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Roboterhund: Kicken um Aibos Erbe

Fußball spielende Roboterhunde scheinen zwar ein Spaß von Ingenieuren zu sein, doch mit ihrer Neuentwicklung hoffen die Forscher der Technischen Universität Darmstadt auf grundlegende Erkenntnisse - und viel Geld.

Eher hölzern läuft der Vierbeiner über den grünen Kunstrasen. Mit seinen Vorderpfoten trifft er den kleinen orangen Ball dennoch problemlos - verfehlt dann aber das gegnerische Tor. Was bei der Vorführung wie ein simples Spiel aussieht, ist in Wirklichkeit modernste Technik. Der an der Technischen Universität Darmstadt entwickelte Kicker ist der erste deutsche Roboterhund, der sich ohne Fernsteuerung fortbewegt und Entscheidungen nicht nur auf dem Fußballfeld autonom trifft. Er kann drahtlos mit Mitspielern kommunizieren, eine Kamera in der Schnauze dient als künstliches Auge und im Kopf ersetzt ein Computer das Gehirn.

Die 40 Zentimeter lange und 30 Zentimeter hohe, derzeit noch namenlose Maschine, soll Nachfolger des Roboterhundes Aibo werden, der vor allem durch den Roboterfußball bekannt geworden ist. Dass dies gelingt, davon ist Oskar von Stryk, Leiter des Fachgebiets Simulation, Systemoptimierung und Robotik an der Universität, überzeugt. "Wir haben eine leistungsfähige Entwicklung, die mit einem Stückpreis von 3500 Euro auch bezahlbar ist." Der mit allerlei Messgeräten ausgestattete Vierbeiner solle noch in diesem Jahr als Bausatz verkauft werden.

Wettkampf um Aibo-Nachfolge

Zunächst muss sich der silber-graue Metallhund mit rotem Rücken aber am 7. Juli bei der Roboter-Fußballmeisterschaft Robo Cup in Atlanta (USA) mit drei Konkurrenten aus Japan, Frankreich und Australien messen. Nur einer von ihnen wird der von der internationalen Fachwelt anerkannte Nachfolger des Aibo. Dieser wurde fast neun Jahre lang von Sony vertrieben und weltweit rund 150.000 Mal verkauft. Forscher schätzten ihn als Titelgarant bei mehreren Roboter-Fußball-Weltmeisterschaften, für wohlhabende Privathaushalte war es ein 2099 Euro teures Spielzeug. "Vierbeiner sprechen Menschen auch emotional viel besser an als menschenähnliche Zweibeiner", sagte der Darmstädter Wissenschaftler, der fest an den wirtschaftlichen Erfolg seiner Entwicklung glaubt. In Atlanta gehe es aber zunächst vor allem ums Prestige, betont Uni-Sprecher Wolf Hertlein.

Nachdem der Elektronikkonzern Sony die Produktion des Aibo aus Kostengründen 2006 einstellte, schrieb die Robo Cup Federation einen Wettbewerb um eine vergleichbare Roboter-Plattform international aus. Die Entscheidung über das Nachfolgermodell wird nach den Worten von Stryks spätestens im August getroffen. Der Gewinner wird dann schon im nächsten Jahr beim Robo Cup auf Torjagd gehen. Selbstverständlich haben die zumeist aus Hochschulen stammenden Mannschaften nicht alle identische Spieler: "Die Hardware ist gleich, aber die selbst programmierte Software entscheidet, ob der Roboter auf Kreisklasse- Niveau spielt oder Weltmeister wird", sagt von Stryk.

Fußball zur Grundlagenforschung

Für die Forscher ist das Fußballspiel freilich nur ein angenehmes Mittel zum Zweck. "Wir betreiben Grundlagenforschung, um Eigenschaften von Intelligenz in technischen Systemen umsetzen können", sagt von Stryk. Um Intelligenz zu verstehen, sei ein Körper notwendig. Und je mehr unabhängig steuerbare Bewegungsfreiheitsgrade ein Körper habe, desto höhere Intelligenz sei notwendig. Die Forscher wetteifern nun um Roboter, die möglichst komplexe Aufgaben selbsttätig lösen. "Und zwar in einer Umgebung, die sich ständig ändert. Dort muss er sich selbstständig anpassen können."

Harald Schmidt/DPA / DPA