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Fall Hoeneß - die Chronologie: Bayern-Präsident, Steuerhinterzieher, Promi-Häftling

Vom ersten Verdacht bis zum Urteil verging etwas mehr als ein Jahr. Nach einem halben Jahr Haft heißt es nun, Uli Hoeneß werde im Gefängnis bevorzugt behandelt. Eine Chronologie des Falles.

Im Jahr 2012 erreichen den stern verlässliche Informationen, dass ein Spitzenmann aus der Fußball-Bundesliga auf einem Depotkonto bei der Schweizer Privatbank Vontobel heimlich ein riesiges Vermögen von umgerechnet mehreren hundert Millionen Euro gebunkert haben soll. Die Nummer des Kontos: 4028BEA.

14. Januar 2013:

An Montagmorgen konfrontiert der stern die Vontobel mit einer Reihe detaillierter Fragen zu dem geheimen Schatz – ohne Namen noch, wem er gehören könnte. Die Bank lehnt einen Kommentar mit Verweis auf das Bankgeheimnis ab.

15. Januar 2013:

Nach Medienberichten soll Vontobel ihren Top-Kunden Uli Hoeneß spätestens an diesem Dienstag vor den stern-Recherchen gewarnt haben. Daraufhin haben laut "Süddeutsche Zeitung" ein Anwalt, ein Steuerberater sowie ein pensionierter Münchner Steuerbeamter bei der Vontobel versucht, auf die Schnelle Unterlagen für eine Selbstanzeige zusammenzustellen. Erst nach Mitternacht seien Papiere aus der Schweiz auf dem Email-Account von Hoeneß’ Ehefrau Susanne eingegangen.

Die Angaben zu den Abläufen sind allerdings bis heute widersprüchlich. In einem Telefonat mit dem damaligen stern-Chefredakteur Andreas Petzold etwa hatte Hoeneß zunächst angegeben, er habe die Selbstanzeige von langer Hand geplant und schon am Samstag, 12. Januar, bei seinem örtlichen Finanzamt in Rosenheim eingereicht – demnach bevor stern-Recherchen die Bank aufschreckten. Später verbreitete Hoeneß eine andere Version: Der Zeitschrift "Sport Bild" sagte er, die Selbstanzeige sei am "17. Januar" eingereicht worden.

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17. Januar 2013: Nachdem am Vorabend schon online eine Vorabmeldung zu lesen war, erscheint die Geschichte über das geheime Fußballkonto im stern. Hoeneß wird nicht erwähnt. Dafür macht sein Name an diesem Donnerstag in der bayerischen Finanzverwaltung die Runde: Die heiße News, dass sich der prominente Bayer selbst anzeigte, wird vom Finanzamt an das Bayerische Landesamt für Steuern und von dort direkt ins Finanzministerium weitergetragen.

25. Januar 2013:

Die Staatsanwaltschaft München II übernimmt den Fall Hoeneß von der Bußgeld- und Strafsachenstelle des Finanzamts. Ministerpräsident Horst Seehofer wird über die Aufnahme des Ermittlungsverfahrens informiert.

20. März 2013: Die Staatsanwaltschaft durchsucht die Hoeneß-Villa am Tegernsee und sein Büro beim FC Bayern in München. Der Club-Präsident sieht sich mit einem Haftbefehl konfrontiert, der nur gegen eine Millionenkaution außer Vollzug gesetzt wird.

18. April 2013:

Mehrere Medien bekommen Wind davon, dass bei Hoeneß durchsucht wurde. Nach der "Tegernseer Stimme" konfrontiert das Magazin "Focus", dessen Herausgeber Helmut Markwort im Aufsichtsrat des FC Bayern sitzt, den Bayern-Patron. Hoeneß bestätigt in einem kurzen Statement die Abgabe der Selbstanzeige.

20. April 2013: "Focus" berichtet an diesem Samstag vorab über die Selbstanzeige. Der stern konfrontiert Hoeneß mit Details zu dem Konto bei der Vontobel. Hoeneß ruft daraufhin bei stern-Chef Andreas Petzold an und bestätigt: Ja, es ist dieselbe Bank. Gleichzeitig bestreitet Hoeneß, jemals Beträge von mehr als 20 Millionen Euro in der Schweiz gehabt zu haben.

25. April 2013:

Der stern veröffentlicht die komplette Kontonummer 4028BEA sowie Informationen etwa zu Devisenspekulationen und Aktiengeschäften, die über die Bankverbindung abgewickelt wurden.

2. Mai 2013:

In einem Gespräch mit der "Zeit" demonstriert Hoeneß Reue: "Ich habe eine große Torheit begangen, einen Riesenfehler." Er erzählt auch von seinem Hang zu wilden Währungsspekulationen. Um welche Summen es dabei ging, mag er nur andeuten: "Das waren Summen, die für mich auch heute schwer zu begreifen sind, diese Beträge waren schon teilweise extrem. Das war der Kick, das pure Adrenalin."

30. Juli 2013: Die Staatsanwaltschaft München II erhebt Anklage wegen Steuerhinterziehung gegen Uli Hoeneß. Angeblich soll der FC-Bayern-Präsident dem Fiskus über die Jahre mehr als drei Millionen Euro vorenthalten haben. Hoeneß’ Hoffnung, die Selbstanzeige könne unmittelbar strafbefreiend wirken, zerplatzt damit.

8. August 2013:

"Mehr Millionen, mehr Konten?" – so berichtet der stern über die Aussage eines Hinweisgebers bei der Münchner Staatsanwaltschaft. Danach sollen sich auf dem Konto 4028BEA bei Vontobel über viele Jahre sagenhafte Summen von mehr als 500 Millionen Schweizer Franken befunden haben. Hoeneß nutzt den Medienauftrieb am Rande eines Golfturniers und weist die Anschuldigungen als "Unwahrheiten" zurück.

4. November 2013:

Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II lässt die Anklage gegen "Ulrich H. wegen Steuerhinterziehung" zu.

23. Januar 2014: Auf der Suche nach einem Leck, durch das der stern an Informationen im Fall Hoeneß gelangt sein soll, durchsucht die Staatsanwaltschaft das Finanzamt Miesbach sowie ein Rechenzentrum der bayerischen Finanzverwaltung in Nürnberg. Hintergrund der einzigartigen Aktion sind Hinweise, die belegen, dass der Bayern-Patron in Deutschland bis Ende 2008 steuermindernd Verluste von 118,9 Millionen Euro geltend machte. Wie konnte sich der Bayern-Patron das leisten? Und wie passt das alles zusammen: Millionengewinne in der Schweiz, Riesenverluste daheim? Hoeneß lässt solche Fragen unbeantwortet.

22. Februar 2014:

Die Anklage geht von 3,5 Millionen Euro aus, die Hoeneß hinterzogen haben soll. Und auch die hohen Summen, die Hoeneß bislang so vehement bestritt, kommen erneut ins Spiel: Angeblich habe er zwischen 2003 und 2009 zeitweise dreistellige Millionensummen fürs Zocken bewegt, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

10. März 2014: Hoeneß vor Gericht. Unter Aktenzeichen 68 Js 3284/13 beginnt vor dem Münchner Landgericht der Prozess im "Strafverfahren gegen Ulrich H." Hoeneß gesteht, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

11. März 2014:

Die Summe der hinterzogenen Steuern wird immer höher. Hoeneß soll sogar mindestens 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Grundlage sind Berechnungen einer Steuerfahnderin.

12. März 2014:

Die schwindelerregende Steuerschuld hält die Hoeneß-Verteidigung für "sachgerecht". Die Selbstanzeige habe sämtliche Zahlen bereits enthalten.

13. März 2014:

Uli Hoeneß wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München spricht den Präsidenten des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung schuldig.

14. März 2014:

Uli Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurück.

17. März 2014:

Auch die Staatsanwaltschaft verzichtet auf Revision. Damit erlangt das Urteil Rechtskraft, Hoeneß erhält in einigen Wochen nach Erhalt der schriftlichen Urteilsbegründung eine Ladung zum Haftantritt in Landsberg am Lech.

31. März 2014:

Medientag in der Landsberger JVA. Das Gefängnis inszeniert für die Öffentlichkeit die Haftbedingungen für Uli Hoeneß. Der Ex-Bayern-Präsident sieht seine Privatsphäre bedroht. Das Ansinnen, die Haft in einer anderen Vollzugsanstalt abbüßen zu dürfen, wird zurückgewiesen.

10. Mai 2014:

Hoeneß wird erpresst. Der Erpresser droht, dem Ex-Bayern-Präsidenten die Haft zu erschweren, sollte dieser nicht einen sechsstelligen Betrag zahlen. Bei der Geldübergabe in München wird ein 50-Jähriger Vorbestrafter festgenommen. Die Polizei betont: "Die Drohungen hatten Hand und Fuß."

2. Juni 2014:

Uli Hoeneß tritt seine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Landsberg an. Wie es heißt, hat sich der Haftantritt wegen eines Brückentages am Freitag zuvor verschoben.

20. September 2014:

Nach dreieinhalb Monaten Haft genießt Hoeneß im Kreis seiner Familie den ersten Freigang.

15. Oktober 2014:

Ein Mit-Häftling bezeugt gegenüber dem stern, dass Hoeneß in Landsberg eine bevorzugte Behandlung genieße. "Uli ist hier so etwas wie der Köng". Hoeneß bewohne eine größere Zelle, könne jederzeit duschen und Besuch außerhalb der Besuchszeiten empfangen. Seine Zelle sei zudem zum Haftantritt frisch gestrichen und das Bett mit einer neuen Matratze ausgestattet worden.