.

Es hat gute Gründe gegeben, einen neuen Datenträger zu entwickeln, der sich mit bis zu 50 Gigabyte füllen lässt: Filme für hochauflösendes Fernsehen, also HDTV (HD steht für "High Definition"), brauchen so viel Platz, weil sie viel mehr Bilddaten enthalten. Die ersten deutschen Fernsehsender haben bereits mit der Ausstrahlung hochaufgelöster Sendungen begonnen; Videokameras für den Urlaub, die im HD-Format aufnehmen, gibt es schon. Und wenn der HD-Fernseher im Wohnzimmer steht, soll natürlich auch der Leihfilm aus der Videothek oder der für das Archiv aufgenommene Hollywoodkracher in bester Qualität laufen.

Die Vorteile der großen Scheiben

Den Produzenten der neuen Scheibe fällt noch mehr ein, wozu der enorme Speicherplatz genutzt werden könnte: Die Filmstudios wollen mehr Extras anbieten - und obendrein den Kopierschutz verbessern, der bei der DVD längst geknackt wurde. Die Videospiele-Industrie hätte ebenfalls gern einen neuen Träger, der mehr Daten speichern kann, damit die Spiele realistischer aussehen als bisher. Und viele PC-Nutzer, die ihre Digitalfotos und Videos auf DVD brennen wollen, stellen fest, dass herkömmliche Scheiben zu schnell gefüllt sind.

Wie schon bei der Einführung von Videocassetten oder beschreibbaren DVDs kann sich die Industrie allerdings nicht auf ein technisches Format für die neue DVD einigen. Zwei Lager stehen sich verfeindet gegenüber: auf der einen Seite die Verfechter der "Blu-ray Disc", angeführt von Sony, dem Erfinder der Technologie; auf der anderen die "HD-DVD"-Gruppe mit dem japanischen Elektronikriesen Toshiba an der Spitze. Bei beiden Technologien liest ein blauer Laserstrahl (englisch "blue ray") die viel dichter als früher gepackten Daten auf einer Scheibe, die genauso groß ist wie die bisherige DVD (welche sich übrigens auch in den Geräten der nächsten Generation wie gewohnt abspielen lassen wird).

50 Gigabyte Speicherplatz

Die Blu-ray-Disc kann etwa das Zehnfache der bisherigen DVD speichern, bis zu 50 Gigabyte. Bei der HD-DVD ist bei 30 Gigabyte Schluss. Andererseits lässt sich die HD-DVD günstiger herstellen, da sie mit der derzeitigen Technik enger verwandt ist. Toshiba hat nun das erste Abspielgerät für etwa 500 Euro angekündigt, während die ersten Blu-ray-Player mindestens das Doppelte kosten sollen. Für die Spielekonsole Microsoft Xbox wird es ein externes HD-DVD-Laufwerk geben. Sonys neue Playstation 3 hingegen, die wohl dieses Jahr erscheint, soll mit einem Blu-ray-Laufwerk ausgestattet werden.

500 Euro erscheinen zwar absurd teuer, doch Branchenkenner bleiben gelassen: Ebenso kostspielig waren auch die ersten DVD-Player. Schnell fiel deren Preis auf unter 100 Euro, gleichzeitig kamen Geräte auf den Markt, die auch auf DVD aufnehmen konnten. Genauso, meinen sie, wird es auch bei der nächsten Generation sein. Noch in diesem Jahr soll es die neuen Rekorder geben.

Welches Format sich allerdings durchsetzen kann oder ob es Player geben wird, die beide Sorten von DVDs abspielen, ist noch nicht absehbar. Hollywood ist das egal: Die Studios haben bereits zahlreiche Titel für die DVD-Nachfolger angekündigt, darunter Kassenhits wie "Harry Potter" und "Mission: Impossible". Viele werden ganz einfach auf beiden Formaten erscheinen. "Bei Videospielen gibt es ja auch mehrere Systeme, und alle blühen und gedeihen", sagt Brenda Ciccone, Marketing-Managerin bei Paramount Pictures. "Wir lassen einfach die Kunden entscheiden."

Karsten Lemm print

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