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Zeitumstellung: Ein kleiner Fingertipp und die Sommerzeit kann beginnen

Jedes Jahr werden zweimal die Uhren umgestellt: Einmal auf die Sommer- und einmal auf die Winterzeit. Doch wer sorgt dafür, dass all die Funkuhren dann auch wieder richtig ticken?

In der Nacht zum Sonntag wird die Zeit wie an keinem anderen Tag im Jahr wie im Fluge vergehen. Um Punkt 1.59 Uhr wird vom Sender DCF 77 in Mainflingen bei Frankfurt das Signal für die Sommerzeit ausgestrahlt. Wie von Geisterhand werden dann alle privaten und öffentlichen Funkuhren statt auf 2.00 auf 3.00 Uhr springen. Während die Menschen die fehlende Stunde Schlaf mit Kaffee, Spaziergängen und anderen Tricks verkraften müssen, ist die Zeitumstellung technisch kein Problem. "Es hat noch nie eine Panne gegeben", sagt Jens Simon, Sprecher der Physikalisch Technischen Bundesanstalt (PTB/Braunschweig).

Kleine Programmierung

PTB-Mitarbeiter Dirk Piester hat die Zeitumstellung bereits am 13. Februar mit einem kleinen Fingertipp in den Computer der impulsgebenden Atomuhr in Mainflingen programmiert. Diese ist wiederum mit einer der Atomuhren in der Braunschweiger PTB verbunden. Über den Sender DCF 77 wird damit dafür gesorgt, dass die ungezählten Funk-Wecker in deutschen Haushalten automatisch die neue Zeit anzeigen.

Genaue Zeitangaben sind wichtig

Seit 23 Jahren werden die Uhren nun schon am letzten Wochenende im März von der normalen Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) auf die Sommerzeit umgestellt. Als die Bundesregierung bereits 1978 die Braunschweiger Bundesanstalt als gesetzlichen Hüter der Zeit bestimmte, hatte sie aber wohl anderes im Sinn als pünktliches Wecker-Klingeln. "Nicht nur die Bahn AG, auch zahlreiche andere Wirtschaftsunternehmen sind ebenso wie die Rundfunkanstalten auf eine genaue Zeitangabe angewiesen", erläutert Simon. Telefon- und Energieanbieter erstellen damit ihre Tarifdaten; Kraftwerke, Flugsicherung und verschiedenste Produktionsanlagen empfangen ebenfalls DCF 77.

"Grüne Welle" auch bei Zeitumstellung

"Die PTB schätzt, dass auch rund 50 000 Ampelanlagen im Bundesgebiet mit den Signalen synchronisiert werden", sagt Piester. Nur so funktioniere eine "grüne Welle". Ein einheitliches Zeitsystem, in dem nur die unterschiedlichen Zeitzonen berücksichtigt werden müssen, ist gerade im elektronischen Zeitalter auch weltweit unverzichtbar - zum Beispiel für internationale Börsengeschäfte.

Bahn hat die meisten Funkuhren

Die meisten Funkuhren besitzt wahrscheinlich die Deutsche Bahn AG: Rund 120 000 Zeitmesser werden bundesweit in Bahnhöfen, Diensträumen und Automaten automatisch umgestellt. Rund 50 Fernreisezüge sind zur besagten Stunde unterwegs. Die Bahn geht davon aus, dass sie dank großzügiger "Zeitpuffer" in den Fahrplänen ohne Verspätung in den Bahnhöfe einrollen werden.

Anita Pöhlig / DPA
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