Filmtechnik Hollywood, bald völlig von der Rolle

Das Ende des Zelluloidfilms scheint besiegelt: Die großen Hollywoodstudios haben sich auf gemeinsame Standards für digitale Filmprojektion geeinigt. Bessere Bildqualität und geringere Kosten werden erhofft - und Raubkopierer gefürchtet.

Die Tage der guten alten Zelluloid-Filmrolle sind gezählt: Hollywoods einflussreichste Studios haben sich in langwierigen Verhandlungen auf technische Standards für die digitale Filmprojektion geeinigt. Cineasten wie George Lucas ("Krieg der Sterne") und James Cameron ("Titanic") begrüßten nach US-Medienberichten den "Durchbruch zum digitalen Kino".

Damit sei "ein bedeutender Meilenstein" auf dem Weg zur gründlichen Modernisierung des Kinos überall in der Welt erreicht, sagte Frank Pierson, der Präsident der US-Filmakademie, die alljährlich die Oscars vergibt. Die Filmindustrie verspricht sich von der Digitalisierung nicht nur neue technische und künstlerische Möglichkeiten wie etwa die 3D-Darstellung, sondern auch enorme Spareffekte.

"Star Wars"-Regisseur George Lucas würdigte die Einigung der Hollywood-Studios als "gewaltigen Schritt nach vorn". Das digitale Kino "wird auf der ganzen Welt die Art und Weise, wie Filme gemacht, gesehen und erlebt werden, revolutionieren", erklärte er. Lucas ist seit Jahren ein Vorreiter der Digitaltechnik in der Filmkunst.

Hohe Investitionen, große Einsparungen

Die Verwirklichung der digitalen Zukunftsträume, die mit erheblichen technischen Neuinvestitionen verbunden ist, soll allein in den US-Kinos in den nächsten Jahren mehr als drei Milliarden US- Dollar verschlingen (rund 2,5 Milliarden Euro). Dem stehen allerdings Einsparungen gegenüber: Die Kosten für Herstellung, Lagerung und Transport von Zelluloid-Kopien betragen in den USA pro Jahr rund 1,2 Milliarden Dollar. Die Vertriebskosten für Filme, die dann elektronisch auf die Vorführcomputer der einzelnen Kinos verteilt werden, sollen um 75 Prozent niedriger sein.

Doppelt so gut wie HDTV

Zu den Standards, auf die sich die Studios einigten, gehört die Bildauflösung, die etwa doppelt so hoch sein soll wie beim HDTV, der bislang als qualitativ bester Standard für hochauflösende digitale Fernsehgeräte gilt. Damit entschieden sich die Studios, die für ihre Pläne das Konsortium Digital Cinema Initiatives (DCI) gründeten, allerdings für eine preisgünstigere Alternative. Im Gespräch war auch eine vierfach größere Auflösung als beim HDTV.

Das Projizieren ist nicht das Hauptproblem

Der Durchbruch hing jedoch weniger an der Frage der Bildschärfe, als an Lösungen für das Problem der Filmpiraterie. Bei mehr als der Hälfte der Festlegungen des fast 180 Seiten langen Katalogs von Technikstandards für das Digital-Kino, dem die Studios nun zustimmten, geht es um die Verhinderung von Raubkopien.

DPA DPA

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