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Kopierschutz: Freispruch für "DVD-Kid" Jon

Der Norweger Jon Lech Johansen, der im Alter von 16 Jahren den DVD-Kopierschutz geknackt hatte, muss nicht ins Gefängnis.

Ein 19 Jahre alter Norweger, der den Kopierschutz bei Filmen im DVD-Format geknackt hat, ist in Oslo von einem Gericht in allen Anklagepunkten freigesprochen worden. Die führenden internationalen Filmgesellschaften hatten Jon Lech Johansen über ihre Branchenorganisation MPA (Movie Pictures Association) angezeigt, nachdem er als 16-Jähriger zusammen mit Freunden aus Deutschland und anderen Ländern die Verschlüsselung der DVD-Daten aufgehoben hatte. Dadurch konnten Filme auf DVDs durch nicht autorisierte Software abgespielt sowie von PC kopiert werden.

Entschlüsseln allein nicht rechtswidrig

Das Gericht erklärte in der Urteilsbegründung, die Entschlüsselung von Codes zur privaten Nutzung eines DVD-Produktes sei nicht rechtswidrig. Es lehnte auch die von der Anklägerin verlangte Konfiszierung von Johansens Computer sowie eine Geldstrafe und die Auferlegung der Verfahrenskosten ab.

Aus Frust den Code geknackt

Staatsanwältin Marie Sunde hatte am Eröffnungstag des Verfahrens die Aktionen Johansens und anderer im Internet als «Bandenkriminalität» bezeichnet. Auslöser für das Knacken der DVD-Codes war die Verärgerung des damaligen Schülers, dass die Industrie keine Software zum Abspielen von DVD-Filmen über das Betriebssystem Linux zur Verfügung stellte. Johansen entwickelte die Software mit dem Namen «DeCSS» nach der vor allem von deutschen Freunden betriebenen Entschlüsselung selbst und legte sie im Internet aus. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde das Programm von 5000 Nutzern auf deren Computer geladen.

Angeblich keine kommerziellen Interessen

Die Polizei hatte nach Hinweisen von Fahndern aus der Filmindustrie bei einer Haussuchung in der elterlichen Wohnung in Lardal in Westnorwegen Beweismaterial auf einem PC sichergestellt. Der junge Skandinavier arbeitete auch mit Gleichgesinnten aus den Niederlanden, Großbritannien und Russland zusammen. Er erklärte im Prozess, dass er dabei nicht die geringsten kommerziellen Interessen verfolgt habe. Nach Meinung der Staatsanwaltschaft hat er damit den Filmgesellschaften erheblichen Schaden zugefügt. Die Hersteller von DVD-Produkten reagierten auf die erfolgreichen norwegischen Hacker- Aktivitäten mit der Entwicklung eines neuen Verschlüsselungscodes.