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Luftfahrt: Boeing plant Bau von Luftschiffen

Fast genau sechs Jahre nach der Insolvenz des Cargolifter-Projektes in Deutschland will jetzt Boeing ein Lasten-Luftschiff bauen. Geplant ist eine Mischung aus Hubschrauber- und Luftschifftechnologien.

Von Gerhard Hegmann

Der größte US-Luftfahrtkonzern Boeing steigt in den Bau von Lasten-Luftschiffen ein. Gemeinsam mit dem privaten kanadischen Unternehmen Skyhook International ist die Entwicklung und der Bau von zunächst zwei Lasten-Luftschiffen geplant. Sie sollen jeweils 40 Tonnen Nutzlast bis zu 320 Kilometer weit transportieren können und etwa ab dem Jahr 2012 im praktischen Einsatz sein, sagte ein Boeing-Sprecher der FTD. Über die Entwicklungskosten werden keine Angaben gemacht.

Die Luftschiffe beruhen im Kern auf einem Patent der kanadischen Firma Skyhook. Es sieht eine Mischung aus Technologien eines Hubschraubers und eines Luftschiffs vor. Danach soll das gut 92 Meter lange und knapp 70 Meter breite Luftschiff nach der Befüllung mit Heliumgas selbst schweben können. Vier starke Hubschraubermotoren sollen dann die Nutzlast an Seilen anheben und transportieren.

Mit Boeings Einstieg in den Lasten-Luftschiffbau beschäftigt sich ein weiterer US-Luftfahrtkonzern mit der so genannten Leichter-als-Luft-Technologie. Bekannt sind auch Prototypen des Konzerns Lockheed Martin, der an einer Mischtechnologie aus einem Flugzeug und einem Luftschiff arbeitet sowie Pläne für unbemannte hochfliegende Aufklärungs-Luftschiffe verfolgt.

Das bislang bekannteste Projekt für ein Lasten-Luftschiff war der Bau des Cargolifter in Deutschland, das 2002 an Geldmangel scheiterte. Geplant war der Bau eines 260 Meter langen Luftschiffs, das bis zu 160 Tonnen Nutzlast transportieren sollte, also vier Mal so viel wie jetzt das Boeing-Projekt. Die Cargolifter-Entwickler verfolgten auch eine andere Technologie. So sollte beim Cargolifter CL160 nach dem Absetzen der Nutzlast als Gewichtsausgleich Wasser getankt werden.

Boeing seit Jahren interessiert

Boeing interessierte sich damals auch für das Cargolifter-Konzept und unterzeichnete 2002 eine Absichtserklärung über eine Zusammenarbeit. Der US-Konzern lehnte aber Investitionen in die börsennotierte Gesellschaft ab. Nach der Insolvenz der Cargolifter AG im Juni 2002 hoffen Luftschiff-Enthusiaten noch immer, dass über die Nachfolgegesellschaft Cargolifter KGaA und über einen Förderverein "Zukunft in Brand" eines Tages doch noch ein Lasten-Luftschiff zumindest im Auftrag der Gesellschaft gebaut wird. In der ehemaligen Luftschiffhalle von Cargolifter in Brand bei Berlin entstand inzwischen mit Tropical Island eine der größten europäischen Bade- und Saunalandschaften, die aber nach wie vor hohe Verluste schreibt.

Nach Angaben von Boeing soll das künftige Luftschiff JHL-40 (Jess Heavy Lifter) vor allem im Umfeld von Kanada und Alaska in der Öl- und Gasbranche zum Einsatz kommen. "Mit den Luftschiffen lassen sich Ausrüstungen auch in entlegene Gebiete umweltfreundlich transportieren", sagte ein Boeing-Sprecher. Der US-Konzern will die ersten beiden Luftschiffe in seiner Helikopter-Sparte im US-Bundesstaat Philadelphia bauen.

Weltweit gibt es seit Jahren immer wieder Ankündigungen und spektakuläre Visionen über neue Luftschiffprogramme. In der Praxis tatsächlich umgesetzt werden aber nur wenige Projekte. Das größte, derzeit im regulären Einsatz befindliche Luftschiff ist der in Friedrichshafen gebaute Zeppelin NT mit 75 Meter Länge. Ein Modell wurde jüngst in die USA für Passagierrundflüge rund um San Francisco verkauft und soll im Herbst geliefert werden. Der deutsche Zeppelin NT - von dem es vier Stück gibt - bekam im Juni auch die Zulassung der US-Luftaufsichtsbehörde. Damit ist praktisch der Markteintritt möglich.

FTD
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