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Zeitumstellung: Die Uhr, die nie falsch tickt

Nachtschwärmer und Langschläfer können sich freuen: An diesem Wochenende steht ihnen die längste Nacht des Jahres bevor. Hinter der Umstellung der Zeit steckt aber ein komplexer technischer Prozess, der von Braunschweig seinen Ausgang nimmt.

Wenn am frühen Sonntagmorgen die Funkuhren an Bahnhöfen und auf den Nachttischen ihre Zeiger automatisch eine Stunde zurückdrehen, bekommen die meisten Bundesbürger vom Ende der Sommerzeit wohl nichts mit und träumen stattdessen. Hinter dem Zeigerdreh von Geisterhand steckt aber ein komplexer technischer Prozess, der von Braunschweig seinen Ausgang nimmt.

Eine Sekunde Abweichung in 30 Millionen Jahren

Denn in der dortigen Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) stehen Atomuhren, die für alle Funkuhren in Deutschland den Takt vorgeben und in Sachen Genauigkeit keine Wünsche offen lassen. "Sie berechnen die Zeit auf 15 Stellen hinter dem Komma genau. Eine Sekunde Abweichung kann theoretisch etwa alle 30 Millionen Jahre vorkommen", erklärt der Leiter des zuständigen PTB-Fachbereichs, Ekkehard Peik.

Übertragen wird die Zeitinformation von einem Langwellensender namens DCF77 der Deutschen Telekom. Laut Bundesanstalt können in einem Umkreis von 2.000 Kilometern rund um den Standort des Senders in Mainflingen bei Frankfurt am Main alle Funkuhren im öffentlichen und privaten Bereich das Signal empfangen und entsprechend verarbeiten. So etwa auch die rund 120.000 Uhren auf Bahnhöfen, in Arbeitsräumen und Steuerungsanlagen der Deutschen Bahn, die am Sonntagmorgen um 02.59 Uhr und 59 Sekunden als nächstes wieder 02.00 Uhr anzeigen werden. Rein technisch wird nach Peiks Worten der Wechsel schon etwa eine Stunde früher per Signal angekündigt, so dass die Geräte - je nach Komplexität - auf den bevorstehenden Zeitsprung automatisch vorbereitet werden.

Was ist Zeit?

Physiker standen seit jeher vor dem Problem, Zeit eindeutig zu definieren. Die Ableitung der Zeit von der Dauer der Erdumdrehung war ihnen jedenfalls nicht genau genug, weil sich die Erde gar nicht so gleichmäßig um sich selbst dreht, wie man glaubt. Seit 1967 gilt daher international eine atomphysikalische Definition von Zeit. Eine Atomuhr misst den Zeittakt aus den Schwingungen von Caesiumatomen. Physiker leiten von diesen speziellen Schwingungen die Länge einer Sekunde ab, die etwa dem 86.400. Teil des mittleren Sonnentags entspricht. Wer unbedingt sehen möchte, ob sich die eigene Funkuhr tatsächlich von selbst umstellt, kann gegen 03.00 Uhr (Sommerzeit) aber auch eine herbe Enttäuschung erleben, weil sich einfach nichts tut. Denn je nach Leistungsfähigkeit der Uhr synchronisiert sich das Gerät möglicherweise erst am Morgen, wie Fachmann Ekkehard Peik weiß. Für die Bundesanstalt ist eine Zeitumstellung bloße Routine. Seit Einführung der Sommerzeit 1980 sei noch nie etwas schiefgegangen.

Auch für die Deutsche Bahn ist die Zeitumstellung längst kein Problem mehr. Rund 50 Fernreisezüge sind in der Nacht unterwegs. Sie werden auf einem nahegelegenen Bahnhof eine Stunde stehen. Die Reisenden bemerken davon in der Regel nichts - die meisten verschlafen die Umstellung im wahrsten Sinne des Wortes.

ap/dpa/ts