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Schutz-Skianzug "Protect": Gepanzert auf die Skipiste

Skifahren macht Spaß, ist aber nicht ungefährlich. Jede rasante Abfahrt kann auch mit schmerzhaften Stürzen enden. Der sich automatisch verhärtende Skianzug "Protect" soll Verletzungen verhindern. Ein stern-Redakteur hat sich zum Test die Piste hinuntergestürzt.

Von Christian Ewers

Vollgas, mit Tempo 100 den Berg hinab, ja, stauben muss der Schnee - so wie bei den Profis im Fernsehen. Einmal König der Piste sein, das wär's! Sesselliftfantasien, die man mitnimmt auf den Berg als Hobby-Skifahrer, morgens, noch schlaftrunken. Oben auf dem Gipfel dann das Erwachen: Blick auf die vereiste Abfahrt. Wind, Nebel, schlechte Sicht. Tempo 100? Pistenkönig? "Schön langsam", hört man sich sagen, "schön langsam und bloß nix brechen."

Skifahren ist Kampf gegen die Angst. Das gibt selbst mancher Profi zu. Dieser Kampf kämpft sich leichter, wenn man weiß, dass man seiner Ausrüstung trauen kann. Dass man geschützt ist, wenn's einen hinhaut. Ein bisschen jedenfalls. Und genau dieses Gefühl soll "Protect" vermitteln, der neue Skianzug von Schöffel. Vier Protektoren stecken in der Hose, drei in der Jacke. Das sind herausnehmbare, schnitzelgroße Kunststoffteile, die in eingenähten Kammern liegen. Die orangefarbenen Lappen haben es in sich: Bei abrupten Schlägen versteifen sie sich, werden zu harten Platten und federn so den Aufprall des stürzenden Skifahrers ab.

Intelligente Moleküle sind da am Werk, die sich blitzartig miteinander verbinden. "d3o", so heißt das in England entwickelte Material, reagiert innerhalb eines Sekundenbruchteils - und kehrt nach dem Crash in seinen weichen Zustand zurück.

Skijacke (circa 700 Euro) und Hose (etwa 300 Euro) liegt ein kleines Töpfchen mit der angeblich intelligenten Mischung bei, sodass man sie auch abseits der Piste testen kann. Das ging allerdings im stern-Test daneben: Beim Schlag mit dem Hammer blieb das Material butterweich. Die Entzauberung der schlauen Skijacke? Nein. Man braucht einfach mehr von der zähen Masse, als der Hersteller mitliefert. Mit einer tennisballgroßen Menge gelingt's: Ein Hieb auf die softe Paste - und tatsächlich spürt man einen kräftigen Widerstand.

Auch im Praxistest auf der Piste beweisen die Moleküle Nehmerqualitäten. Schöner stürzen - das klappt tatsächlich bei kleineren Flugnummern. Besonders der Schulter- und Armbereich, nach dem Knie die verletzungsanfälligste Körperzone des Wintersportlers, ist gut gepolstert. Der Seitenaufprallschutz funktioniert; im Vergleich mit einem normalen Skianzug fällt es sich spürbar weicher. Dennoch: Man sinkt nicht auf ein Wattekissen nieder. So eine Serie von zehn bis fünfzehn leichten Crashs malt einem schon ein paar blau-grüne Flecken auf die Schenkel. Ob sich der Anzug auch bei einem heftigen Sturz schön hart macht, muss leider unbeantwortet bleiben. Solche Stunts traute sich der stern-Tester dann doch nicht zu.

Ein großes Plus der Skikombi ist ihr Tragekomfort. Nur der Steißbein-Protektor am Hosenboden ist gewöhnungsbedürftig. Wenn man sich im Lift auf die kalten Lappen setzt, fühlt es sich an, als habe man sich einen nassen Hintern im Schnee geholt. Beim unfallfreien Fahren bleiben die Gummischnitzel friedlich, sie machen jede Bewegung mit und schmiegen sich unauffällig an den Körper. Und das ist wichtig in der Skiszene, wo Style im Zweifel über Sicherheit geht. Helme haben sich auch erst auf den Pisten durchsetzen können, seit sie ihr kürbishaft-wuchtiges Design verloren haben und chromblitzend-windschnittig daherkommen.

Etwas weniger wuchtig hätten die Schulterpolster der Jacke ausfallen dürfen; man sieht obenrum schon ein bisschen aus wie ein Bodybuilder. Immerhin drängelt es sich gut mit dem falschen breiten Kreuz. Morgens in der Schlange am Sessellift, wenn man es eilig hat, weil doch heute der Tag ist, an dem man König der Piste wird. Ganz bestimmt.

Am Dienstag lesen Sie hier: Die Erlösung für die pistengeplagte Füße - Wie Ski-Schuhe nach Maß angefertigt werden.

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