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Luftfahrtgeschichte Boeing 737 fliegt ins Buch der Rekorde


Alle zehn Sekunden startet auf dem Globus eine Boeing 737. Der Kurzstrecken-Jet von Boeing wird von Fluggesellschaften als Arbeitspferd geschätzt. In Kürze wird das 5.000. Flugzeug ausgeliefert - Weltrekord.

Davon hatte vor vier Jahrzehnten niemand zu träumen gewagt. Kein Boeing-Manager, kein amerikanischer Flugzeugkonstrukteur und auch keiner der Lufthanseaten, die die Amerikaner buchstäblich zum Bau des Düsenverkehrsflugzeuges gedrängt hatten: Am 9. April 1967 hob die erste Boeing 737 zum Jungfernflug ab. Im Februar wird die 5000. Boeing 737 den Liniendienst bei Southwest Airlines aufnehmen. Dieser Twinjet wird gleichzeitig die 2000. Boeing 737 der neuen Generation sein - die moderne Version des großen amerikanischen Dauerbrenners.

Die Boeing 737 wurde Mitte der 60er Jahre auf der Basis des Rumpfquerschnitts der vierstrahligen Boeing 707 entwickelt, mit der die Amerikaner 1958 das Düsenzeitalter im Nordatlantikverkehr begonnen hatten. Die Maschine kam, weil Lufthansa die Zeichen der Zeit erkannt hatte. Denn Boeing wollte diesen Moneymaker eigentlich nicht oder wenigstens noch nicht bauen und musste buchstäblich zu seinem Glück gezwungen werden. Der verdienstvolle damalige Technikchef der Deutschen Lufthansa, Gerhard Höltje, überzeugte die Amerikaner, dass ein neuer Kurzstreckenjet gebraucht wird.

Verfehlte deutsche Industriepolitik

Die Geschichte der Boeing 737 ist auch ein Kapitel verfehlter deutscher Industriepolitik. 1957 hatte Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard zwar einen Wettbewerb für Verkehrsflugzeuge ausgeschrieben. Die Hamburger Flugzeugbau GmbH - heute Airbus - präsentierte den zukunftweisenden Entwurf HFB-314 mit 70 bis 80 Sitzen. Die Lufthanseaten, die sofort die großartigen Marktchancen dieses Flugzeuges erkannt hatten, empfahlen dringend dessen Bau. Doch das Projekt wurde zu Grabe getragen, weil Bonn keine Entwicklungsgelder bereitstellte - und HFB hatte kein Geld. Daraufhin bat die Lufthansa Boeing dringend, einen modernen Kurzstreckenjet nach ihren Vorstellungen zu bauen.

Am 19. Februar 1965, schon zwei Jahre vor dem Erstflug, wurde die Lufthansa Erstkunde und orderte gleich 21 Exemplare. Am 10. Februar 1968 trat die erste Boeing 737 mit dem Kranich am Heck ihren Liniendienst an. Ein neues Kapitel Luftverkehr hatte begonnen - und die deutsche Industrie hatte eine ganz große Chance verpasst.

Imponierende Metamorphose

In den vier Jahrzehnten, die seit den ersten Entwicklungsarbeiten vergangen sind, hat der "City-Jet" eine imponierende Metamorphose erlebt und sich im Laufe seines Daseins in ein ganz anderes Flugzeug verwandelt - und blieb sich letztlich doch immer treu: Ein zuverlässiges "Arbeitspferd". Die erste Boeing 737 konnte maximal 3440 Kilometer weit fliegen, hatte eine Spannweite von 28,34 Metern, war 28,57 Meter lang und bot 107 Passagieren Platz. Die neue Boeing 737-900 hat eine Spannweite von 34,30 Metern, ist 42,10 Meter lang und kann bis zu 189 Passagiere mehr als 5000 Kilometer weit befördern. Geräumigere Kabinen, wesentlich leistungsfähigere Triebwerke und moderne Technologie ermöglichten dieses faszinierende Metamorphose.

Zahlenspiele

Die Boeing 737 kostete vor 40 Jahren "nur" 3,2 Millionen Dollar. Die größte und teuerste heutige Boeing 737, die Boeing 737-900, kostet rund 70 Millionen Dollar. Und alle zehn Sekunden startet irgendwo auf dem Globus eine Boeing 737. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt, egal ob Tag oder Nacht, befinden sich weltweit über 700 Boeing 737 in der Luft. Und bestellt wurden bis heute bereits mehr als 6000 Boeing 737. Ein Ende des Erfolgs ist also nicht abzusehen.

Karl Morgenstern/DPA DPA

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