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Professor schildert Treffen Milliardäre als Prepper: Wie sich Superreiche auf die Apokalypse vorbereiten

Abgebildet ist ein Autoentsorgungshof in Hamburg Bergedorf. 
Für eine mögliche Apokalypse gibt es viele Szenarien. Nicht wenige Menschen weltweit bereiten sich auf einige davon vor. Abgebildet ist ein Autoentsorgungshof in Hamburg Bergedorf. 
© Christian Ohde/ / Picture Alliance
Nicht nur Reichsbürger und andere Verschwörungstheoretiker bereiten sich auf den drohenden Weltuntergang vor, auch extrem reiche Geschäftsleute planen für das Leben nach der Apokalypse. Und entwickeln Strategien, wie sie ihre Macht erhalten, wenn Geld nichts mehr wert ist.

Eigentlich hatte Douglas Rushkoff damit gerechnet, vor rund 100 Investment-Bankern über "die Zukunft der Technologie" zu referieren. Schließlich hatte man ihn extra in eine luxuriöse Hotelanlage eingeladen und ihm die größte Gage angeboten, die er jemals für eine Rede bekommen hatte. Etwa die Hälfte seines Jahresgehalts, wie der Autor und Professor mit den Schwerpunkten Medien und Technologie im Guardian berichtet. Doch vor Ort stellte Rushkoff schnell fest: Sein Publikum würde heute lediglich aus fünf Personen bestehen, genauer: aus fünf superreichen Männern aus der obersten Elite der Hedge-Fonds-Welt. Und die wollten auch nichts von seinem Vortrag hören. Sie hatten eigene Fragen dabei.

Bei den fünf Herren handelte es sich um sogenannte Prepper, also Menschen, die sich für eine mögliche Apokalypse wappnen. Der Name leitet sich von englisch to be prepared, vorbereitet sein, ab. Prepper bauen Bunker, horten Lebensmittel, Schutzkleidung, Werkzeug, Funkgeräte und nicht selten Waffen und Munition. Wie die Welt untergeht, ist dabei unerheblich. Ob nun ein Atomkrieg, der Zusammenbruch des Ökosystems, massive soziale Unruhen oder ein unaufhaltsamer Virus. Das einzige, was zählt: darauf vorbereitet sein. 

Bei Preppern denkt man zunächst an Reichsbürger oder andere Verschwörungstheoretiker. Aber preppen ist natürlich kein günstiges Hobby - und daher geradezu prädestiniert für Menschen mit zu viel Geld. Reid Hoffmann, Mitgründer von LinkedIn, schätze bereits 2017 im "New Yorker", dass mehr als 50 Prozent der Milliardäre im Silicon Valley sich einen Bunker oder ähnliches als "Apokalypsen-Versicherung" zugelegt haben.

Was den reichen Preppern wichtig ist

Von den fünf Preppern aus der von Rushkoff geschilderten Begegnung baute einer gerade sein eigenes unterirdisches Bunkersystem, ein anderer wollte unbedingt wissen, ob es tatsächlich bald möglich sei, das menschliche Gehirn mit Computern zu verbinden und den Verstand so über den Tod des Körpers hinaus weiterleben zu lassen. Aber zwei elementare Fragen für das bestmögliche Verhalten nach dem "Ereignis", wie sie es nannten, beschäftigten die fünf Männer am meisten.

Zum einen wollten sie wissen, wo sie ihre Vorbereitungen treffen sollten. "Welche Region wird weniger stark von der kommenden Klimakrise getroffen werden: Neuseeland oder Alaska?" Wie Rushkoff darauf geantwortet hat, schreibt er nicht. Aber diese Frage beschäftigt die reiche Prepperszene schon länger. Reid Hoffmann nannte im "New Yorker" ebenfalls Neuseeland als eines der begehrtesten Ziele für die gut betuchten Prepper aus dem Silicon Valley. 

Ein Artikel auf "Forbes" vom vergangenen Sommer stellte ein USA-Kartenmodell der Zukunft vor, auf dem weite Teile der Küsten unter Wasser liegen. Daher würden extrem reiche Menschen derzeit viel Grund im Landesinneren von Amerika aufkaufen und dort Schutzkeller für die mögliche Apokalypse bauen. Der "Business Insider" berichtete, Immobilienfirmen reagierten auf die Nachfrage und boten mittlerweile luxuriöse Bunker für bis zu drei Millionen US-Dollar an. In den teils mehrstöckigen Untergrundschutzräumen hätten auch gepanzerte Fahrzeuge Platz und es gebe riesige Stauräume für Wasser und Nahrung.

Der Machterhalt nach der Apokalypse

Zum anderen interessierten sich die fünf Reichen aus Rushkoffs Artikel für den Machterhalt nach dem Zusammenbruch. Im Moment könnten sie natürlich einfach bewaffnete Sicherheitsleute einstellen, die ihre Festungen im schlimmsten Fall gegen den wütenden Mob verteidigen. Doch mit der Welt gehe ja auch das Geldsystem unter und sie würden ihre überlegene Position verlieren. Die Milliardäre hätten daraufhin diskutiert, die Essensvorräte in speziellen Safes zu lagern, die mit Schlössern gesichert werden, zu denen nur sie die Kombination hätten. Oder sie würden von allen Wachmännern verlangen, "disziplinierende Halsbänder irgendeiner Art" zu tragen - was genau sie damit meinen, wird nicht weiter ausgeführt. Am einfachsten aber wäre es, wenn bis zum "Ereignis" die Technologie weit genug fortgeschritten wäre, damit Roboter die Anlagen bewachen könnten.

Rushkoff, der eigentlich ja über die Zukunft der Technologie sprechen wollte, zieht in seinem Text ein sehr ernüchterndes Fazit von seinem Treffen. Statt mit all ihrem Geld und den Fortschritten im technischen Bereich die Welt zu einem besseren Ort zu machen, versuchten die fünf Herren eher, sich vor den Gefahren des Klimawandels, der steigenden Meeresspiegel, der Massenmigration und von globalen Pandemien zu schützen. "Für sie geht bei der Zukunft der Technologie tatsächlich nur um eines: flüchten."


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