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Svinesund-Brücke: Geschwind über den Sund

Mit einem königlichen Gipfeltreffen in luftiger Höhe ist die neue Svinesund-Brücke an der Grenze zwischen Norwegen und Schweden eingeweiht worden. Das Bauwerk hält einen Rekord.

Die beiden Königsfamilien aus Schweden und Norwegen haben die 704 Meter lange Brücke über den Svinesund als neue Verbindung zwischen beiden Ländern eingeweiht. Nach einem Volksfest sowie einem Mini-Marathon mit mehren zehntausend erwarteten Besuchern und Teilnehmern am Wochenende soll von Montag an der bisherige "Flaschenhals" zwischen beiden Ländern Vergangenheit sein. Die neue Brücke soll die Verkehrsprobleme zwischen beiden Ländern lösen, da die derzeitige Überquerung ständig verstopft ist. Mehr als 15.000 Fahrzeuge täglich nutzten bisher die alte Brücke, die 1946 eröffnet wurde. Die neue Brücke ist ein gemeinsames Projekt der Verkehrsbehörden beider Länder.

Zur Eröffnung des umgerechnet 150 Millionen Euro teuren Baus trafen sich der norwegische König Harald V. und sein schwedischer Kollege Carl XVI. Gustaf auf der Brückenfahrbahn in 55 m Höhe. Die beiden Könige enthüllten eine steinerne Skulptur in der Form von zwei Händen und reichten sich unter dem Applaus von Würdenträgern und Geschäftsleuten die Hände.

Vor genau hundert Jahren waren beiderseits des Svinesund Kanonen der Nachbarländer gegeneinander gerichtet, als Norwegen einseitig die wenig geliebte Zwangsunion mit Schweden auflöste. Mehrere Monate drohte Krieg. Das Norweger Parlament "Storting" hatte am 7. Juni 1905 die Union mit Schweden mit dem dortigen König Oscar II. an der Spitze einseitig beendet. Neuer Regent in Norwegen wurde danach der aus Dänemark gekommene König Haakon VII. (1872-1957), der Großvater von Harald. Bei der Zustimmung zum Brückenneubau hatte das Storting zur Bedingung gemacht, dass die Eröffnung als Teil der 100-Jahrfeiern von Norwegens staatlicher Unabhängigkeit stattzufinden habe.

Endlose Wartezeiten sollen der Vergangenheit angehören

Die heute täglich 16.000 Autofahrer in beide Richtungen, darunter im Sommer auch jede Menge deutscher Urlauber, denken nach der Freigabe für den Verkehr Anfang nächster Woche vielleicht eher an endlose Wartezeiten auf der alten zweispurigen Brücke.

Vor allem wegen der Zeit raubenden Zollabfertigung von Lkw staute sich der Verkehr an dieser vor 50 Jahren gebauten Grenzbrücke ohne die geringste Ausweichmöglichkeit manchmal bis zu 70 km. Das mag Bewohner von Millionenstädten in den Ballungszentren der Welt normal vorkommen, im dünn besiedelten Skandinavien und noch dazu in dieser völlig einsamen Grenzregion trieben die vielstündigen Wartezeiten so manchen Norweger und Schweden an den Rand des Wahnsinns.

Die Zollkontrollen für Warenlieferungen gibt es auch in Zukunft, weil Schweden zur EU gehört, Norwegen aber nicht. Wegen großzügig angelegter Abfertigungsanlagen und der vier Fahrbahnen können nun aber vor allem die Norweger bei ihren Einkaufstouren ins wesentlich billigere Schweden ungehindert das lachsreiche Grenzgewässer überqueren. Beide Länder kommen damit ihrem Ziel einer durchgehenden Autobahnverbindung zwischen Oslo und dem 300 km entfernten Göteborg an Schwedens Westküste ein gutes Stück näher.

Refinanzierung in 15 bis 20 Jahren

Die Kosten von umgerechnet 150 Millionen Euro mit der deutschen Bilfinger Berger AG (Mannheim) an der Spitze des Baukonsortiums sollen durch Mautgebühren von umgerechnet 2,25 Euro in 15 bis 20 Jahren komplett wieder eingefahren sein. Danach, so haben es die Regierungen in Oslo und Stockholm versprochen, werde die Brückenüberquerung nichts mehr kosten.

Als Besonderheit verweisen die Verantwortlichen darauf, dass ihr Neubau über dem Fjord nur von einem Bogen zwischen den Fahrbahnen getragen wird. Mit einer Spannweite von 247 Metern soll es sich dabei um die größte Ein-Bogen-Brücke der Welt handeln. Mit 36 Monaten Bauzeit wurde eine ganz wichtige Vorgabe des norwegischen Parlaments eingehalten: Die neue Svinesund-Verbindung sollte genau zum 100. Jahrestag der staatlichen Lösung von Schweden fertig sein.

DPA/AP / AP / DPA