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Bluetooth-Tracker Lufthansa sorgt für Verwirrung bei Mitnahme von Airtags – und verkauft die Apple-Tracker im eigenen Shop

Eine Frau mit einem blauen Koffer, an dem ein Airtag hängt
Ey Mann, wo ist mein Koffer: Besonders an chaotischen Reisetagen kann ein Apple Airtag am Koffer beim Auffinden des Gepäcks helfen – aber ist das überhaupt erlaubt?
© Speck
Apple geht als klarer Gewinner aus dem chaotischen Reisejahr hervor. Denn gegen verlorene Gepäckstücke hat sich ein Airtag als praktische Lösung rumgesprochen. Schade, dass sich die Airlines uneins sind, ob die kleinen Bluetooth-Tracker überhaupt erlaubt sind.

Es herrscht Verwirrung an den Flughäfen dieser Welt. Allerdings nicht wegen einem Personalengpass oder zu vielen Reisegästen, sondern wegen eines kleinen Anhängsels an zahlreichen Koffern: den Apple Airtags. Die praktischen Bluetooth-Tracker haben sich nicht nur bei Influencerinnen wie Caro Daur als ständige Reisebegleiter etabliert, sondern auch bei vielen anderen Fluggästen.

Für die Airlines ist das spätestens am Schalter jedoch anscheinend ein Problem – denn es macht den Eindruck, als wisse niemand, ob die batteriebetriebenen Geräte überhaupt in den Frachtraum dürfen.

Lufthansa verbietet Airtags im Aufgabegepäck – oder doch nicht?

Gegenüber "Watson" beantwortete die Lufthansa die Frage wie folgt: "Gepäck-Tracker gehören in die Kategorie der Portable Electronic Devices und unterliegen damit den von der International Civil Aviation Organisation erlassenen Gefahrgut-Bestimmungen für die Beförderung in Flugzeugen. Dementsprechend müssen die Tracker aufgrund ihrer Sendefunktion ähnlich wie beispielsweise Handys, Laptops, Tablets etc. während des Fluges deaktiviert sein, wenn sie sich im aufgegebenen Gepäck befinden."

Das bestätigt die Lufthansa auch in einem Tweet, der als Antwort auf eine Rückfrage geschrieben wurde. Dort heißt es: "Die Lufthansa verbietet aktivierte AirTags im Gepäck, da sie als gefährlich eingestuft werden und ausgeschaltet werden müssen." Verwirrend: Der Blogger Alex Macheras schrieb parallel, dass ein Lufthansa-Sprecher ihm gesagt hätte, Airtags seien nicht verboten. Die Airline aber führte die Begründung sogar weiter aus.

Auf die Frage, warum ein Airtag denn gefährlich sei, heißt es: "Nach den ICAO-Richtlinien unterliegen die Gepäck-Tracker den Gefahrgutvorschriften. Außerdem müssen die Tracker aufgrund ihrer Sendefunktion während des Fluges deaktiviert werden, wenn sie sich im aufgegebenen Gepäck befinden und können daher nicht verwendet werden."

Dem stern liegt folgendes Statement der Lufthansa vor: "Die Lufthansa Group hat eine eigene Risikobewertung vorgenommen mit dem Ergebnis, dass Tracker mit sehr geringer Batterie- und Sendeleistung im aufgegebenen Gepäck kein Sicherheitsrisiko darstellen. Wir haben nie ein Verbot für solche Geräte ausgesprochen. Es ist an den Behörden, die Vorschriften anzupassen, die derzeit die Verwendung dieser Geräte für Fluggäste im aufgegebenen Gepäck beschränken. Wir stehen in engem Kontakt mit den entsprechenden Institutionen, um so schnell wie möglich eine Lösung zu finden."

Die Batterie ist nicht das Problem – aber was dann?

In vielen Berichten und Kommentaren in den sozialen Medien ist die Rede von Gefahren, die sich durch die Batterie im Frachtraum ergeben könnten. Tatsächlich bezieht sich die Lufthansa aber nicht darauf. Das hätte auch keinen Sinn, denn die CR2032-Knopf­zellenbatterie, die ein Airtag betreiben, sind im Aufgabegepäck erlaubt, sofern sie sich in einem ausgeschalteten Gerät befinden und es keine Powerbank ist. Das ist auch den Gefahrgutvorschriften der International Air Transport Association (IATA) zu entnehmen.

Es muss als die Sendeleistung des Trackers sein, an der sich die Airline stört. Bei Airtags ist das ein Problem, denn die Geräte lassen sich nur vollständig abschalten, wenn man die Batterie entfernt. Die Batterie darf man dann allerdings nicht in den Aufgabekoffer packen, sondern muss sie im Handgepäck transportieren – lose Batterien sind im Frachtraum verboten.

AirTag von Apple

Was genau an der – äußerst schwachen – Sendeleistung für die Lufthansa ein Problem darstellt, ist unklar – und wird durch die Airlines auch nicht weiter ausgeführt. Die US-Sicherheitsbehörde TSA schreibt auf Twitter, dass die Geräte in allen Gepäckarten erlaubt sind. Und im Statement, dass dem stern vorliegt, stellt ein Airtag auch trotz der Sendeleistung kein Problem dar.

Es fehlt eine Begründung – und der Verkauf geht weiter

Das führt dazu, dass die Lufthansa aktuell stark kritisiert wird und offenbar nicht in der Lage ist, die Unklarheiten aus der Welt zu schaffen. Medien wie "Apple Insider" beschuldigen die Airline, die Richtlinien nicht genau gelesen zu haben. Die Lufthansa verweist aber auf genau diese Richtlinien.

Und so muss sich die Airline derzeit Vorwürfe gefallen lassen, das Verbot sei Willkür – oder schlimmer noch: böse Absicht. Denn das Kofferchaos an den Flughäfen setzt sich augenscheinlich unvermindert fort – und Kunden, die wissen, wo das Gepäck ist, scheinen zur Last zu werden. Ein Mitarbeiter in der Gepäckabfertigung Frankfurt schreibt bei Twitter: "Als jemand, der derzeit in der Gepäckabteilung der Heimatbasis der Lufthansa arbeitet, kann ich Ihnen sagen, dass Airtags (oder ähnliche Geräte) ein sehr nützliches Instrument sowohl für die Passagiere als auch für das Flughafenpersonal sind. Es ist die Fluggesellschaft, die sich nicht mit den bereitgestellten Informationen befassen will."

Passagieren, die sich nicht an die Regeln halten, droht im Ernstfall der Verlust des Trackers. Wie bei Powerbanks und anderen verbotenen Gegenständen auch, kann es passieren, dass nach Ankunft am Ziel ein Zettel im Koffer zu finden ist, der auf die Entfernung und Vernichtung der Fundstücke hinweist. Ein wenig Klarheit wäre dementsprechend wohl für alle Seiten wünschenswert – zumal die Lufthansa die Airtags ohne Warnhinweis im eigenen Online-Shop verkauft. Immerhin: Gegenüber "Inside Digital" erklärte ein Sprecher der Lufthansa, dass man zusammen mit anderen Airlines bei der ICAO angeregt habe, die Bestimmungen für Geräte wie Airtags zu ändern. Das stimmt mit dem Statement gegenüber dem stern überein.

Quellen: TSA Twitter, IATA, Watson, Apple Insider, Twitter Jakob Wert, Inside Digital, Twitter Alex Macheras

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