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Schäppchen: Brennende Bügeleisen

Vor billigen Elektroartikeln aus Asien hat das Prüfinstitut des Verbandes der Elektrotechnik (VDE) gewarnt. Die Hälfte aller geprüften Produkte sind gefährlich und fallen bei einer Prüfung durch.

Ungeeignetes Material und schlechte Sicherheitstechnik seien die gefährlichsten Schwachpunkte, wie das Institut in Offenbach berichtete. "Schnäppchenjagd kostet Sicherheit", erklärte der Geschäftsführer Wilfried Jäger. Sorge macht den Fachleuten, dass aus China verstärkt Elektroartikel mit gefälschtem VDE-Zertifikat auf den hiesigen Markt kämen. Die Zahl der Missbrauchsfälle habe sich verdreifacht, berichtete das Institut. Es will unter anderem mit dem Aufbau einer Qualitätskontrolle für Hersteller in China gegensteuern.

Die Prüfer bemängelten vor allem ungeprüfte Wasserkocher, Bügeleisen, Kaffeemaschinen und Toaster, die sämtlich im Handel erhältlich sind. Auch im Auftrag von Warenhäusern und Herstellern getestete Geräte entsprachen häufig nicht den Anforderungen. Im ersten Anlauf fielen die Hälfte der 100.000 Produkte durch. Im Vergleich zu 2005 blieben die Zahlen unverändert.

Harte Sicherheits-Tests

Wer das begehrte Prüfsiegel ergattern will, muss langläufige Tests durchlaufen. Aus und an, aus und an, im 30-Sekunden-Takt, zwei Wochen am Stück - so sieht ein Härtetest für Lichtschalter aus. "Das übliche Lebensalter von zehn Jahren schafft er hier in ein paar Tagen. Oder auch nicht", sagt Bernd Beutel, Chef der Schalterprüfanlage im VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut. Gibt der Schalter früher den Geist auf oder zeigt er Macken, ergeht es ihm wie rund der Hälfte der 100.000 pro Jahr in Offenbach getesteten Produkte: Sie gelten als unsicher. Die Ingenieure verweigern das Prüfzertifikat und das bekannte VDE-Prüfzeichen. Im simulierten Alltag darf sich "nichts so verändern, dass es gefährlich wird."

China liefert die meisten Billigprodukte

Jeden Tag durchlaufen an die 70 neue Elektroprodukte die Sicherheitschecks. Das Spektrum der von Herstellern und Handel aus aller Welt eingereichten Geräte reicht vom winzigen Computerbauteil bis hin zu Waschmaschinen und Toastern. Die Liste der entdeckten Mängel ist lang. An der Spitze stehen Billigprodukte aus Asien, vor allem aus China. Die Prüfer monieren fehlerhafte Konstruktionen und schlechtes Material an Kabeln und Kontakten sowie mangelhafte Sicherungen. Im schlimmsten Fall drohen Brände und Explosionen sowie elektrische Schläge. Nach den deutschen stellen chinesische Unternehmen die größte Gruppe der insgesamt 7000 Kunden des Instituts weltweit. Das Institut beschäftigt rund 500 Mitarbeiter. Rund 400 in der Zentrale in Offenbach und 100 in Asien.

dpa/ts / DPA