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Fertigungstechnik: Staub zu Statuen

Auch aus dem Staub, der bei der Bearbeitung von Marmorblöcken anfällt, lassen sich neue Statuen erschaffen. Bremer Forscher haben eine Art "3D-Drucker" entwickelt, der aus Daten und Staub feste Körper herstellen kann.

Wer bei Reisen in den Süden antike Stätten oder Kunstwerke in Museen besichtigt, steht vielfach nicht vor Originalen, sondern vor Nachbildungen. Viele der kostbaren echten Stücke werden bereits unter Verschluss gehalten, um sie vor schädlichen Abgasen und Diebstahl zu schützen. Solche Nachbildungen können jetzt - wie weiland Adam - aus Staub gemacht werden.

Mit neuen Verfahren können sowohl exakte Kopien historischer Originale als auch Objekte für den Massenmarkt, etwa Souvenirs, produziert werden, wie das Bremer Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) berichtete. Im Vergleich zur Anfertigung einer Kopie durch einen Steinmetz sei das Verfahren schneller und preiswerter, erklärte Dirk Hennigs vom IFAM - "eine Alternative für Museen, die sensible Kostbarkeiten in hoher Qualität ersetzen wollen".

Staub zu Statuen

Bei dem im EU-Projekt ECOMARBLE ("Preiswertmarmor") entwickelten Verfahren kann Marmorstaub verwendet werden, von dem beim Abbau von Marmorblöcken alljährlich viele Tonnen anfallen. Aber auch andere Stäube sind geeignet. Die IFAM-Forscher fanden heraus, dass Marmorpulver mit einer Partikelgröße von 50 bis 100 Millionstel Meter am besten geeignet war. Sie stellten damit als Testobjekt eine Kopie des Kopfes der Hygeia her, der altgriechischen Göttin der Gesundheit.

Berühren strengstens verboten

Die Originale dürfen oft nicht einmal berührt, geschweige denn transportiert werden. Ein von dem griechischen Unternehmen Geoanalysis entwickeltes Gerät erfasste berührungslos Konturen und Maße des Kopfes und erstellte ein dreidimensionales Computermodell. Mit Hilfe eines "3D-Druckverfahrens" konnte der Kopf dann schichtweise als Plastik "gedruckt" werden. Die Rohkopie ist zuerst noch porös; um die winzigen Staubpartikel fest aneinander zu fügen, wird mit Hilfe eines Vakuumverfahrens ein Bindemittel in die Poren eingebracht. Schon nach einem halben Tag kann die Oberfläche geschliffen und poliert werden.

Auch für Souvenirs nützlich

Mit einer anderen Methode - einem Pulver-Spritzgussverfahren - kann marmorne Massenware produziert werden. Die Bremer Materialforscher fanden eine Staub-Binder-Mischung, mit der sich kleine Marmorobjekte serienweise spritzgießen lassen, beispielsweise handliche Nachbildungen der Akropolis oder des Athener Olympiastadions, die nächstes Jahr von Besuchern der Olympischen Spiele in Griechenland als Souvenir erworben werden könnten.

Die Käufer müssen nicht befürchten, dass die guten Stücke schon alsbald wieder zu Staub werden. Die Stabilität der Objekte ist in einer Klimakammer bei Temperaturen zwischen minus 30 und plus 100 Grad geprüft worden; sie wurden auch einer Ultraviolettbestrahlung und einem Salzsprühtest unterzogen.

DPA
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