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Turtle Beach VelocityOne Flight Das Mini-Cockpit für virtuelle Konsolenpiloten im Test

Der TurtleBeach VelocityOne Flight richtet sich an Simulationspiloten, die es ernster mit der Fliegerei vor dem Bildschirm meinen - selbst wenn sie auf der X-Box-One "fliegen".
Der TurtleBeach VelocityOne Flight richtet sich an Simulationspiloten, die es ernster mit der Fliegerei vor dem Bildschirm meinen - selbst wenn sie auf der X-Box-One "fliegen".
© Hersteller
Wer den Microsoft Flight Simulator 2020 auf der X-Box One "fliegt" und ein echtes Cockpitgefühl erleben möchte, sollte sich diesen Controller anschauen - und tief in die Tasche greifen. Ein Test auf X-Box und X-Plane.

Totgesagte leben dann eben doch länger, der Flugsimulator zum Beispiel. Nur in den 90er Jahren waren die Zeiten für virtuelle Piloten besser als heute. Neben dem “Flight Simulator” von Microsoft versorgten die Militärluftfahrt-Experten wie Microprose, Digital Integration, Janes und Dynamix  für stets frischen Nachschub bei Luftkampf Simulationen.

Ausgerechnet als die Rechner schneller und die Grafik hätte besser werden können, brach der Hype ab. Der “Flusi”, wie Fans ihre Software gern liebevoll nennen, war so gut wie tot, bis Microsoft vor zwei Jahren das Genre nicht weniger als revolutionierte. Der simuliert die gesamte Welt auf Basis von Satellitenfotos, die mit 3D-Gebäuden und Echtzeit-Wetter kombiniert werden. Im Sichtflug mit Kompass und Uhr von Berlin nach Bordeaux? Kein Problem.

Realistischer sah Fliegen auf dem PC noch nie aus und auch nicht auf einer Spielekonsole, aufgrund der Nähe zu Windows hat Microsoft den Simulator für die X-Box-Konsole gleich mitentwickelt. Die Konsolen eröffnen nun auch der breiten Masse der Gelegenheitsspieler die Welt ernsthafter Flugsimulationen. Auf dem PC ist das nur mit dem Online-Spiel “World of Warplanes” gelungen, bei dem Hardcore-Simulationsflieger ehr die Nase rümpfen. Sie schwören auf beinharte “Schraubensimulatoren” wie  X-Plane, den DCS von Eagle Dynamics und die I2-Great Battles-Serie sowie "Il2- Cliffs of Dover" . 

Je dichter dran am echten Flugzeug desto besser, lautet das Credo der Simulatorfans. Es soll möglichst alles so funktionieren wie im Original: Vom Ladedruck über die Vergaservorwärmung und Propeller-Einstellwinkel bei Kolbenmotorflugzeugen bis hin zu den komplexen Triebwerk- und Navigationssystem eines Airbus 340. 

Wer sich so intensiv mit der virtuellen Fliegerei beschäftigt, will nicht mit Maus und Tastatur fliegen, sondern wünscht sich ein “angemessenes” Eingabegerät. Der Joystick-Markt für die zivile Luftfahrt ist eher dünn bestückt. Daher füllt der neue “VelocityOne Flight” von Turtle Beach eine Lücke für Fans von Airbus, Boing, Cessna und Daher. Zudem wartet der Stick mit Features auf, die Mitbewerbern wie Thrustmaster und Logitech fehlen.

Der “VelocityOne Flight” ist einem sogenannten Steuerhorn nachempfunden, wie er in vielen Privatflugzeugen etwa der berühmten Cessna 172 oder einer Beechcraft Baron zu finden ist. Das Horn ist gut ausbalanciert, Höhen- sowie Querruder-Steuereingaben erfordern einen gewissen Kraftaufwand und zentrieren sich von allein, wodurch sich das virtuelle Fliegen noch ein Stück echter anfühlt.  

Flugsimulator X-Plane-11 und der TurtleBeach VelocityOne Flight
Der "VelocityOne Flight" im Test mit X-Plane 11. Dank der austauschbaren Hebelköpfe lassen sich Cockpits wie hier der Beechcraft Baron am Schreibtisch nachempfinden. 
© stern

Das kleine LCD-Display in der Mitte des Horns erlaubt den Zugriff auf die Konfigurationen des simulierten Flugzeugs und grundlegenden Anzeigen. In den Menüs muss zunächst eingestellt werden, ob der Controller an einen PC oder eine X-Box angeschlossen ist. 

An der X-Box verwandeln sich die Tasten am Stick in einen X-Box-Controller mit seinen typischen Belegungen und Knöpfen - einschließlich des großen X-Box-Logo-Tasters, der auf der Konsole das Menü aufruft. Die Zeigefingertasten RT und LT werden zum optionalen Seitenruder. Sehr praktisch für alle, die sich nicht noch Seitenruderpedale unter den Wohnzimmertisch stellen wollen.  

Flugsimulator-Piloten im Hebel-Himmel

Das eigentlich Plus des "One Flight" ist der große Schubhebel-Quadrant an der rechten Seite. Hier befinden sich gleich vier Schubhebel, das ist selten. So kann jedes einzelne Triebwerk eines vierstrahligen Airliners oder einer viermotorigen Boeing B-17 genau geregelt werden. Damit die Hebel bei weniger als vier Motoren nicht nutzlos sind, lassen sich bei Ihnen die Hebelköpfe austauschen und die Achsen neu zuweisen. So wird aus einem Gashebel ein Prop-Pitch oder ein Gemischregler. Und wie im echten Cockpit haben die Hebelköpfe je nach Aufgabe andere Farben und Formen. Sehr praktisch für alle, die eine VR-Brille tragen und die Hebel nur noch fühlen können.

Leider sind die Schubhebel deutlich zu leichtgängig geraten. Sie bieten keinerlei Widerstand, was schnell zum Über- oder Untersteuern führt. Ausgewogener ist das Höhenruder-Trimmrad geworden und die drei Zughebel, auf die sich zum Beispiel die Lande- und Kühlerklappen legen lassen - oder wie bei manchen echten Flugzeugen der Gas- und Gemischhebel. 

Am Steuerhorn und den Schubhebeln lassen sich insgesamt 34 Knöpfe mit Funktionen belegen. Virtuelle X-Box-Piloten dürfte das freuen, sie sollten keine zusätzlichen Eingabegeräte wie zum Beispiel eine Tastatur benötigen. Dem "VelocityOne Flight" ist die Nähe zur X-Box und dem Microsoft Flight Simulator sofort anzumerken, er funktioniert hier wie "Plug and Play". 

Flugsimulator X-Plane-11 und der TurtleBeach VelocityOne Flight
Flexibler geht es kaum: Weiß sind die Schubhebel für die beiden Motoren, blau der Propeller-Einstellwinkel und rot das Treibstoffgemisch. Die hellen Tasten darunter lassen sich frei belegen. Leider sind die Schubhebel zu leichtgängig. 
© stern

Mehr Arbeit gibt es dagegen auf dem PC bei anderen Flugsimulationen. So erkennt X-Plane den neuen Controller zwar sofort, doch muss der User sämtliche Funktionen von Hand einrichten und in einer eigenen Konfigurationsdatei speichern. Steuerhorn und Schub-Quadrant werden hierbei als separate Geräte behandelt. Mit nur wenig Aufwand ließ sich im Test das Cockpit einer Beechcraft Baron “nachbauen”. 

Das gilt auch für die Militär-Simulationen DCS sowie Il2-Great-Battles und “Cliffs of Dover”. Für hektische Kurvenkämpfe ist der "VelocityOne Flight" jedoch nicht gemacht, er fühlt sich eher in einer De Havilland Mosquito, Vickers Wellington oder Junkers Ju 88 wohl. Einen aufwändigen Treiber mit Tastenprogrammierung, wie die Target-Software von Thrustmaster, gibt es für den Velocity Flight One nicht. Bei manchem Flugsimulator könnte das die Belegung einschränken.

Für wen geeignet und für wen nicht?

Flugsimulator X-Plane-11 und der TurtleBeach VelocityOne Flight
Anflug auf Hamburg Airport EDDH: Flieger wie die Beechcraft Baron, hier in X-Plane 11, lassen sich mit dem TurtleBeach VelocityOne Flight sehr präzise steuern. Für Kampfjets ist er nicht geeignet.
© stern

Mit rund 380 Euro richtet sich der “Turtle Beach VelocityOne Flight” klar an Simulatorfans, die es ernster meinen und vielleicht sogar für ihre Privatpilotenlizenz üben wollen. Die Verarbeitung wirkt hochwertig, das Schalterkonzept ist durchdacht und enorm vielseitig. Mit der nahtlosen Integration in das Gespann X-Box-One und Flightsimulator 2020 ist der Controller für Konsolenpiloten eigentlich konkurrenzlos. 

Nahezu alle besseren Eingabegeräte für Flugsimulationen bewegen sich in der Preisklasse zwischen 300 und 500 Euro. Beim Simulationsspezialisten Honeycomb beginnt bei 250 Euro erst der Einstieg in das modulare System. Thrustmaster bietet für rund 300 Euro Steuerhörner wahlweise mit Boeing oder Airbus als Vorbild. Logitech spricht mit dem simplen Yoke für rund 120 Euro eher Gelegenheitsflieger an. Und wer in Kampfjets oder alten Warbirds in den virtuellen Luftkrieg zieht, sollte sich ohnehin besser einen Steuerknüppel samt Schubhebel und Seitenruderpedale zulegen.


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